POLITIK
08/01/2018 13:44 CET | Aktualisiert 09/01/2018 14:22 CET

Mädchen verliebt sich in Flüchtling: Kika-Film lässt AfD-Politiker ausrasten

Der AfD-Mann wirft dem Kika vor, Kinder im Geist des Islam zu manipulieren.

  • Ein AfD-Abgeordneter wirft dem Kinderkanal Indoktrination Minderjähriger vor
  • Er begründet seine Kritik mit einem Monate alten Film - und verbindet sie mit einer infamen Unterstellung
  • UPDATE: Kika hat seine Angaben zu dem Film geändert und auf die Vorwürfe reagiert - wie im Video oben zu sehen ist

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel aus Baden-Württemberg wirft dem öffentlich-rechtlichen Kinder-Fernsehsender Kika “unerträgliche und gefährliche Propaganda”, “falsch verstandene Toleranz” und “unverantwortliche Manipulation und Indoktrination Minderjähriger” vor.

Spaniel begründet seine Kritik mit einem Film der Reihe “Schau in meine Welt” aus dem November.

Es ist das Porträt der Beziehung zwischen der 16-jährigen deutschen Christin Malvina und dem 19-jährigen muslimischen syrischen Flüchtling Diaa. (Anm. d. Red.: Zuerst gab Kika an, Diaa sei 17.)

Der Titel: “Malvina, Diaa und die Liebe”.

Worum es in dem Film geht

In dem Film erzählen Malvina, ihre Eltern und ihr Bekannter sowie Diaa ihre Sicht auf die Beziehung. Die beiden jungen Leute hatten sich in einem Flüchtlingsheim kennengelernt, wo Malvina Kindern Deutschkurse gab.

Inzwischen, so erzählen sie, hat sich eine 17 Monate währende Beziehung entwickelt. Es ist von Liebe die Rede - und von kulturell und religiös bedingten Spannungen.

Diaa will Malvina ihre Kleidung vorschreiben

“Ich darf keine kurzen Sachen anziehen, immer nur lange Sachen. Kleider dürfen nur bis zum Knie gehen und das war’s”, sagt Malvina. Sie halte sich ihm zuliebe daran, weil ihr die Beziehung wichtiger sei als ein kurzes Kleid. Sie isst auch kein Schweinefleisch mehr.

Diaa erzählt, dass er nicht damit zurechtkommt, wenn Malvina einen ihrer alten Kumpels umarmt. “Sie gehört mir und ich gehöre ihr. So ist die Regel bei mir.”

Von Malvinas Einsatz für die Gleichstellung Homosexueller hält er nichts.

Malvina wiederum sagt, dass sie seinen vorsichtigen Anfragen, ob sie Kopftuch tragen und Muslima werden würde, eine klare Absage erteilt. “Ich bin Christin. Und eine Emanze.”

Malvinas Eltern sorgen sich, dass ihre Tochter doch irgendwann verschleiert herumlaufen könnte. Und betonen, dass Anpassung dann zu weit geht, wenn ihre Tochter gegen ihre eigenen Prinzipien verstoßen würde.

Malvina selbst sagt, dass sie die Beziehung auch beenden könnte, wenn ihr die unterschiedlichen Ansichten zu anstrengend würden – aber sie habe sich um der Liebe willen bewusst für die Kompromisse entschieden.

Rechte Blogger kritisieren den Film

Spaniel und diverse rechte Blogger geben sich entsetzt.

“Kika erzählt die Geschichte als Rührstück und vermittelt den festen Glauben an ein Happy End, in dem mit Kompromissen und gutem Glauben alles funktionieren würde”, schreibt Spaniel auf Facebook. Doch “von Kompromissen keine Spur.”

Und findet: “Wenn sie emanzipiert wäre, würde sie ihm sofort den Laufpass geben.”

screenshot

Widerlicher Vorwurf

Der Kika-Film ist bereits im November erschienen. Doch Spaniel bringt ihn in Zusammenhang mit dem Mord oder Totschlag an einem 15-jährigen Mädchen in Kandel, mutmaßlich begangen von einem 16-jährigen Afghanen, dem Ex-Freund des Mädchens.

Was der AfD-Politiker da suggeriert – dass jeder Flüchtling gefährlich für seine Freundin oder Ex-Freundin sei – ist infam.

Außerdem glauben die KiKi-Kritiker, dass Diraa, der Bart trägt, vielleicht schon älter als 17 sei. Es ist eine Anspielung auf das Problem, dass nicht alle Flüchtlinge, die sich als minderjährig ausgeben, tatsächlich unter 18 Jahre alt sind. (Update: Kika hat das Alter nun auf 19 korrigiert.)

Mehr zum Thema: Ärzte-Präsident lehnt systematische Altersnachweise für Flüchtlinge ab

Der Kurztext zum Film ist tatsächlich zu harmlos - aber nicht der Film

Auch seine Kritik an dem Kika-Film geht zu weit. Zwar liest sich die Kurzbeschreibung unter dem Video tatsächlich arg plump und wesentlich kindlicher, als ein Zuschauer sein muss, um mit dem unmoderierten Film, der nur aus O-Tönen besteht, umgehen zu können:

“Es ist die Geschichte von einem Jungen aus Syrien, der sich unsterblich in eine Prinzessin verliebt. Seit 14 Monaten sind Malvina und Diaa nun ein Paar. Doch manchmal ist das gar nicht so einfach, wenn ein deutsches Mädchen und ein arabischer Junge sich ineinander verlieben.”

Aber wer sich die Mühe macht, den 26-minütigen Beitrag anzusehen, sieht einen wohltuend unaufgeregten Film – der im Wesentlichen daraus besteht, die kulturellen Differenzen zu thematisieren. Er ist keine Wertung, sondern ein Anstoß zur Diskussion.

Der Kika prüft derzeit auf Anfrage der HuffPost eine Stellungnahme zum Thema.

Update, 9. Januar 2018:

Der Kinderkanal hat den Text zu dem Film auf seiner Webseite mittlerweile geändert. Nun schreibt Kika, Diraa sei 19 Jahre alt. Ein Statement zu der Aktualisierung steht noch aus.

 

(ben)

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