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Um mein Jura-Studium zu bestehen, muss ich einen rassistischen, sexistischen Professor ertragen

19/11/2017 16:24 CET | Aktualisiert 19/11/2017 17:01 CET
Screenshot Facebook

Ich gehe eigentlich gern zur Universität. Doch mein Professor, der ein frauenfeindlicher Rassist ist, macht mir und anderen Studentinnen das Studium unerträglich.

Schon als ich im ersten Semester an der Uni Leipzig mein Studium begann, hörte ich Gerüchte über Thomas Rauscher - den Jura-Professor, der jetzt mit seinen rassistischen Twitter-Postings in die Schlagzeilen geraten ist. Unter den Studenten ist er dafür aber schon lange bekannt.

"Ein 'weißes Europa brüderlicher Nationen'. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!" - es waren Aussagen wie diese, die mich und viele andere dazu bewegt haben, am vergangenen Donnerstag gegen unseren Professor vorzugehen.

Ich habe die Vorlesung jedes Mal wütend verlassen

Ich belege die Übungsvorlesung bei Professor Rauscher und konfrontierte ihn mit einigen Kommilitonen im Rahmen der Vorlesung am Donnerstag mit seinen Tweets. In einer Rede und einer Power-Point-Präsentation sagten wir unserem Professor, was wir von seiner Einstellung halten.

Dafür wurde es auch mal Zeit. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass mir Rauscher auffiel. Im zweiten Semester belegte ich bei ihm schon eine Familienrechts-Vorlesung.

Ich war einmal da - und dann nie wieder. Nicht nur rassistische Äußerungen, sondern auch sexistische Sprüche und sein Altherrenhumor machten die Veranstaltung unerträglich. Einige meiner weiblichen Kommilitonen haben das damals der Gleichstellungsbeauftragten gemeldet - aber sie war machtlos. Also schmiss ich die Vorlesung hin.

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Seit diesem Semester muss ich Professor Rauscher wieder wöchentlich sehen. Seine Übungsveranstaltung ist unerlässlich, wenn ich das Fach bestehen möchte.

Ich habe sie jedes Mal wütend verlassen. Wütend über Professor Rauscher, aber noch wütender darüber, dass wir ihm zuhören müssen, um unser Studium beenden zu können, um Juristen zu werden.

Gerade er sollte doch für Offenheit und Toleranz einstehen

Dieser Mensch hat als Jura-Professor die Aufgabe, junge Männer und Frauen auszubilden, sie für Gerechtigkeit zu sensibilisieren. Außerdem ist er als Erasmus-Beauftragter für die Betreuung ausländischer Studenten an der Universität Leipzig zuständig. Gerade er sollte doch eigentlich für Offenheit und Toleranz einstehen.

Vielleicht ist das jetzt alles bald vorbei. In den kommenden Wochen wird sich wohl zeigen, ob Rauscher weiter so dozieren darf wie bisher. Was ich mir wünsche, muss ich an dieser Stelle nicht sagen.

Mehr zum Thema: Skandal an Leipziger Uni: Professor sorgt mit rassistischen Tweets für Wirbel

Aber eines ist sicher: Wenn Professor Rauscher weiterhin meine Übungsvorlesung unterrichtet, dann werde ich nicht mehr hingehen. Ich werde mit Freunden den Stoff in einer Lerngruppe durcharbeiten.

Schließlich haben wir Studentinnen ein Recht darauf, in Frieden zu lernen.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Franziska Kiefl.

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