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06/01/2018 15:17 CET

Auf dieses riesige Gebäude in Kopenhagen sollte Deutschland neidisch sein

Hier wird Müll zu Energie – und die flache Stadt zur Skipiste.

BIG - Bjarke Ingels Group / MIR
Das Konzept von Star-Architekt Bjarke Ingels.
  • In Dänemark sorgt eine Müllverbrennungsanlage für erstaunlich grüne Energie
  • Jetzt soll das Gebäude auch noch zum Erholungs- und Sportpark werden

Europa hat ein Problem. Ein Müll-Problem.

Auf unserem Kontinent fällt allein soviel Plastikabfall an, dass die EU jährlich 1,6 Millionen Tonnen nach China exportieren musste. Nun hat die Volksrepublik einen Importstopp verhängt.

In vielen europäischen Ländern herrscht Ratlosigkeit. Nicht so in Dänemark.

Das skandinavische Land arbeitet seit Jahren an neuen Wegen, den eigenen Müll effektiv zu nutzen. Ein besonderes Vorzeigeprojekt: die Müllverbrennungsanlage Amager Bakke in Kopenhagen.

Hier sollen laut Berichten jährlich 400.000 Tonnen Müll verbrannt werden. Die Energie, die dadurch freigesetzt wird, soll 160.000 Haushalte mit Fernwärme und 62.500 Häuser mit elektrischer Energie versorgen.

Noch bemerkenswerter: Das Dach des innovativen Gebäudes soll gleichzeitig als Skipiste und Regenerationspark genutzt werden. In wenigen Monaten soll der Outdoor-Park eröffnen.

SLA
Die Pläne des dänischen Architektenbüros SLA.

Schon jetzt versorgt das Gebäude Kopenhagen

Bereits 2013 wurden die Pläne für das ambitionierte Bauvorhaben vorgestellt. Im vergangenen Jahr wurde dann bereits das Kraftwerk in Betrieb genommen – schon im Herbst belieferte es große Teile der dänischen Insel Amager und der Hauptstadt Kopenhagen mit Strom.

Bis 2025 will die dänische Hauptstadt vollständige Klimaneutralität erreichen. Das heißt: In sieben Jahren soll in Kopenhagen nicht mehr Co2 ausgestoßen als absorbiert werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden auch bereits Fahrrad- und Fußgängerwege ausgebaut und der Öffentliche Nahverkehr neu strukturiert. Auch im Bereich “Waste to Energy”, zu Deutsch: “Energie aus Müll”, wir die dänische Stadt nun zum Vorreiter.

Mehr zum Thema: “Copenhagenize!”: Jan Gehl will die Städte den Fahrradfahrern und Fußgängern zurückgeben

Zunächst fiel das Design durch

Dabei hatte es zunächst Skepsis gegeben. Das Design des Star-Architekten Bjarke Ingels sei im Jahre 2011 durchgefallen, weil Kritiker befürchteten, die Anlage sei nicht umweltfreundlich genug, berichtet “National Geographic”.

Denn zunächst sorgt die neue Müllverbrennungsanlage natürlich selbst für CO2-Ausstoß. Aber: Im Vergleich zu älteren Modellen soll Amager Bakke 25 Prozent effektiver sein. Zudem sorgen moderne Filtertechnologien dafür, dass etwa 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr gespart werden können.

Dabei soll die anfallende CO2-Emission zumindest einem Zweck dienen: Die Bewohner der Stadt auf die Herausforderungen des Klimawandels aufmerksam machen.

Dazu wird das anfallende CO2 nicht einfach in die Luft geblasen, sondern jeweils eine Tonne in Form eines sichtbaren Rauchrings auslassen. Ein Schauspiel mit Wirkung: Denn mit über 100 Metern Höhe gehört die Anlage  zu den höchsten Gebäuden Kopenhagens.

(ll)