POLITIK
05/02/2018 07:24 CET | Aktualisiert 05/02/2018 09:57 CET

Alice Weidel bei "Anne Will": Schon der erste Satz löste Kopfschütteln aus

Und auch der Rest von Weidels Sätzen machte es nicht besser.

  • In der Talksendung “Anne Will” sollen die Gäste über die kommende Große Koalition diskutieren
  • Auch AfD-Politikerin Alice Weidel ist dabei – und nutzt die Zeit für eine typische Provokation
  • Die Szene seht ihr oben im Video

Wer Alice Weidel (AfD) in eine Talkshow einlädt, weiß, was er bekommt. Inhaltlich dünne Argumente, rechte Provokationen – und bisweilen einen inszenierten Abgang

Letzteren gab es am Sonntagabend bei “Anne Will” nicht. Dafür aber eine typische weidelsche Provokation. Denn eigentlich sollte es in der Sendung um die kommende GroKo und deren in den Koalitionsgesprächen ausgehandelte Inhalte gehen. 

Doch Weidel nutzte schon die erste Frage an sie für eine ihrer populistischen Show-Einlagen. 

Gruß nach Cottbus

Eigentlich wollte Moderatorin Anne Will von der AfD-Politikerin wissen, was sie von der Abschaffung von sachgrundlosen Befristungen halte. 

Weidel jedoch würdigte diese Frage zunächst keiner Antwort. Stattdessen versuchte sie, die Diskussion auf das einzige Thema zu lenken, das ihre Partei besetzt: den Kampf gegen Flüchtlinge. 

Das Grundproblem sei, dass die Regierungsparteien nicht sensibel für die “wahren Probleme der Menschen” seien.

► “Und darum geht auch mein erster Gruß raus an die Menschen in Cottbus, die für ihre Probleme demonstrieren.” 

Die Reaktionen der anderen Gäste und des Publikums: kritische Blicke, Kopfschütteln, ungläubiges Lachen. 

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Zur Erinnerung: Zuletzt war es geballt zu Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Flüchtlingen in Cottbus gekommen. So hatten unter anderem jugendliche Syrer ein Ehepaar vor einem Einkaufszentrum attackiert. Zum Jahreswechsel hatten Unbekannte Flüchtlinge in ihrer Unterkunft angegriffen.

Nun ziehen immer wieder islamfeindliche Demonstranten durch die Stadt – unter diesen sowohl Politiker der AfD als auch viele Rechtsextreme. 

Weidel: “Messerstechende Migranten”

So fragte Will dann auch nach, ob Weidel nur diese Demonstranten grüße. Schließlich kommt es in Cottbus derzeit auch zu Gegendemos für ein friedliches Miteinander in der Stadt. 

Die AfD-Frau reagierte mit einem gedehnten “Ja” und ätzte dann gegen die Medien und deren angeblich “einseitige Berichterstattung”.

“Das sind einfach nur Menschen, die sich dagegen wehren, dass hier messerstechende Migranten auf unseren Straßen rumlaufen”, sagte sie über die Pegida-artigen Proteste in Cottbus.

Sie fügte hinzu: “Und da ist ja letztendlich das Grundproblem: Das ist eine Politik, die komplett die Bodenhaftung verloren hat.”

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Anschließend ließ Weidel sich dann doch noch überreden, auch auf Wills Eingangsfrage zu antworten. Sachgrundlose Befristungen abzuschaffen, treibe die Menschen in die Leiharbeit, sagte sie. 

► Für den Rest der Sendung kam Weidel dann kaum noch zu Wort.

Einmal durfte sie noch Steuerentlastungen für hohe Einkommen fordern; später bestritt sie gespielt empört, ihre Partei setze sich nicht für die Integration von Flüchtlingen ein – nur, um im gleichen Atemzug konsequentere Abschiebungen aus Deutschland zu fordern.

“Wir haben einen permanenten Gesetzesbruch an unseren Grenzen”, ereiferte sich Weidel da. “Nein, haben wir nicht”, antwortete ihr NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). 

Aber für Inhalte war es da schon zu spät. Weidel hatte ihre AfD-Show wieder einmal erfolgreich zu bester Sendezeit durchgezogen.

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(sk)