WIRTSCHAFT
09/01/2018 18:03 CET | Aktualisiert 09/01/2018 21:33 CET

Afrikanische Schweinepest kommt näher: Darum geht das uns alle an

Menschen können sich nicht infizieren – euer Leben könnte sie trotzdem beeinflussen.

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Wildschweine ziehen umher: Und doch sind sie nicht der einzige Grund für die Ausbreitung in Europa.
  • Die Afrikanische Schweinepest ist bereits in Tschechien und Polen angekommen
  • Wir erklären, warum sich auch in Deutschland Verbraucher über die Seuche informieren sollten

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in der Europa weiter aus. Die Gefahr einer Einschleppung der Krankheit nach Deutschland ist angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien weiterhin hoch.

► Es sei nicht die Frage, ob die Seuche das Land erreicht, sondern wann, sagte der Präsident des Landesbauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Detlef Kurreck. 

Denn: Gegen diese Form der Schweinepest gibt es keinen Impfstoff. Für die kranken Tiere führt sie fast immer zum Tod. Für Menschen ist sie aber ungefährlich.

Warum ist es dennoch für jeden wichtig, die Entwicklungen zu beobachten?

1. Große Gefahr für unsere Landwirtschaft

Im vergangenen Jahr gab es laut des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) im Baltikum, in der Ukraine, in Rumänien, Polen und Tschechien insgesamt 3859  Krankheitsausbrüche bei Wildschweinen und 248 Hausschweinen. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Die Zahlen klingen nicht extrem hoch.

Aber: Hat sich ein Zuchtschwein infiziert, müssen alle Tiere des Betriebs getötet werden.

Höfe in dem Sperrbezirk dürften ihre Schweine nicht verkaufen. 45 Tage lang muss das Gebiet frei von der Schweinepest sein, bevor die Tiere wieder aus dem Sperrbezirk transportiert werden. Die schlachtreifen Tiere müssten also länger als sonst versorgt werden.

Die Kosten steigen also auch für nur indirekt betroffene Betriebe.

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Jedes Schwein ist in Gefahr.

Und nicht nur das: Deutschland ist neben Spanien einer der größten Schweinefleischexporteure der Welt

► Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, befürchtet aber ein Importverbot von Schweinefleisch in Länder wie China – wenn die Pest in Deutschland ausbrechen würde.

Russland hatte bis Dezember 2017 bereits ein generelles Importverbot für EU-Schweinefleisch ausgesprochen, nachdem in Mitgliedstaaten die Krankheit ausgebrochen war.

Eine Einschleppung in Zuchtbetriebe könnte deshalb zu großen wirtschaftlichen Schäden führen. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken geht laut der “Süddeutscher Zeitung” von Kosten für Seuchenbekämfung und die gesamte Ernährungsbranche in “zweistelliger Milliardenhöhe”. Pro Jahr.

2. Unser Fleisch wird teurer

Weniger Schweine, erhöhte Kosten.

Es erscheint naheliegend, dass die Preise für Schweinefleisch auch für den Verbraucher steigen werden – wenn die Schweinepest kommt.

Vielleicht nicht sofort. Ein aktuelles Beispiel, das dies veranschaulicht: Eier werden aktuell um fast 20 Prozent teurer. Grund soll der Fipronil-Skandal sein.

Denn im vergangenen Sommer wurden wegen belasteter Eier Zuchtbetriebe zeitweise geschlossen und Millionen Tiere daraufhin getötet.

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Billig-Fleisch aus Deutschland? Wie soll das denn dann noch gehen…

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bezeichnete die Lage am Dienstag als “durchaus ernst”.

“Wir versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten”, sagte Schmidt der “Passauer Neuen Presse”. Er rief zu strikten Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen auf. “Vom Schweinehalter über den Händler bis zum Reisenden muss jeder helfen, die Ausbreitung zu verhindern.”

3. Der Mensch ist das größte Problem

Denn besondere Gefahr gehe vom Menschen aus, wie eine FLI-Sprecherin am Dienstag sagte. So könnte die Seuche, die von Osteuropa Richtung Westen vorrückt, sehr schnell durch kontaminierte Essensreste, die an Raststellen entsorgt werden, nach Deutschland eingetragen werden.

►Das bedeutet: Schweinefleischreste sollten nicht in der Natur oder frei zugänglichen Müllbehältern entsorgt werden. Wer das nicht beachtet, nimmt in Kauf, dass sich Wildschweine möglicherweise anstecken – und die Krankheit sich weiter ausbreitet. Ein Wurstbrot reicht bereits.

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Bleibt sauber!

4. Wie bereiten sich die Behörden vor?

Seit mehreren Monaten bereiten sich Bund und Länder auf den “worst case” eines möglichen Ausbruchs der Seuche in Deutschland vor. Die Jagd auf Schwarzkittel wurde intensiviert.

So auch am Dienstag entlang der A2 bei Bielefeld. Rund 100 Jäger aus acht Revieren verteilten sich auf rund 900 Hektar Wald entlang der Strecke, die als Hauptverkehrsachse von Osteuropa über Berlin nach Nordrhein-Westfalen gilt.

Bis zum Nachmittag sollte dort eine zweistellige Anzahl von Wildschweinen geschossen werden.

Behörden und Jagdverbände haben zudem einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, wie im Falle eines Seuchenausbruchs reagiert werden soll. Demnach würden ähnlich wie in Tschechien drei Gefahrenzonen eingerichtet.

Während in der Kernzone unmittelbar um den Fundort der Schwerpunkt der Bekämpfung auf dem Absammeln von Kadavern liege, würden vor allem in der äußeren Pufferzone Wildschweine intensiv bejagt.

►Die Forscher gehen davon aus, dass dort eine massive Reduktion der Wildschweinpopulation um mehr als 70 Prozent erforderlich ist, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Dennoch ist es bislang keinem von ASP betroffenen Land gelungen, die Seuche auszumerzen.

Mit Material von dpa.

(ll)