POLITIK
13/12/2017 15:18 CET

Zu sexy, um frei zu sein: Popsängerin Shyma muss in Haft

Ihr laszives Bananen-Essen gefährdet angeblich die Sicherheit des Staates

  • Eine ägyptische Popsängerin hat sich in einem Musikvideo lasziv in Unterwäsche inszeniert und eine Banane gegessen
  • Das Video löste Empörung in dem konservativen Land aus
  • Jetzt wurde sie zu einer Haft- und Geldstrafe verurteilt

Shyma, 21, ist eine ägyptische Popsängerin. In ihrem brandneuen Musikvideo singt sie in Unterwäsche, schreibt in einem Klassenzimmer vor jungen Männern zweideutige Worte auf die Tafel und beißt verführerisch in eine Banane.

Woanders gehen die Geschmäcker über solch eine Inszenierung auseinander. In Ägypten jedoch gilt das als unverzeihlich - und wird dementsprechend bestraft. 

Erregung der Gemüter

Laut der arabischen Tageszeitung “Gulf News” verurteilte ein Gericht in Kairo die Sängerin zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und einer Geldstrafe von 10.000 ägyptischen Pfund (480 Euro). Der Regisseur des Videos erhielt dieselbe Strafe.

Die Begründung: Durch die anzügliche Performance in ihrem Musikclip hätten sie die Gemüter erregt und einen Aufschrei im konservativen Land ausgelöst.

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Das Musikvideo zu dem Song “I have Issues” erschien im November und war laut “Gulf News” Gegenstand heftiger Debatten in ägyptischen Talkshows. Medien zitieren den Parlamentsabgeordneten Jalal Awara mit den Worten: “Der Inhalt dieses Videoclips ist schädlich für die ägyptische Gesellschaft.”

Rigoroses Vorgehen gegen kontroverse Performer

Nachdem eine Reihe von juristischen Beschwerden gegen die Macher des Musikvideos eingegangen waren, wurden diese vor Gericht gestellt.

Auf Twitter reagierten viele Nutzer entrüstet: “Feministen??? Habt ihr etwas dazu zu sagen???”

Ein anderer Nutzer kommentierte: “Um Gottes Willen ... Eine Banane zu essen ist nichts Schlimmes.”

Ein amerikanisches Nachrichtenportal schrieb: “Wenn einer Frau schon nicht erlaubt ist, eine Banane zu essen, was darf sie dann überhaupt in Ägypten? Lächerlich.”

Dieser Fall ist ein weiteres Beispiel für hartes Vorgehen gegen umstrittene Künstler in Ägypten in den letzten Jahren.

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Die Behörden unter der Führung des Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi setzen ihre Moralvorstellungen rigoros durch.

2015 verhaftete laut der britischen Tageszeitung “The Guardian” ein Gericht eine Tänzerin zu einer einjährigen Haftstrafe aufgrund von “Erregung öffentlichen Ärgernisses” in einem verführerischen Video mit dem Titel “Let Go of My Hand”.

 

(sk)

 

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