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Die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer

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SCHERE ARM REICH
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Seit ein paar Tagen ist es heraus: Die Ungleichheit von Arm und Reich, bisher eher als Modethema unter Ökonomen und Fachleuten gehandelt, ist endlich in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt. Eine Studie von OXFAM, einer weltweiten unabhängigen Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, zeigt drastisch, wie sehr und wie schnell sich die Schere zwischen Armut und Kapital öffnet.

Dass die Wohlhabenden immer reicher werden und die Habenichtse immer ärmer, gilt zwar als Binsenweisheit. Wie dramatisch aber die Auswirkungen des Kapitalsogs nach oben auf die scheinbar gesicherte Mittelschicht sein können, ahnt Otto Normalverbraucher nicht, wenn er im Fernsehsessel davon erfährt.

Tatsache ist: Wenn bei den Ă„rmsten nichts mehr zu holen ist, wendet sich der Geldstaubsauger dem NormalbĂĽrger zu. Erste Auswirkungen treten bereits zutage. Menschen, die heute ganz scheinbar sicher in Lohn und Brot sind, mĂĽssen sich mit einer drohenden Altersarmut auseinandersetzen.

Die Kosten fürs Gemeinwesen steigen unaufhörlich und ziehen einen Rattenschwanz von neuen Steuern und Abgaben hinterher, die vorwiegend von der Mittelschicht bedient werden müssen. Schließlich haben die Reichen ihren offiziellen Wohnsitz in Monte Carlo oder einem karibischen Steuerparadies.

Und schlieĂźlich diskutieren Banken und Politiker Negativzinsen auf Sparguthaben - nur damit die breite Masse genau das Geld in Umlauf bringt, das noch nicht auf heimlichen Nummernkonten der Hautevolee eingefroren ist.

Dagobert und die Geldherrschaft

Der Trend ist deutlich, die Ökonomie weiß es schon lange und dem Normalo dämmert so langsam, dass die Gesellschaft weltweit auf einen neuen Feudalismus zusteuert. Die Reichen schotten sich ab in hermetisch verschlossenen Luxusvierteln, schicken ihre Zöglinge auf Privatschulen und Elite-Universitäten und profitieren von einer exklusiven Gesundheitsversorgung.

Standeshochzeiten mit hochkomplizierten Eheverträgen sind in Mode. Scheinheilige Privatstiftungen und undurchsichtige Holdings in Steueroasen halten all das Kapital beisammen, das jeden Tag durch Zins- und Zinseszins ins Uferlose wächst.

Mit anderen Worten: Es gibt wenige und immer reichere Dagoberts, die in ihren Geldspeichern hocken, und Milliarden immer ärmere Donalds, die fast jeden Job machen müssen, um über die Runden zu kommen. Und weil mathematische Gesetze diese Entwicklung unausweichlich machen, steuert die Welt auf eine Monekratie zu - eine Herrschaft des Geldes.

Aufzuhalten ist dieser Zug kaum noch. Was nach den groĂźen Kriegen im letzten Jahrhundert als Bummelzug langsam Fahrt aufnahm, ist mittlerweile ein globaler Express geworden, der alles von der Schiene fegt, was langsamer unterwegs ist.

Wohin die Kröten wandern

Doch nicht mehr steinreich werden zu können, ist nur die harmlosere Seite der rasanten Entwicklung. Ebenso bedrohlich wie die märchenhaften Vermögen am Ende der Welt für die Gesellschaft ist der reale Geld- und Kaufkraftverlust, der Millionen von Menschen die Taschen leert.

Es ist illusorisch anzunehmen, jeder Einzelne habe die Zeit, das Wissen und die Energie, für eine gerechtere Güterverteilung auf der Welt zu kämpfen. Die meisten Menschen haben schlicht andere existenzielle Prioritäten. Wenn sich aber schon am Speckgürtel der Gesellschaft die Kapitalgewinne überschlagen, sollten die Bürger auf der anderen Seite zumindest dafür sorgen, ein gutes Leben zu haben und ausreichend Geld fürs Alter zur Seite zu legen.

Leider aber haben zu viele Menschen zu wenig Ahnung von Geldangelegenheiten und fallen damit zu leicht auf die Werbeversprechen von Automobilfirmen, Bausparkassen, Banken und Finanzdienstleistern herein. Es ist einfach eine Tatsache, dass die meisten Sparformen zu mickrige Zinsen abwerfen und bestenfalls die Inflation ausgleichen.

Mit Geld lukrativ spekulieren kann nur der, der welches hat. FĂĽr ein wirtschaftlich angenehmes und halbwegs angstfreies Leben sind vor allem zwei Dinge erforderlich: Sachverstand in Geldfragen und eiserne Disziplin - und das schon von jungen Jahren an.

Vor ein paar Tagen twitterte eine siebzehnjährige Kölner Schülerin: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen." Und da ist was dran. Nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kein Wunder, dass junge und ältere Erwachsene später elementare Fehler machen, wenn es um den eigenen Vermögensaufbau geht. Insbesondere vier Vermögensfallen sind es, die Menschen im Lauf Ihres Lebens finanziell ausbremsen oder gar den Hals brechen.

Vermögensfalle 1: Das Automobil

Beim Auto hält sich das hartnäckige Vorurteil, es sei eine Investition. Das mag es für Unternehmen mit einem Fuhrpark sein. Aber für den Privatmann ist es ein Konsumgegenstand, auch wenn der smarte Verkäufer im Nadelstreif etwas anderes vorbetet. Ein Auto wird im wahrsten Sinne des Wortes verbraucht. Sobald ein glücklicher Käufer mit seiner Neuzulassung vom Parkplatz des Händlers rollt, verliert das Gefährt bereits unglaublich an Wert. N

ach einem Jahr ist rund ein Viertel des Neupreises schon weg, nur durch Besitz und gelegentliche Bewegung. Von der Gefahr eines Totalschadens durch Unfall mal ganz abgesehen. Dabei ist erwiesen, dass die meisten Menschen gar kein Auto benötigen.

Und wenn man bedenkt, dass viele ein Jahresgehalt für einen Neuwagen ausgeben und diesen alle drei, vier Jahre tauschen, fragt man sich zu Recht, warum diese vierrädrige Geldvernichtungsmaschine emotional so besetzt ist. Wem öffentlicher Nahverkehr und vielleicht ein Car-Sharing nicht reichen, tut gut daran, sich für einen soliden Gebrauchten zu begeistern.

Vermögensfalle 2: Die Wohnimmobilie

Wohneigentum gilt als zwar konservative, aber dennoch sichere Bank, wenn viele an Altersvorsorge denken. Es scheint ja auch einfach zu sein: Selbst wenn später alles Geld weg ist, kann man immer noch vermieten oder selbst drin wohnen - und am Ende (leider buchstäblich) vererben.

Wer aber weiß heute schon, welche Bedürfnisse er in zwanzig, dreißig Jahren hat? Wie verändert sich die Bewertung, wenn das heute schnieke Wohnviertel in siebzehn Jahren zum Rotlichtbezirk mutiert? Und wie werden die Zinsen sich entwickeln? Wie beim Auto, bei dem viele nur den Benzinverbrauch als Kosten betrachten, ohne Abnutzung, Instandhaltung und Wertverlust zu berücksichtigen, so ist es auch beim Wohneigentum: Hypothekenzinsen, Steuern, Notargebühren, laufende Kosten, Reparaturen und Hauskosten bei Wohnungen sind unglaubliche Kostentreiber.

Wenn man diese Beträge summiert und mit dem Wert der Immobilie am Ende der Hypothekenlaufzeit abgleicht, bleibt ein Sparerfolg, der in Geld gerechnet deutlich unter dem einer cleveren Anlagestrategie in der gleichen Zahl von Jahren liegt. Und wenn man „unterwegs" verkaufen muss? Ein Super-GAU! Damit kommen wir zur dritten und vierten Katastrophe...

Vermögensfallen 3 und 4: Scheidung und Konsum

Hier reichen ein paar Worte. Scheidungen stellen nachweislich einen der häufigsten Gründe für Privatinsolvenzen dar. 50 Prozent aller Ehen - die übrigens im Schnitt nur zehn Jahre halten - werden wieder geschieden. Kein Grund, einen Verzicht auf Liebe und Heirat zu fordern, wohl aber einen Ehevertrag ins Auge zu fassen, auch für Menschen, die nicht zu den oberen Zehntausend gehören. Häufig ist ein Notar vor der Hochzeit billiger als zwei Anwälte danach.

Geld ausgeben macht Spaß und Konsum ein gutes Gefühl. Deshalb shoppen viele Menschen auch Dinge, die sie nicht brauchen, von Geld, das sie nicht haben. Fatal, wenn sie das genau deshalb tun, um ihre wirtschaftliche Trostlosigkeit zu betäuben. Notorisch klamme Haushalte sind das oft nicht, weil sie zu viel Brot und Milch kaufen, sondern weil sie zu viele Fernseher und Ledersofas besitzen.

Die Mittelschicht kann sich zwar etwas mehr leisten. Aber jedes Gigahertz-Monster in der PC-Ecke, mit dem man nur gelegentlich mal eine E-Mail schreibt, frisst Geld, das man besser auf die hohe Kante legen sollte. Hier spielen Disziplin und Vernunft die Rolle von König und Königin. Wer sich von der bunten Werbewelt verführen lässt, der verliert kurzfristig, was er langfristig benötigt.

Doing by learning - was jeder tun sollte

Unter dem Strich gilt ganz klar: Wenn schon ein Vorstoß in die Gefilde des Mammons heute unmöglich scheint, sollte man zumindest schauen, sein Sauerverdientes zusammenzuhalten und clever zu mehren. Dazu braucht es aber eine Menge eigenen Wissens, um nicht von den zweifelhaften Tipps halbseidener Provisionsjäger abhängig zu sein.

Es ist nie zu spät, mit finanzieller Klugheit anzufangen und seine Kinder danach zum zweiten Mal aufzuklären: nicht mehr darüber, wo die Kinder herkommen, sondern darüber, wo das Geld hingeht.

FĂĽr weiterfĂĽhrende Informationen:
Billionaires Club. Warum Ungleichheit unvermeidbar ist und wie wir von der neuen Geldelite systematisch ausgeschlossen werden von Elmar Weixlbaumer, Goldegg Verlag Wien 2014, 500 Seiten, gebunden, ISBN: 978-3-902991-20-1, Preis: € 22,00target="_hplink">
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