LIFESTYLE
25/01/2018 15:05 CET

London: Undercover-Report deckt Skandal beim “Presidents Club Charity Dinner” auf

Eine Frau berichtete, dass einer der Gäste vor ihr seinen Penis entblößt habe.

serts via Getty Images
Die Hostessen wurden extra für den Abend gecastet, sie sollten “schön, dünn und groß” sein. (Symbolbild)
  • Auf einer renommierten britischen Spendengala sollen Hostessen massiv belästigt worden sein
  • Der Bericht über die Vorfälle sorgt nun bei Organisatoren und Gästen für Aufregung

Es ist eine der wichtigsten Wohltätigkeitsveranstaltungen Großbritanniens: Das “Presidents Club Charity Dinner” in London existiert seit mehreren Jahrzehnten, doch nun steht es vor dem Aus.

Nach einem Undercover-Bericht der “Financial Times” sollen auf der Veranstaltung, die nur für Männer ist, Hostessen im großen Stil angegraben, begrapscht und sexuell belästigt worden sein.

130 junge Frauen für 360 reiche Männer

Die britische Zeitung konnte zwei Frauen als Hostessen bei dem Event einschleusen, dessen offizielles Ziel es ist, Gelder für gemeinnützige Organisationen oder Krankenhäuser zu sammeln. 

Die Hostessen wurden extra für den Abend gecastet, sie sollten “schön, dünn und groß” sein.

► Die 130 jungen Frauen sollten etwa 360 wohlhabende Männer – alles Größen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Entertainment – über den Abend hinweg begleiten und bespaßen.

Die “Financial Times” schreibt über die Veranstaltung: 

″Über einen Zeitraum von sechs Stunden wurden viele der Hostessen begrapscht, mussten sich obszöne Kommentare und wiederholte Einladungen ins Schlafzimmer gefallen lassen. Die Hostessen sagten, die Männer hätten ihnen wiederholt unter den Rock gefasst und eine Frau berichtete, dass einer der Gäste vor ihr seinen Penis entblößt habe.”

► Auf der After-Party (die für die Frauen obligatorisch war) hätte die Intensität der sexuellen Belästigungen noch einmal zugenommen.

Mehr zum Thema: HuffPost-Aktion: Frauen berichten von sexueller Belästigung - Sarah wurde unzählige Male begrapscht

“Manche Mädchen werden es lieben”

Caroline Dandridge, Inhaberin der Agentur, die die Hostessen an das Charity Event vermittelte, warnte die Frauen schon im Vorfeld: “Manche Mädchen werden es lieben, andere werden sagen, dass dieser Job das Schlimmste ist, was sie je getan haben und dass sie das niemals wieder machen würden.”

► Sie soll auch gesagt haben, dass die Männer “nervig” werden könnten.

► Außerdem habe sie eine Hostess angewiesen, ihren Partner über die Natur der Veranstaltung anzulügen.

Am Abend selbst wurden die Frauen in knappe schwarze Outfits gezwängt,  ihre Smartphones wurden weggesperrt. Dann sollten sie eine fünfseitige Vertraulichkeitserklärung unterschreiben, die sie laut “Financial Times” nicht bis zum Ende durchlesen konnten. Eine Kopie sei ihnen auch nicht ausgehändigt worden.

Männer hätten ihr wiederholt an die Hüfte, den Hintern und den Bauch gefasst

Bei dem Event selbst liefen die 130 Hostessen über die Bühne in den Saal ein, um die Männer an den zugewiesenen Tischen zu unterhalten. Aufpasser hätten darauf geachtet, dass sich jede Hostess stets aktiv mit den Gästen beschäftigte. Außerdem kontrollierten sie wohl die Toilettengänge der Frauen.

Dabei wurde einer 19-jährigen Hostess klar, was manche Männer in dem Saal von ihnen offenbar erwarteten: Ein alter Mann habe sie gefragt ob sie eine Prostituierte sei, erzählte sie der “Financial Times”.

Der Teenager war am Ende des Abends völlig verängstigt. “Ich habe so etwas noch nie zuvor getan und werde es auch nicht wieder tun. Es hat mir wahnsinnige Angst gemacht.”

Sie war nicht die Einzige, der es so erging: Eine weitere 28-jährige Hostess mit Berufserfahrung sagte aus, dass sie sich noch nie so unwohl und ängstlich gefühlt habe.

Männer hätten ihr wiederholt an die Hüfte, den Hintern und den Bauch gefasst. Einer hätte versucht, sie zu küssen. Dies sei viel weiter gegangen als gelegentliche Flirtversuche, die sie bei anderen Hostessen-Jobs erlebt habe.

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Der Club ist jetzt Geschichte

► Da zahlreiche Größen aus Politik und Wirtschaft an dem Abend vertreten waren, zog der Bericht weiter Kreise in den Medien – und ernste Konsequenzen nach sich.

► Der Presidents Club, der die Veranstaltung ausrichtet, kündigte erst eine “umfassende Untersuchung” an und verkündete am Mittwoch schließlich seine Auflösung.

Auch andere Organisatoren wie die Agentur und das Hotel, in dem die Gala stattgefunden hatte, gerieten unter Druck und distanzierten sich von den mutmaßlichen Vorkommnissen.

► Ein Mitorganisator der Veranstaltung, Firmenchef David Meller, wurde aus dem Beirat des britischen Bildungsministeriums geschmissen.

Bildungsstaatssekretärin Anne Milton hat seinen Rücktritt veranlasst. Milton sagte auch, dass es wohl “eine Verbindung zwischen reichen, wohlhabenden Leuten und diesem Verhalten” gäbe. Auch Premierministerin Theresa May fand die Berichte “unangenehm”.

Mehrere Institutionen, die Spenden aus der Veranstaltung erhalten haben, wollen nun sogar das Geld zurückgeben, darunter das renommierte Londoner Kinderkrankenhaus Great Ormond Street Hospital.

Wer weiß, vielleicht wird der Bericht weitere aus anderen Branchen nach sich ziehen – denn dass Hostessen des öfteren auf Messen und Veranstaltungen sexuellen Belästigungen ausgesetzt sind, ist ein offenes Geheimnis. 

(best)