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12/01/2018 13:19 CET

Älteres Ehepaar verliert Wohnung - die Begründung des Vermieters ist unverschämt

Nachdem ihnen erstmal geholfen wurde, werden sie am Montag wohl auf der Straße landen.

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Statt eines Mietvertrags erhielten sie Post vom Notar.
  • Einem Ehepaar in NRW wurde die Wohnung aufgekündigt
  • Der Grund: Die Wohnung sei zu vollgestellt

Gesundheitliche Probleme, dann der Jobverlust und in Folge die Zwangsräumung ihres Hauses. Geschichten wie die des älteren Ehepaars Hollmann aus Espelkamp in NRW sind leider keine Seltenheit mehr.

Nachdem ihnen erstmal geholfen wurde, werden sie am Montag wohl auf der Straße landen - die Begründung klingt unverschämt.

2015 wurde das Haus von Barbara (62) und Erhart (59) Hollmann zwangsversteigert, als ihnen nach schweren gesundheitlichen Problemen und dem Verlust des Arbeitsplatzes die Mittel fehlten, berichtet die Zeitung Westfalen-Blatt.

In ihrer Not wandten sie sich an “Wohin, die örtliche Fachstelle für Menschen in Wohnungsnot”.

Statt eines Mietvertrags erhielten sie Post vom Notar

Sie wurden Teil des Pilotprojektes “Wohnenplus” und konnten so in eine neue Wohnung ziehen. In dem Modellprojekt arbeitet die Fachstelle mit Wohnungsanbietern zusammen. Der Träger mietet die Wohnungen an und lässt die Menschen in Wohnungsnot dort als Untermieter wohnen. Nach Ablauf eines Jahres wird die Wohnung dann direkt von den Bewohnern angemietet.

Doch für das Ehepaar Hollmann kam es anders.

Statt eines Mietvertrags erhielten sie Post vom Notar. Auch ein Gerichtsvollzieher war mittlerweile schon da. Am kommenden Montag wird die Wohnung zwangsgeräumt.

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Eine wirkliche Begründung scheint es nicht zu geben. “Wir haben doch auch immer die Miete gezahlt”, berichtet Barbara Hollmann im “Westfalen-Blatt”.

Sie hat jedoch eine Vermutung.

Vertreter des Wohnungsunternehmens hätten sich die Wohnung angeschaut und gesagt, es würden zu viele Sachen drin stehen. Wohl kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sich das Ehepaar von ihrem Haus trennen und eine kleinere Wohnung beziehen musste.

Seit fünf Monaten würde sie versuchen, ihn zu erreichen

Doch weder die Fachstelle für Wohnungsnot, noch das Wohnungsunternehmen würde aktuell mit dem Ehepaar sprechen.

Auf Anfrage der Zeitung “Westfalen-Blatt” sagte eine Sprecherin von “Wohin”, das Ehepaar habe umfangreiche Hilfe bekommen - mehr könne man aus Datenschutzgründen nicht sagen.

Hans-Jörg Schmidt, Geschäftsführer der Aufbaugemeinschaft, denen die Wohnung gehört, erklärte gegenüber der Zeitung, es läge an der mangelnden Bereitschaft des Paares. “Sie haben umfängliche Hilfsangebote bekommen und nicht angenommen.” Dass die Wohnung so zugestellt war, sei nur einer von vielen Punkten.

Um die Kommunikation wieder aufzunehmen, hat Barbara Hollmann einen Brief an Hans-Jörg Schmidt geschrieben. Seit fünf Monaten würde sie versuchen, ihn zu erreichen.

“Wir haben aber nur einen Anruf von unserem Kundenberater bekommen, der gesagt hat, dass sich die Aufbau[gemeinschaft] nicht zu dem Fall äußere”, so Hollmann.

Die Hollmanns wissen nicht mehr weiter

Nachdem auch eine vom Ehepaar eingereichte Räumungsschutzklage vom zuständigen Amtsgericht abgelehnt wurde, wissen die Hollmanns nicht mehr weiter.

Ein Nachbar versucht aktuell, eine Wohnung zu finden, in der die beiden unterkommen können, doch bis jetzt blieb die Suche erfolglos.

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Barbara Hollmann hat nun Angst, dass sie ab Anfang kommender Woche nur mit ihrer Kleidung am Körper und der Katze in der einen und den Medikamenten in der anderen Hand auf der Straße landen werden.

Die beiden geben zu, dass sie wahrscheinlich Fehler gemacht haben. Das ist aber sicher kein Grund, ein Ehepaar um die 60 auf der Straße landen zu lassen.

(fk)

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