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An meine Freunde, die mich ausschließen, seit ich Mutter bin

"Als Mutter wird man schnell auf das Abstellgleis gestellt"

14/12/2017 11:49 CET | Aktualisiert 14/12/2017 11:58 CET
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Manchmal vermisse ich es, abends mit Freundinnen essen zu gehen oder etwas zu trinken. Denn Ausgehen kann ich nicht.

Warum ich dafür Kopfschütteln und vernichtende Blicke, Seufzer und ähnliches erhalte, verstehe ich oft selbst nicht. Aber daran lässt sich nichts ändern.

Als Mutter wird man schnell auf das Abstellgleis gestellt. Vereinsamung von Müttern gibt es wirklich.

Dieser Artikel ist stellvertretend für alle Mamas entstanden, die unter Vereinsamung leiden. Er ist eine Mischung aus Erzähltem und Erlebtem in meinem Umfeld.

“Lass uns abends doch mal wieder essen gehen?” hörte ich unlängst eine Freundin sagen. Oh ja, darauf hatte ich tatsächlich große Lust. Abends ausgehen, ein klein wenig hübsch machen, zusammen lachen und quatschen, dem Mama-Alltag entfliehen.

Viel zu lange war ich abends nicht mehr unterwegs. Ganz alleine, also nur ich ohne Mann und ohne Kinder.

Zuerst wollte ich lügen

Dennoch zögerte ich mit meiner Antwort, weil ich wusste, sie würde auf Unverständnis stoßen. Kurz dachte ich daran, eine Ausrede vorzuschieben und einfach zu lügen. Ich entschied mich dann aber doch für die Wahrheit.

“Ich kann nicht”, antwortete ich leise und presste noch ein zögerliches “Der Kleine kann ohne mich nicht einschlafen” hervor.

Stille.

Unverständnis.

Kopfschütteln.

Und sofort hatte ich ein schlechtes Gewissen.

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich zugebe, dass mein Kind mich braucht?

Darf ich als Mutter nicht voll und ganz auf die Bedürfnisse meines Kindes eingehen?

Mache ich etwas falsch?

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Der Plan, essen zu gehen, war also sofort ad acta gelegt. Ich wusste noch im selben Moment, dass ich beim nächsten anstehenden Termin eines abendlichen Essens unter Freundinnen nicht mehr gefragt werde. Und ich hatte Recht. Hätte ich doch bloß gelogen.

Das Thema ließ mich nach diesem Zusammenstoß nicht los. Jedes Kind kann schlafen lernen. Nur meins nicht, dachte ich später zu Hause.

Sätze wie diese hatte ich tatsächlich schon oft gehört. “Kann nicht der Papa das Kind ins Bett bringen?” oder “Es kann ja nicht dein Ernst sein, dass du dein einjähriges Kind nicht daheim lassen kannst?”

Ich bin immer auf Unverständnis gestoßen, wegen der Tatsache, dass ich es in Ordnung finde, wenn mein Kind nicht einschlafen kann – ohne mich.

Dass ich eine erzwungene Trennung nicht möchte und auf mein Kind eingehe. Dass der Papa es natürlich immer wieder versucht, den Kleinen ins Bett zu bringen, er aber trotzdem ganz oft nach mir verlangt.

Vereinsamung von Müttern

In Wirklichkeit handelt es sich um einen verschwindend kurzen Zeitraum im Leben einer Mama, in dem sie sich ganz auf ihr Kind einlässt und ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellt. Das sehe ich nicht als Bürde, sondern als Geschenk.

Ich habe nie auch nur eine Sekunde daran gedacht, etwas zu verpassen. Aber ganz ehrlich: Manchmal tut es enorm weh, ausgeschlossen zu werden. Nicht mehr Teil einer Gruppe zu sein. Meine Prioritäten haben sich einfach nur verschoben, aber das bedeutet nicht, dass ich als Freundin nicht mehr existent bin.

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Es wundert mich also nicht sonderlich, dass es oft zur Vereinsamung von Müttern kommt, weil man sie – vielleicht ganz unbewusst – aufs Abstellgleis stellt und außen vor lässt. Das finde ich schade und das muss wirklich nicht sein.

Ich weiß selbst, dass es sich wieder bessert, sobald die Kinder ein Stück weit größer sind. Es ist aber schwierig, den Anschluss wieder zu finden, wenn man lange Zeit nicht mehr Teil einer Gruppe sein durfte.

Deswegen, liebe Freundinnen von so vielen Mamas da draußen: Seid gegenüber Mamas, die ihre Kinder noch selbst ins Bett bringen und abends nicht bis in die Puppen tanzen gehen, verständnisvoller.

Noch kränkender als ein Kopfschütteln ist es, ausgeschlossen zu werden.

Man kann auch gut mit uns Mamas frühstücken oder sich nachmittags treffen. Es muss nicht immer ein Abendessen sein.

Auch Mamas haben das Bedürfnis nach Austausch und brauchen mal eine Freundin zum Reden und Quatschen. Spaß haben geht zu jeder Tageszeit.

 

Der Beitrag erschien zuerst auf Littlebee, dem Blog der Autorin.

 

 

 

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