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Selfpublishing: Meine Freiheit

08/02/2016 12:58 CET | Aktualisiert 08/02/2017 11:12 CET
orbandomonkos via Getty Images

Vor einem halben Jahr ist mein neuer Krimi erschienen. Es ist mein sechstes Buch in knapp sechs Jahren. Das neue Werk tatsächlich in gedruckter Form in Händen zu halten, ist immer noch ein phänomenaler Augenblick für mich.

Wer allerdings glaubt, mit dem Erscheinen eines Buchs auf dem Markt sei für den Autor die Arbeit erledigt, der irrt! Man stellt sich das ja als Laie vielleicht so vor: Das Buch ist da und ab diesem Zeitpunkt braucht sich sein Schöpfer nur noch entspannt zurücklehnen - und die Tantiemen kassieren. Einmal davon abgesehen, dass sich für die allermeisten Autoren die Einkünfte sowieso in sehr überschaubaren Grenzen halten - nicht einmal die generieren sich ganz von selbst.

Tantiemen generieren sich nicht von selbt

Ich begann meine Laufbahn als Autorin als Selfpublisherin, wie das auf neuhochdeutsch so schön heißt, also ohne Verlag und mehr oder weniger auf eigene Faust. Über die Konsequenzen hatte ich mir damals, bei der Veröffentlichung meines ersten Buchs, wenig, ja eigentlich gar keine Gedanken gemacht. Ich hatte einfach keine Lust auf eine langwierige Verlagssuche und wollte nur ein aus einer spontanen Idee begonnenes Projekt möglichst zügig abschließen. Vom Buchmarkt und seiner Funktionsweise hatte ich keinen Schimmer.

Wissen Sie, wie viele Buchneuerscheinungen es jährlich in Deutschland gibt?

Ich wusste es bis zur Veröffentlichung meines ersten Buchs jedenfalls nicht: Fasst man Erst- und Neuauflagen zusammen, dann sind 2014 exakt 87.134 Titel herausgekommen. Das sind knapp 6.500 Titel weniger als im Vorjahr. Damit sank die Titelproduktion auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Im Jahr 2010 waren es noch 95.838 Neuerscheinungen gewesen.

Da war es also, mein Buch - eines unter etwa 100.000 Neuerscheinungen und eines unter insgesamt etwa einer Million lieferbaren Titeln, ein kleiner Fisch im großen Büchermeer. Angesichts dieser hohen Zahl zu hoffen, die Leser würden schon von selbst auf das neue Buch aufmerksam werden, ist eine Utopie.

Mit Büchern ist es ein bisschen wie mit Kindern: Mag für jede Mutter ihr Kind auch einzigartig und das Wichtigste auf der Welt sein, so muss es sich doch im echten Leben neben einer Vielzahl möglicher Konkurrenten und Mitbewerber im Kampf um Jobs oder Erfolg bewähren. Mein "Verlag" war mir dabei wenig hilfreich. BoD betreibt zwar (wie ich inzwischen weiß) einen sehr effizienten Vertrieb, unterstützt seine Autoren aber kaum beim Marketing. Deshalb schlagen mir wohlmeinende Kollegen immer wieder vor, es doch einmal mit einem "richtigen" Verlag zu versuchen. Ich winke jedes mal ab.

Mit Büchern ist es wie mit Kindern

Inzwischen sehe ich nämlich meine einstige Zufallsentscheidung als Glücksfall für mich an. Ja, ich bin Selfpublisherin aus Überzeugung! Und das, obwohl Selfpublisher immer noch von vielen als die Kellerkinder im Literaturbetrieb gesehen werden. Nicht ganz zu Unrecht; die inhaltliche und sprachliche Qualität hält sich bei vielen Texten wirkich sehr in Grenzen. Da gilt es, als ambitionierte Autorin, die anspruchsvolle Texte verfasst, Überzeugungsarbeit für sich und die eigenen Werke zu leisten. Das ist manchmal nicht ganz einfach.

Warum ich die Mühe trotzdem auf mich nehme? Ganz einfach: Ich schätze die Freiheit, die mir Selfpublishing in jeder Hinsicht lässt. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes mein eigener Herr. So wechsle ich zwischen verschiedenen Genres, je nachdem, was mich gerade thematisch interessiert. Ich muss nicht auch noch eine dritte und vierte Fortsetzung zu einem Roman abliefern, nur weil sich die Hauptfigur gut verkauft und der Verlag ein sicheres Geschäft wittert.

Niemand sitzt mir wegen einer Manuskriptabgabe im Nacken. Umgekehrt muss ich nach der Fertigstellung meines Manuskripts auch nicht monatelang auf die Veröffentlichung warten.

Einen glücklichen Umstand darf ich hier freilich nicht unerwähnt lassen: Mein Mann unterstützt mich, was die "technischen" Dinge wie Layout oder Covergestaltung anbetrifft. Ohne sein Know how wäre es für mich wohl nicht möglich in dieser Form zu publizieren.

Und dann ist da, wie gesagt, noch die Sache mit dem Marketing. Zugegebenermaßen war das für mich am Anfang das Schwierigste, erfordert es doch eine ganz andere Form von Kreativität als das Schreiben. Auch hier hat sich gezeigt, dass mein Mann und ich ein wahres Dreamteam sind und uns wunderbar ergänzen. Unsere gemeinsamen Auftritte bei szenischen Lesungen machen uns beiden und natürlich auch dem Publikum Spaß. Gerade haben wir unsere Freude an der Gestaltung von Trailern und kurzen Videos entdeckt.

Anders als bei meinem Brotberuf habe ich beim Schreiben völlige Freiheit. Ich bestimme, was und wann. Ich bestimme, welche Marketingaktionen ich ergreife oder eben auch nicht. Und meine Erfolge? Tendenz steigend. Das freut mich natürlich. Aber ich bin nicht zum Erfolg verdammt, ich habe die Freiheit, Dinge auszuprobieren, die mich interessieren, und das ist für mich nach wie vor das Wichtigste.

Die Neuerscheinung von Elisabeth Schinagl:

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