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Meine Hoffnung

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DEPRESSED
Nanihta photography via Getty Images
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Heute habe ich die Hoffnung begraben. Einfach so. Ohne gro√ües Tamtam. Ich habe sie in eine gebrauchte Schachtel gelegt, die seit Tagen zuf√§llig von einer Paketsendung in der Wohnung herumstand, und sie zum alten Ger√ľmpel in den Keller getragen. Danach habe ich die Fenster ge√∂ffnet, frische Luft hereingelassen und tief durchgeatmet.

Die Wohnung kam mir mit einem Mal ger√§umiger vor, irgendwie strahlender, wie von altem Staub befreit. Wenn ich so dar√ľber nachdenke, glaube ich, dass das weniger an der Wohnung lag als vielmehr an meinen Augen. Als w√§re ein Schleier von ihnen abgezogen worden. Und weil ich mich auch frischer, ja geradezu lebendig f√ľhlte, habe ich sogar einen Abendspaziergang unternommen. Die kalte Nachtluft tat mir gut.

W√§hrend ich nicht wie sonst auf den Boden vor meinen F√ľ√üen starrte, sondern hinauf in den Himmel zum Vollmond und den Sternen blickte, stellte ich mir vor, wie die Hoffnung nun in ihrer Schachtel im Keller zetert und jammert. Sie will raus, will wieder zu mir, um sich an meiner Kraft zu laben, wie sie das so viele Jahre getan hat. Die Hoffnung allein ist ein Nichts. Sie braucht immer jemanden, der sie tr√§gt und hegt.

Jetzt, im Keller eingesperrt, hat sie niemanden mehr, den sie aussaugen kann, und so wird sie ihrerseits schlie√ülich kl√§glich zugrunde gehen. Der Gedanke gefiel mir, er befl√ľgelte meinen Schritt noch mehr. Der Weg, den ich seit Jahren tagt√§glich gehe, kam mir pl√∂tzlich neu, ungemein sch√∂n und interessant vor. Am liebsten h√§tte ich gesungen, so wohl war mir.

Ich bin ein friedlicher und hilfsbereiter Mensch, das m√ľssen Sie mir glauben. Ich habe noch nie jemandem etwas Schlechtes gew√ľnscht. Aber der Gedanke, wie die mistige Hoffnung immer schw√§cher w√ľrde, wie sie schlie√ülich elendig krepieren w√ľrde, bereitete mir lustvolles Vergn√ľgen. Ich konnte mich nicht satt daran denken, Gl√ľcksgef√ľhle durchstr√∂mten mich und ein Gef√ľhl von Freiheit.

Als wäre ich Ketten entronnen, die mich seit Jahren gefesselt hatten, ohne dass ich mir dessen jemals bewusst gewesen wäe. Es muss sich etwas ändern, es wird sich etwas ändern, hatte sie mir jeden Tag wie lähmendes Gift eingeträufelt. Ich hatte es ihr geglaubt, ja mehr noch: Ich hatte mich an sie geklammert. Ohne mir dessen bewusst zu sein, wurde ich allmählich abhängig von ihr, wurde selbst immer willenloser, kraftloser, ohnmächtiger.

Nun endlich geh√∂rt meine Kraft wieder mir. W√§hrend die Hoffnung in ihrem Schachtelgef√§ngnis jeden Tag schw√§cher wird, werde ich jeden Tag ein St√ľckchen mehr erstarken. Nein, es wird sich nichts √§ndern. Ich werde mich ver√§ndern.

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