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Liebe ist ... (Verdammt, ich habe Krebs)

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ELANAM1228
Elana Miller

Letzte Woche schrieb ich in meinem Blog darüber, dass unsere Welt von Liebe bestimmt wird. Diese Woche scheint es, als hätte sich das Schicksal verschworen, um mir zu zeigen, wie wahr das tatsächlich ist.

Liebe ist, wenn ich wegen eines Hustens und des Gefühls, „dass etwas nicht mit mir stimmt", in die Notaufnahme der Uniklinik Los Angeles (wo ich auch arbeite) gehe und trotz der Tatsache, dass ich nur leichte Beschwerden habe, direkt drankomme und mit Respekt behandelt werde.

Liebe ist, wenn das Röntgenbild meiner Lunge einige abnormale Befunde aufweist und der Arzt mich bedächtig auf die verschwommene Masse in meiner Brust aufmerksam macht sowie auf die Flüssigkeitsansammlung um meine Lunge. „Das muss nichts Schlimmes sein", meint er, „aber wir müssen sofort ein CT machen."

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Meine CT-Aufnahme mit Kontrast (sagittale Ansicht - A ist vorne, P ist hinten, und das Helle in der Mitte ist mein Herz)

Liebe ist, wenn die Aufnahme kommt und der Arzt sich vorsichtig neben mich auf die Trage setzt und fragt, ob ich mir gemeinsam mit ihm die Aufnahme ansehen möchte. Auch wenn er kein Radiologe sei, wüsste er doch, dass ich die Ergebnisse so schnell wie möglich erfahren möchte.

Er weist mich auf die Flüssigkeitsansammlungen, die als Pleuraerguss bezeichnet werden, sowie auf einige vergrößerte Lymphknoten hin. Dann zeigt er mir eine große Masse im vorderen Brustbereich, die 18 x 11 x 7 cm misst.

Ich frage ihn: „Das ist schlimm, oder? Das ist ein Lymphom, oder?" Er antwortet mir, dass er das nicht mit Sicherheit sagen könne und man sofort eine Biopsie machen müsse. Ich fange an zu weinen. Ich sage ihm, dass ich mit so etwas nicht gerechnet habe. Er fragt mich, ob ich jemanden anrufen möchte. Als ich ihm antworte, dass mein Handy keinen Empfang hat, gibt er mir einfach seins.

Liebe ist, wenn meine Freundin Marya kommt und mir Gesellschaft leistet und nach meiner Entlassung noch einen Tee bei Starbucks mit mir trinkt, obwohl es mittlerweile Mitternacht ist und ihr Tag als Assistenzärztin vermutlich am nächsten Tag um sechs Uhr beginnt.

Liebe ist, wenn ich nach Hause gehe und mitten in der Nacht mit einem fürchterlichen, schneidenden Schmerz in meinem Arm aufwache, voller Panik befürchte, dass der Tumor ein Blutgefäß oder einen Nerv einengt, und meinen Freund anschreie, er soll den Notruf anrufen. Ich höre ihn am Telefon schluchzen und sage, er soll damit aufhören, weil ich es nicht aushalte, ihn so ängstlich zu sehen. Er brüllt: „Ich will dich nicht verlieren!"

Liebe ist, wenn ich wieder in die Notaufnahme komme und die Ärzte, obwohl sie nicht die Ursache der Schmerzen herausfinden können, meine Biopsie beschleunigen, damit sie im Krankenhaus vorgenommen wird.

Liebe ist, wenn ich wieder entlassen werde, und Becky, eine auf Hämatologie und Onkologie spezialisierte Assistenzärztin der Uniklinik, die mich noch aus der Studienzeit kennt, von meinem Fall hört. Sie bittet mich noch in dieser Nacht um einen Rückruf und setzt alle Hebel in Bewegung, damit ich am folgenden Morgen direkt in die Abteilung für Hämatologie und Onkologie eingewiesen werde, um möglichst schnell eingehender untersucht und behandelt zu werden.

Sie schreibt eine E-Mail an die Chefärzte, die Oberärzte aus der Notaufnahme und sämtliche Onkologen der Uniklinik, um meine Aufnahme und Untersuchung im Eilverfahren einzuleiten. Und obwohl Patienten normalerweise eine Woche lang auf einen PET-Scan warten müssen, wird meiner am folgenden Tag durchgeführt. Meine Knochenmarkbiopsie findet direkt im Anschluss daran statt. Ausnahmslos alle Ärzte, mit denen ich spreche, sagen mir, dass sie in einer E-Mail von Becky darum gebeten wurden, sich besonders gut um mich zu kümmern. Ich kenne Becky nicht einmal besonders gut, aber es ist gut möglich, dass sie mir das Leben gerettet hat.

Liebe ist, wenn mich so viele Freunde und Kollegen besuchen, dass ich schnell als „die beliebteste Patientin im Krankenhaus" gelte.

Liebe ist, wenn mein Freund Peter keine Nacht von meiner Seite weicht und auf einem kleinen aufblasbaren Bett schläft, obwohl er aufgrund seiner Größe von 1,91 m normalerweise nur unter Protest in etwas Kleinerem als einem King-Size-Bett schläft.

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Peter neben meinem Bett

Liebe ist, wenn meine Eltern sofort von der Bay Area nach LA fliegen, um an meiner Seite zu sein. Meine Mutter, eine Pathologin, ruft sogar direkt im Labor an, um mit dem diensthabenden Arzt meine Ergebnisse durchzugehen.

Liebe ist, wenn fast alle Onkologen der Uniklinik bei mir vorbeischauen und sich nach meinem Befinden erkundigen, obwohl dies sicherlich nicht in ihren Aufgabenbereich fällt und sie nicht offiziell mit meinem Fall zu tun haben.

Liebe ist, wenn das gesamte Krankenhauspersonal, von den Krankenschwestern über die Verwaltungsmitarbeiter bis hin zu den Hausmeistern, mich mit großer Freundlichkeit und Anteilnahme behandelt.

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Meine Chemotherapie

Liebe ist, wenn ich erfahre, dass die Biopsie nicht wie von mir erhofft ein Hodgkin- oder B-Zell-Lymphom ergeben hat, sondern eine seltenere, schwieriger zu behandelnde Krebsart namens akutes lymphoblastisches T-Zell-Lymphom. Es hat sich auf mein Lungenfell und verschiedene Gruppen von Lymphknoten ausgebreitet und ist im fortgeschrittenen Stadium 4. Es erfordert 6-8 Monate intensive Chemotherapie im Krankenhaus und im Anschluss daran bis zu zweieinhalb Jahre weniger intensive Erhaltungschemo.

Um Gegensatz zu den Chemotherapien für Hodgkin- oder B-Zell-Lymphome wird diese Behandlung meine Eierstöcke angreifen und mich unfruchtbar machen. Ein Onkologe hatte eine Patientin, die nach dieser Behandlung Zwillinge bekam, aber das war eine absolute Ausnahme. Ich könnte den nächsten Monat im Krankenhaus verbringen, wenn ich aufgrund der Behandlung eine Neutropenie (ein unterdrücktes Immunsystem) entwickle.

Der Onkologe bespricht fast eine ganze Stunde lang mit mir und meiner Familie die Diagnose und den Behandlungsplan, obwohl ich ihm immer wieder dieselben Fragen stelle, weil ich das Ganze noch gar nicht verarbeiten kann.

Liebe ist, wenn man mir die Option gibt, mit der Chemo erst in zwei Wochen zu beginnen, um mir Eier für eine spätere künstliche Befruchtung zu entnehmen. Da die Ärzte mir aber sagen, dass der gesamte Tumor vermutlich in weniger als sechs Wochen gewachsen ist, könnte dies sehr gefährlich werden, da der Krebs bereits meine Blutgefäße und Lungen verstopft und mir das Atmen erschwert. Mein Freund umarmt mich und bittet mich darum, nicht zu warten. Er sagt: „Das ist so, als ob man im Flugzeug zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzt. Ich brauche dich mehr als unser künftiges Kind."

Liebe ist, wenn ich mich am nächsten Tag mit der Onkologin treffe und in Tränen ausbreche, weil ich niemals Kinder haben werde. Sie setzt sich neben mich aufs Bett, nimmt meine Hand und sagt mit Tränen in den Augen, dass man nichts mit hundertprozentiger Sicherheit voraussagen könne.
Liebe ist, wenn ich an diesem Tag beschließe, den Verlauf meiner Krankheit zu beeinflussen. Ich schreibe auf ein Blatt Papier: Ich habe ein akutes lymphoblastisches T-Zell-Lymphom. Hier ist das, woran ich fest glaube.

  1. Ich werde keine Neutropenie entwickeln und am Ende der Woche aus dem Krankenhaus entlassen.
  2. Meine Knochenmarkbiopsie wird negativ sein.
  3. Mein Krebs wird so schnell auf die Chemo ansprechen, dass ich nur die 6-8 Wochen dauernde intensive Chemotherapie benötigen werde und nicht die zweieinhalb Jahre Erhaltungstherapie.
  4. Ich werde diese eine von tausend Frauen sein, die nach der Chemotherapie noch fruchtbar ist, und ich werde ein Kind bekommen.

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Meine schicke neue Frisur

Liebe ist, wenn ich mich angesichts der Tatsache, dass mein Haar bald ausfallen wird, dazu entscheide, dass ein Friseur mir im Krankenhaus meine Haare abschneiden soll, damit daraus eine Perücke gemacht werden kann. Er kommt am Sonntagabend, nach einem vollen Arbeitstag, obwohl er am nächsten Tag in den Weihnachtsurlaub fährt. Er schneidet mir eine tolle Frisur. Er weigert sich, für seinen Besuch bezahlt zu werden.

Liebe ist, wenn Julie, meine frühere Mitbewohnerin und Freundin von der Uni, anbietet, ihr langes braunes Haar aus Solidarität und als Beitrag zu meiner Perücke abzuschneiden.

Liebe ist, wenn ich am folgenden Tag die Diagnose erhalte, dass meine Knochenmarkbiopsie negativ war und ich außer dem Lymphom nicht auch noch Leukämie habe.

Liebe ist, wenn ich am nächsten Tag erfahre, dass mein Blutbild so gut aussieht, dass ich am Freitag nach Hause gehen könnte.

Liebe ist, wenn mir ein so tragisches Ereignis zeigt, dass ich so vielen Menschen am Herzen liege, dass so viele Menschen echten Anteil an mir nehmen und mich besuchen, mich anrufen, SMS und E-Mails schreiben, Nachrichten über Familienmitglieder ausrichten lassen und mir von Herzen kommende Geschenke geben. In meiner Unwissenheit war ich mir dessen nicht bewusst gewesen.

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Ich mit meinem Freunden im Krankenhaus (gar nicht mal so übel, oder?)

Liebe ist, wenn ich das dringende Bedürfnis verspüre, möglichst schnell gesund zu werden, damit ich mit der mir vorbestimmten Aufgabe fortfahren kann. Damit ich durch meinen Blog und die Beziehung zu meinen Patienten eine positive und integrative Sichtweise der Psychiatrie, eines mir so sehr am Herzen liegenden Bereichs, propagieren kann. Ich werde um meinetwillen gesund werden, aber auch um Ihretwillen.

Liebe ist, wenn ich erkenne, dass meine Leidenschaft für das Leben die Angst vor der Krankheit oder ihrer Behandlung verdrängt.

Liebe ist, wenn ich weiß, dass dieser Krebs wehtun wird, dass er mich krank macht, aber dass er mich nicht umbringen wird.

Liebe ist zu stark, um nicht dafür leben zu wollen.

Ich bin auf dieser Welt, um zu lieben.

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