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7 Dinge, die wir in den 90ern geliebt haben - aber uns heute peinlich sind

Schnellfickerhose, Bravo-Hits und Co.

04/01/2018 12:13 CET | Aktualisiert 04/01/2018 12:13 CET
RyanJLane via Getty Images

Das Ende der 1990er Jahre ist mittlerweile schon fast zwanzig Jahre her - doch an viele Dinge erinnern wir uns noch ganz genau - manchmal auch eher peinlich berührt.  

1. Baggy Pants

Ratlose Blicke unserer Eltern und Lehrer säumten ihren Weg, doch uns war das egal. Was der Schlag der Siebziger, die Karotte der Achtziger und die Röhre der Nullerjahre war, das waren die Baggys in den Neunzigern – der heiße Scheiß!

Die Hosen waren so ewig weit, dass man die Beine darin oft nicht mal mehr erahnen konnte. Deswegen brauchte man auch einen stufenlosen Clip-Gürtel zum Halten, sonst hing das Ding schnell mal auf halb Acht.

Ob von Freeman T. Porter, Carhartt, Southpole oder Ecko Unltd – Hauptsache low-waist, mit halbsichtbaren Boxershorts und möglichst breit. Dazu trugen wir Skaterschuhe von Etnies oder Es, die aber kaum noch sichtbar waren und daher mit Muttis Scotch-Brite-Schwämmen von uns noch fetter gemacht werden mussten.

Zugegeben, die Mädchen in der Klasse waren von unseren Hosen nicht direkt überzeugt, aber wir haben es durchgezogen. Und die wenigen von ihnen, die die Baggy-Phase cool fanden und sogar selbst welche trugen, hatten bei uns schwer einen Stein im Brett (und haben ihn übrigens bis heute).

2. Bravo Hits

1992 ging es los und griff um sich wie ein Lauffeuer. Die erste Bravo-Hits-CD kam auf den Markt.

Alle Kinder der Neunziger, die sich auf dem Sprung in die Pubertät befanden und anfingen, sich für Musik zu interessieren, kamen an dem Megasampler der größten aktuellen Chart-Erfolge nicht vorbei. Bravo hatte sie alle, und das jahrelang.

Im Durchschnitt war das Zeitfenster, in dem man sich die immer häufiger erscheinenden Bravo Hits kaufte, etwa drei Jahre. Danach begannen wir, uns die ganzen Alben der Musiker zu kaufen, die wir besonders gut fanden, und belächelten die Sampler-Käufer (besonders die jüngeren) für ihre Treue.

Natürlich haben wir uns klammheimlich darüber geärgert, dass wir manches Mal ein Album wegen eines einzelnen Hits gekauft hatten und der Rest der Lieder dann überraschend langweilig war.

Zugegeben hätten wir das aber natürlich nie.

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3. Schnellfickerhose

“Wie bitte? Das ist ja obszön!” Ja, der Humor von Pubertierenden lotet oft die Grenzen des guten Geschmacks aus, und doch muss heute fast jedes Kind der Neunziger beim Wort “Schnellfickerhose” kurz grinsen.

Weit, weit entfernt vom Verlust der Jungfräulichkeit liebten wir den Terminus technicus für diese krasse Modesünde der Neunziger und machten uns darüber lustig, sooft wir konnten. Um das Trash-Ensemble zu komplettieren, trugen Jungs sie oft in Kombination mit Adidas-Superstar-Sneakern, und Mädchen gerne mit Buffalos.

Was haben wir gelacht, als Klassenkameraden auch außerhalb der Sporthalle damit durch die Gänge liefen. Öfter als nötig und seltener, als wir es uns gewünscht haben, haben wir den Trägern dieser wardrobe malfunction hinter den Eingangssäulen der Schulcafeteria aufgelauert und haben die noch unbehaarten Beine unserer Mitschüler gleichzeitig von zwei Seiten freigelegt.

Als der oder die Betroffene dann “unten ohne” unfreiwillig das Publikum der großen Pause entertainte, sind wir kichernd weggerannt. Wie gemein! Es stimmt wohl, was man sagt: Das “Tier” in “pubertierend” ist kein Zufall …

4. Ed von Schleck

 Eine unserer Lieblings-Langnese-Sorten war Ed von Schleck, ein Vanille-Eis, das man mit einem Plastikstäbchen von unten aus einer Form rausschob, und sich dabei selbstverständlich Gesicht und T-Shirt beschmierte.

Wir hätten es noch jahrelang an jedem Sommertag gekauft, wenn da nicht dieser eine Moment gewesen wäre. Dieser Moment, in dem man beginnt, etwas anders auf die Welt zu schauen, in dem alles eine Färbung bekommt und seine Unschuld verliert.

In diesem Moment realisierten wir, dass Ed von Schleck so ziemlich das obszönste Eis war, das man sich vorstellen konnte, sogar noch vor dem länglichen Kaktuseis von Schöller mit der Prickelspitze.

Das Ed-von-Schleck-Männchen war ein fragwürdiger Lulatsch mit langer spitzer Zunge und lüsternem Blick. Er warb mit Slogans wie “Schieb dich frei, schleck dich froh”, “Bodybuilding? Papperlapapp! Wer kräftig schleckt, macht auch nie schlapp!” oder “Halb schob sie ihn, halb schleckt er hin”.

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5. Slinky

Wer erinnert sich noch an Slinkys? Niemand? Das liegt vermutlich daran, dass damals keiner den Namen der bunten Treppenspirale kannte, und doch hatten wir fast alle eine zu Hause.

Viele von uns schauten aus der Ferne zunächst mit Skepsis auf die komische Neonraupe und entdeckten ihre Liebe dafür erst, als sie sie selbst in der Hand hielten. Das lustige Federn von der linken zur rechten Hand, das Ziehharmonika-artige Runterhängenlassen und natürlich das selbstständige Treppenstufenhüpfen in allen Farben des Regenbogens.

Es war magisch, und wir bekamen nicht genug. Sogar unser Physiklehrer war damals begeistert von diesem Spielzeug, an dem man so gut die Gesetze der Mechanik erklären konnte.

Hier entdeckten wir dann ein ehernes Unterhaltungsmittel-Gesetz: Spätestens wenn ein Spielzeug im Unterricht besprochen wird, ist es Zeit für was Neues.

6. G-Shock

Hochtechnologisch, knallig bunt und vor allem: riesengroß. So liebten wir Jungs in den Neunzigern unsere G-Shock-Uhren von Casio. Wer eine hatte, trug sie mit hochgekrempelten Ärmeln zur Schau und erreichte ein gefühltes Coolness-Level von minus zehn Grad Celsius.

Wir liebten die digitale Anzeige – sie war viel lässiger als ein gewöhnliches Ziffernblatt. Und wir konnten uns je nach Modell darüber battlen, wie tief man damit unter Wasser tauchen konnte (“Meine kann 80 m!” – “Meine 110 m!!” – “Im Leben nicht!!!”).

Die vielen besonderen Funktionen – Stoppuhr, Countdown, Wecker, Weltzeit, Datum, Beleuchtung – gaben unserer Männlichkeit einen ungeahnten Schub, und die Übergröße der Uhr an den zarten Jünglingshandgelenken fiel mit den Baggy Pants, Fatmaker-Sneakers und Hoody-Sweatshirts gar nicht auf.

Nach circa sechs Monaten begann das Plastik auf der Haut zu stinken und wurde langsam bräunlich – egal! Patina macht ja Dinge erst richtig wertvoll, und es war bestimmt für manche Lehrer lustig zu beobachten, wie 15-jährige Jungs im Unterricht anfingen, an ihren Handgelenken zu riechen.  

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7. Jo-Jo

Yo-Yo!

Jo-Jos?, dachten wir zuerst, das ist doch ein alter Hut, oder? Tausend Jahre alt, kommen irgendwo aus China oder Griechenland, und schon unsere Eltern haben mit welchen gespielt. Langweilig!

Aber wir wurden eines Besseren belehrt. Die Automatischen Jo-Jos konnten schlafen, das heißt, im Leerlauf drehend unten an der Schnur hängen und von allein aufwachen, also zur Hand zurückkommen.

Die Jo-Jos lösten damit kurzzeitig das Diabolo als kultig-kauziges Artistenspielzeug ab und unterhielten uns in den großen Pausen, auch wenn die Game-Boy-Fraktion immer etwas skeptisch zu uns herüberlugte.

  

Dieser Beitrag besteht aus mehreren gekürzten Auszügen aus dem Buch “Wir Kinder der Neunziger”, dass Johannes Engelke zusammen mit Jacob Thomas, Karin Weber und Maren Ziegler verfasst hat.

Goldmann

Paperback, Klappenbroschur, Goldmann
20.11.2017, 208 S.
ISBN: 978-3-442-17726-4

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