POLITIK
15/12/2017 16:48 CET | Aktualisiert 15/12/2017 16:53 CET

YouGov-Umfrage: Jeder Zweite macht AfD für wachsenden Antisemitismus verantwortlich

"Der Judenhass in der Partei war unerträglich", bestätigt auch ein AfD-Aussteiger.

AfD-Chefs Gauland und Meuthen
Gauland (links) findet, der Holocaust betreffe die deutsche Identität nicht mehr.
  • Die Mehrheit der Deutschen macht die AfD für den wachsenden Antisemitismus mitverantwortlich
  • Das geht aus einer exklusiven Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die HuffPost hervor

Nach den brennenden Israel-Fahnen am vergangenen Wochenende in Berlin ist in Deutschland eine Debatte über einen wachsenden Antisemitismus entbrannt.  

Im Fokus ist mit der AfD auch eine Partei, die seit September im Bundestag sitzt. Einzelne Politiker der AfD fielen in der Vergangenheit immer wieder mit antisemitischen Äußerungen auf.

Mehrheit macht AfD für Antisemitismus verantwortlich

Viele Deutsche nehmen das mit Sorge wahr. Die Mehrheit der Deutschen macht die AfD für den steigenden Antisemitismus verantwortlich.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor, die die HuffPost in Auftrag gab.

YouGov / HuffPost

48 Prozent der Befragten sind demnach der Meinung, dass die Partei einen verstärkenden Einfluss auf die Verbreitung judenfeindlicher Einstellungen in Deutschland hat. 

31 Prozent sagten, die Partei habe keinen Einfluss darauf, 21 Prozent machten keine Angaben.

In der Debatte um die antisemitischen Proteste am vergangenen Wochenende in Berlin wurde auch Kritik an den Rechtspopulisten laut. 

Der Judenhass in AfD war unerträglich

So sagte Karin Prien (CDU), Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, im HuffPost-Gespräch: “Der unverhohlene Geschichtsrevisionismus, der von der AfD betrieben wird, führt dazu, dass man vermeintlich wieder fast alles sagen kann.”

Und ein Aussteiger der Partei verriet: “Der Judenhass in der Partei war unerträglich.”

Bereits 2016 hatten Recherchen der HuffPost gezeigt, wie antisemitisch und israelfeindlich Teile der AfD tatsächlich sind

Zahlreiche antisemitische Äußerungen von AfD-Mitgliedern

In zahlreichen Fällen hatten sich teils hochrangige AfD-Mitglieder in der Vergangenheit offensichtlich antisemitisch geäußert. 

Besonders der Fall des baden-württembergischen AfD-Politikers Wolfgang Gedeon machte Schlagzeilen. Eine unabhängige Kommission beurteilte mehrere Schriften des Landtagsabgeordneten als “eindeutig antisemitisch”

Die AfD bestreitet derweil, Judenfeindlichkeit zu tolerieren. Wenig überraschend ist deswegen: Fremd- und Selbstwahrnehmung klaffen bei diesem Thema stark auseinander.

So ist eine überwältigende Mehrheit der AfD-Anhänger (76 Prozent) der Meinung, die Partei habe keinen Einfluss auf den Antisemitismus in Deutschland. Nur 15 Prozent sagten das Gegenteil. 

YouGov / HuffPost

Außerdem ist eine Mehrheit der Befragten der Meinung, dass das Problem der Judenfeindlichkeit durch muslimisch geprägte Migranten verstärkt wird (61 Prozent).

Zwanzig Prozent sagten, dass sich der Antisemitismus durch Muslime nicht verstärkt habe. Ähnlich viele machten keine Angaben.

Der Zentralrat der Juden ist etwa der Auffassung, dass der Zuzug von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren ein Problem für Menschen jüdischer Herkunft ist.

“Flüchtlinge sind zum Teil antijüdisch sozialisiert”

Ähnlich äußerte sich Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. “Wir teilen die Sorgen, dass Menschen aus Staaten hierher geflohen sind, die zum Teil leider antijüdisch sozialisiert sind”, sagte er Ende November.

Antisemitismus unter Muslimen sei “oftmals auch eine politische Ideologie, die wir bekämpfen müssen.”

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