Huffpost Germany
Elena Francesconi Headshot

Wichteln mal anders: Ein Huhn zu Weihnachten

Veröffentlicht: Aktualisiert:

Meine Freundinnen und ich treffen uns immer ein paar Tage vor Weihnachten zu unserem alljährlichen „Christmas Dinner" (Warum wir es nicht einfach Weihnachtsessen nennen, weiß ich auch nicht, aber auf English klingt es ja auch viel cooler). Neben viel Essen, den besonders guten Kochkünsten meiner einer Freundin und unglaublich politisch wichtigen und interessanten Diskussionsthemen, wichteln wir auch.

Doch als wir zum Wichteln kamen, wurde es spannend. Normalerweise schenken wir uns Kleinigkeiten wie Handwärmer, Tassen oder Nagellack. Dieses Jahr jedoch habe ich ein Huhn geschenkt bekommen.

Ein Huhn? Wahrscheinlich hast du jetzt das Gefühl, dass du dich verlesen hast. Aber nein, meine Freundin hat in meinem Namen ein Huhn für eine Familie in Simbabwe gekauft. Die Familie kann nun von den gelegten Eiern einen Teil ihres Lebensunterhaltes bestreiten.

Erst war ich ein wenig verwirrt, aber je länger ich darüber nachdenke, muss ich sagen, dass ich die Idee echt gut finde. Denn statt mir etwas zu schenken, was ich wahrscheinlich eh schon habe - und ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass ich die Kreativlose war, die eine Tasse verschenkt hat und Tassen hat wahrscheinlich jeder in seinem Schrank - hat meine Freundin mir etwas geschenkt, was Sinn hat.

Ich habe meine Freundin gefragt, ob das Huhn meinen Namen trägt, was zwar etwas selbstbezogen ist, aber wahrscheinlich auch eine gute Werbestrategie für solche Projekte. Dies konnte sie mir natürlich nicht mit Sicherheit beantworten. Jedoch hat sie mir erzählt, dass sie für Weihnachten ihrer gesamten Familie keine materiellen Dinge gekauft habe, sondern z.B. Trinkwasser für 50 Personen für einen Monat, eine Ziege oder eben ein Huhn.

Ich persönlich finde die Idee gut, Dinge im Namen anderer zu kaufen und diese zu verschenken. Sollten wir nicht gerade zu Weihnachten unseren Nächsten bedenken und Gutes tun?

Wahrscheinlich denken viele ähnlich und spenden für die Taifun Opfer auf den Philippinen oder den Flüchtlingen aus Syrien. Doch hilft es Menschen Gelder zu überweisen? Ist es nicht hilfreicher den Menschen Dinge zu geben, die eine Basis für Freiheit und Unabhängigkeit darstellen?
Projekte wie Minikredite oder OxfamUnverpackt helfen direkt vor Ort, hilfsbedürftige Menschen können selbst etwas auf die Beine stellen und zu ihrem Lebensunterhalt dazu verdienen. Wer möchte schon immer von anderen abhängig sein?

Ich danke jedenfalls für ein - mal wieder - super leckeres „Christmas Dinner", dessen wir uns besonders bewusst und dankbar sein sollten, angesichts der Tatsache, dass so viele Menschen auf der Welt hungern. Aber auch, dass es jetzt ein Huhn irgendwo in Simbabwe gibt, das hoffentlich fleißig Eier legt und durch deren Verkauf einen Beitrag zum Lebensunterhalt einer Familie leistet.

Fröhliche Weihnachten!