POLITIK
09/01/2018 10:18 CET | Aktualisiert 09/01/2018 17:28 CET

AfD und Rechte empören sich über Kika-Beitrag - nun hat der Sender reagiert

Der Kindersender wollte zeigen, wo Zusammenleben funktioniert und wo nicht.

  • Rechte empören sich derzeit über einen bereits vor Monaten ausgestrahlten Beitrag des Kinderkanals
  • Der Sender steht zu der Dokumentation über die Liebesbeziehung eines Mädchens und eines Flüchtlings – gesteht allerdings Fehler ein 

Eigentlich sorgt der Kinderkanal (kurz: Kika) mit seinem Programm für die Jüngsten selten für Aufregung.

Doch nun ereifern sich AfD-Politiker, rechte Blogger und rassistische Hetzer über den bereits am 26. November ausgestrahlten Beitrag “Schau in meine Welt! – Malvina, Diaa und die Liebe” (siehe auch Video oben).

Das Problem aus Sicht der Kritiker: Die 16-jährige Deutsche Malvina ist mit dem 19-jährigen syrischen Flüchtling Diaa zusammen und Kika dokumentiert die Beziehung.

Zu Viel für die Rechtspopulisten. Das sei eine “widerliche, romantisch verbrämte Geschichte”, echauffiert sich der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner. Für seinen Parteikollegen Dirk Spaniel ist der Beitrag sogar “unerträgliche und gefährliche Propaganda” und eine “unverantwortliche Manipulation und Indoktrination Minderjähriger”.

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Wo Zusammenleben funktioniert, wo nicht

Nun hat Kika auf die Beschwerden reagiert – und nimmt in einer Mitteilung Stellung:  

► Zum Ersten hält der Kindersender fest, dass der Beitrag im Rahmen der Aktion “Respekt für meine Rechte! – Gemeinsam leben” ausgestrahlt wurde – um 20.35 Uhr, womit er sich an eine ältere Zielgruppe richte. 

► Zum Zweiten unterstreicht der Sender: “Der Film ist ein reiner O-Ton-Film, verzichtet auf jeden Kommentar. Die Beziehung wird weder idealisiert noch unmöglich dargestellt.”

► Mit der Sendung wollte KiKA nach eigenem Bekunden der Frage nachgehen, “wo Zusammenleben funktioniert, wo nicht, und wo es aus Sicht der Kinder Probleme, Hoffnungen oder Ängste gibt.”

► “Der Einblick in den kulturellen und religiösen Hintergrund von Kindern mit anderer Hautfarbe, Herkunft oder Religion ist dabei wichtig für das gegenseitige Verständnis”, betonen die Fernsehmacher.

Kika wehrt sich allerdings gegen den von Brandner – und auch anderen AfD-Politikern ähnlich – vorgebrachten Vorwurf, die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten allein als “quasiromantischer Kitsch” darzustellen. 

► Die Funktion der Dokumentation sei auch gewesen, kulturelle Unterschiede und den Umgang mit ihnen darzustellen. “Diese kulturellen Unterschiede auch im Frauenbild werden sehr früh in der Dokumentation thematisiert”, betont der Sender.

► Zudem vertrete Malvina “ihre Weltsicht und ihre Standpunkte, etwa wenn sie deutlich macht, dass weder eine Konversion zum Islam noch das Tragen eines Kopftuches für sie in Frage kommen.”

► Hinzu komme, “dass auch in der Diskussion mit ihren Eltern offen diskutiert wird, in welchem Maße Malvina sich an die kulturellen Vorstellungen des Anderen anpassen soll oder nicht”, entgegnet Kika.

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Sender gesteht Fehler bei Altersangaben ein

Der gemeinschaftlichen von ARD und ZDF betriebene öffentlich-rechtliche Sender gesteht einen Fehler ein, für den er sich entschuldigt.

► Im Film werde über Malvinas Alter (zum Zeitpunkt des Drehs 16 Jahre) gesprochen, nicht aber über Diaas.

► Dazu bemerkt Kika: “Recherche und Drehbeginn für die Dokumentation lagen am Beginn 2017. Diaa war zu der Zeit 19 Jahre alt. Als er und Malvina sich kennen lernten, war er 17 Jahre alt.”

► Dass allerdings dieses falsche Alter (17) in den Bildunterschriften der ausgestrahlten Sendung auftauchten, sei “irreführend”. Der Sender hat den Fehler mittlerweile korrigiert.

(lp)