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Illegale Meute oder unverhältnismäßige Polizeigewalt - der Unterschied ist oft verschwindend gering

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FESTNAHME POLIZEI
dpa
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In Duisburg-Bruckhausen wird ein Mann in der Nachbarschaft, in der er aufgewachsen ist, vor seiner eigenen Haustür wegen Falschparkens von einem Polizeibeamten zu Boden gedrückt und festgenommen.

So wie ich es auch von meinen Nachbarn in der Nachbarschaft, in der ich aufgewachsen bin, erwarten würde, versammeln sich um die 250 Menschen. Einige der Nachbarn filmen den Vorfall mit ihren Handys, weswegen einer von ihnen ebenfalls zu Boden gebracht und festgenommen wird.

Die „Bild" titelt, ein "Mob" habe die Polizisten angegriffen, und schreibt weiter, 50 Polizisten hätten Pfefferspray einsetzen müssen, um eine „Meute" von 250 Anwohnern in den Griff zu bekommen. Ach ja, die Beteiligten sind größtenteils Türken. Ist ja klar, sonst wäre es auch kein "Mob" und keine "Meute". Erklärt sich von selbst, wa?

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Leider sprechen die besagten Handyvideos aber eine ganz andere Sprache: Friedliche Anwohner werden von Polizisten angegriffen, weil sie ihre Dokumente, nach denen sie zuvor gefragt wurden, aus ihrem eigenen Haus holen und eine schwere Pumpe eben aus dem Weg und in ihren eigenen Hausflur räumen wollen.

Ich bin kein Feind der deutschen Polizei

Wen muss man hier in den Griff bekommen? Wer greift hier wen an?

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin kein Feind der deutschen Polizei. Ganz im Gegenteil: Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Polizei eine der besten der Welt ist. Umso genervter bin ich aber von einzelnen überforderten Polizisten, die überreagieren, und von partywütigen Einsatztruppen, die am Rande das G20-Gipfels die Sau rauslassen.

Was ich mich aktuell auch Frage: Es gab ja diese Leute, die vor einigen Monaten noch den rassistischen Umgang der Polizei mit "Nafris" (und allen, die wie "Nafris" aussahen) am Kölner Hauptbahnhof verteidigt haben, da es im Vorjahr nun mal "Nafris" (bzw. Leute, die wie "Nafris" aussahen) waren, die Probleme verursachten.

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Gehen die Leute, die damals die rassistischen Aktionen der Polizei gut fanden, jetzt eigentlich auch davon aus, dass alle Berliner Polizisten ständig Sexorgien feiern, nur weil diese eine Gruppe von Berliner Polizisten es in Hamburg nun mal tat? Fragen über Fragen.

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Aber immerhin ist eine Sache klar: Sollte ich jemals vor meiner eigenen Haustür von einem Polizisten zu Boden gezwungen werden, dann wünsche ich mir eine "Meute" von 250 Anwohnern, die es filmen, und einen "Mob" von Nachbarn, die mich, wenn notwendig auch mit Körpereinsatz, verteidigen.

In diesem Sinne:
"THUG LIFE!"
- Tupac Amaru Shakur

Der Beitrag erschien zuerst auf Facebook.

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