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Männlich, alleinerziehend, 55+

Alleinerziehender Vater - geht sowas denn?

07/02/2018 11:15 CET | Aktualisiert 09/02/2018 16:44 CET
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Zugegeben die Überschrift klingt nach Ina Müller mit “weiblich, ledig, 40” und das ist auch beabsichtigt, denn sie hat da eine tolle CD hingelegt. Am Besten finde ich “Thomas hat gekocht” gaaanz am Ende der CD.

Als meine Ex vor nunmehr 9 Jahren auf klassische Weise ging (Sie wissen schon: Koffer gepackt und sich von Eltern abholen lassen) hatte ich auch ein “Kochproblem”.

Seither verfahre ich nach dem Motto: Kochen kann ich nicht aber ich bekomme ein warmes Essen auf den Tisch, das schmeckt , halbwegs gesund ist und satt macht (gelegentlich wird Nachschlag gefordert). Und das ist wichtig: Unser Sohn ist mittlerweile 13, das Schulessen so lala und richtig: Er lebt mit mir zusammen. Schock!

Alleinerziehender Vater - geht sowas denn? Aber sicher. Gesellschaftlich ist es aber immer noch ein “No go”. Manche Sätze pädagogisch ausgebildeter Frauen hallen immer noch nach, zum Beispiel: “So ein Problem wie Sie hatten wir noch nicht.” Aha, was für ein Problem, bitteschön?

Es gibt Abertausende alleinerziehende Mütter, über die auch gern, wenn auch etwas verhalten, geschrieben wird. Und dann gibts auch ein paar Papas, die dasselbe tun, na und?

“Ich bin eine Mädchenlehrerin.” Diesen Satz hörte mein Sohn nach seiner Einschulung von seiner Klassenlehrerin und das stimmte auch. So lernte er frühzeitig, was Männerhass ist. Die (späteren) Noten waren entsprechend. Erst als er in der vierten Klasse eine neue, den Kindern gegenüber unvoreingenommene, Klassenlehrerin bekam, gings besser und er ging ein Jahr später aufs Gymi. Na also. (Warum schreiben erwachsene Grundschullehrerinnen eigentlich mit total kindlichem Schriftbild??? Aber immerhin noch in Schreibschrift! Was sie ja den Kindern nicht mehr richtig beibringen können, dürfen oder wollen.)

“Na, da wollten Sie es aber noch einmal wissen, was?” ??? Ach so, nö, eigentlich nicht und ja, ich bin ein “alter” Papa, Spätzünder sozusagen. Frau spät kennengelernt und der Kinderwunsch zog sich hin, tja.

“Hihi, da hat Ihnen Ihre Frau das Kind also aufgedrückt.” Ähmm, jetzt wirds langsam grob. Nein, meine Exfrau konnte die Situation nicht bewältigen und ich war damals Wochenendpendler. Es gab nur Tränen - eine Lösung musste her. Also musste ich ran. Mach ich auch gerne, ist aber auch anstrengend (klar!). Vor allem, wenn einem die Großeltern nicht unter die Arme greifen können. Ach ja, voll gearbeitet hab ich auch, bis vor einem Jahr.

“Das ist aber nett, dass Du uns mit Deinem Opa besuchst.” Irritierter Blick des Kindes. Mittlerweile grinst er drüber, findet’s lustig und schaut mich konspirativ an. Vorurteile eben ...

Ich will meinen Sohn von der Grundschule abholen. Stehe also zwei Häuser weiter, da man als Mann ja mittlerweile sofort verdächtigt wird. Mütter eilen an mir vorbei, nicht ohne mich zu mustern. Ein Mann kehrt den Fußweg. Er lässt sich sichtbar Zeit. Dann: “Was machen Sie hier?” Hä, geht ihn das was an? Es ist eine öffentliche Straße! “Ich warte auf meinen Sohn.” Er glaubt mir nicht und kehrt weiter.

Dann die Klingel, mein Sohn kommt und der Mann verschwindet. Irgendwie fallen mir die Worte “Blockwart” und “ABV” ein.

Am liebsten hätte ich gesagt: “Ich deale.” Oder auch: “Ich warte auf kleine Mädchen.” Aber diesen schwarzen Humor würde heute niemand mehr teilen, mich stattdessen verdächtigen, behaupten: “Ich habe ganz genau gesehen, wie...”, die Polizei rufen usw. usf. Außer mein Sohn, der würde grinsen und sagen: “Aber Papa!!” Tja, mittlerweile gehen die Pferde seltener mit mir durch...

Bin ich schon so sehr in der allgemeinen Angst gefangen und “gefügig” geworden? Irgendwie fällt mir jetzt Sonnenfinsternis ein. Gibt es eine zunehmende, gefühlte gesellschaftliche Sonnenfinsternis?

Übrigens: Die Sonnenfinsternis fiel in der Schule in die Deutschstunde. Die Kinder schauten sich den Livestream an. So viel Angst, mit den Kindern raus auf den Schulhof zu gehen? Eine Pappe mit einem kleinen Loch und ein Blatt Papier - fertig ist die Lochkamera und keine Brille nötig. Schade, schade...

Mittlerweile leben auch die Lehrer aus zweiter Hand. Handarbeiten, Schulgarten, Werkunterricht und ab und zu in der Schulküche mitmachen dürfen (nur mit sauberen Händen!) ... es war herrlich - im Nachhinein.