POLITIK
23/01/2018 14:21 CET | Aktualisiert 23/01/2018 16:38 CET

Ex-AfD-Vorstandsmitglied aus Brandenburg ist zum Islam konvertiert

Das entbehrt nicht gewisser Ironie.

AFP Contributor via Getty Images
"Der Islam gehört nicht zu Deutschland!": Ein Anhänger der AfD demonstriert mit einem Plakat in Torgau
  • Die AfD kritisiert pauschal Fremde im Allgemeinen und Muslime im Besonderen
  • Nun ist ein Brandenburger Mitglied der Partei zum Islam konvertiert

Zu sagen, die AfD ist kein Freund von Muslimen, wäre noch untertrieben. 

Zwar bekennen sich die Rechtspopulisten in ihrem Parteiprogramm “uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit”. 

Doch eine Seite weiter prangt auch in dicken schwarzen Lettern: “Der Islam gehört nicht zu Deutschland”. Zur Begründung heißt es eine Zeile weiter: 

► “In seiner Ausbreitung und in der Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen sieht die AfD eine große Gefahr für unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Werteordnung.” 

Nun berichtet der Berliner “Tagesspiegel”, dass ausgerechnet ein ehemals führendes AfD-Mitglied aus Brandenburg zum Islam konvertiert ist.  

Repräsentant der autonomen Republik Baschkortostan in Deutschland

Das entbehrt nicht gewisser Ironie, gerade weil der Landesverband von AfD–Rechtsaußen Andreas Kalbitz angeführt wird.

► Nach Informationen des “Tagesspiegel” ist der Russlanddeutsche Arthur Wagner vor Kurzem zum Islam konvertiert. Pikant: Er gehörte längere Zeit dem Brandenburger AfD-Parteivorstand an und war einer der sechs Beisitzer – auf der Webseite der Partei wird er nach wie vor in dieser Funktion geführt. 

Allerdings erklärte AfD-Sprecher Daniel Friese der HuffPost, dass sich Wagner “bereits vor Bekanntwerden seiner Konversion zum Islam aus dem Landesvorstand der AfD Brandenburg zurückgezogen” habe.

Mehr zum Thema:  Mit einem Satz beweist die AfD in Brandenburg, dass sie niemand braucht

“Es gibt ja auch Muslime in der AfD”

Wagner ist Repräsentant der autonomen Republik Baschkortostan in Deutschland. Genau das könnte auch seine jetzige Konversion erklären. Denn die russische Region ist die flächengrößte und bevölkerungsreichste muslimische Teilrepublik des Landes. 

Erstaunlich ist der Schritt dennoch: So war Wagner bis 2012 Mitglied bei der CDU und mindestes bis zum Sommer 2017 auch bei den “Christen in der AfD”.

► Warum konvertiert er nun also zum Islam? “Das ist meine Privatsache”, erklärte Wagner dem “Tagesspiegel” schmallippig.

Die AfD, sonst wenig zimperlich mit Muslimen, gibt sich im Fall von Wagner nach außen hin entspannt. “Für uns ist das kein Problem”, erklärte AfD-Sprecher Friese dem “Tagesspiegel”.

Zugleich sagte er der HuffPost: “Im Rahmen der freien Meinungsäußerung muss es aber erlaubt sein, sachliche Kritik an einer Religion zu äußern.” Das habe nichts mit “einer vermeintlichen Islamophobie oder gar Fremdenfeindlichkeit zu tun, wie uns oftmals vorgeworfen wird”.

► Für die Mehrheit der Parteimitglieder sei Wagners Konversion kein Problem. Friese betont: “Es gibt ja auch Muslime in der AfD.”

Jetzt wissen wir: mindestens einen. 

(cho)