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44 Wege, um einem Krebspatienten einen schönen Tag zu machen

02/07/2015 17:53 CEST | Aktualisiert 02/07/2016 11:12 CEST

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Am 17. Dezember 2013 kam ich in die Notaufnahme. Ich dachte, ich hätte wandernde Pneumonie (ich bin Ärztin und gut darin, bei mir selbst Fehldiagnosen zu stellen).

Dann erfuhr ich, dass ein riesiger Tumor in meiner Brust wuchs, der mich in wenigen Wochen hätte töten können. Ich wurde sofort stationär aufgenommen und begann mit der Chemotherapie für ein akutes lymphoblastisches T-Zell-Lymphom, Stadium 4.

In den folgenden Monaten durchlebte ich verschiedene Phasen physischer und emotionaler Veränderungen. Die Therapie wurde zunehmend anstrengend. Ich verlor die Fähigkeit auch nur die einfachsten Dinge zu tun. Ich konnte nicht mehr arbeiten, Auto fahren, Essen zubereiten oder einkaufen gehen. Mit 31 Jahren dachte ich, jeder, der mir meine Unabhängigkeit nehmen wollte, müsse sie mir aus meinen toten, kalten Händen reißen. Leider war das beinahe der Fall.

Glücklicherweise hatte ich viel Unterstützung - Familie, Kollegen, Freunde. Sie kümmerten sich um mich, als ich Hilfe brauchte.

Wenn jemand die Diagnose Krebs bekommt, ist diese Person oft erstmal völlig überfordert, dass sie gar nicht weiß, wie sie um Hilfe bitten soll. Aber sie braucht sie unbedingt. Wenn du einen Freund oder ein Familienmitglied mit Krebs hast, dann mach nicht den Fehler, nur halbherzig deine Hilfe anzubieten und so etwas wie "Ja, ruf mich an, wenn du was brauchst!" zu sagen. (Das werden sie nämlich nicht tun).

Stattdessen kannst du vorausgreifend helfen und ihm oder ihr die Unterstützung geben, die sie oder er wirklich braucht. Hier ist eine Liste mit den tollsten Sachen, die Menschen für mich gemacht haben. Sie haben dadurch meinen Tag gerettet (und mir das Leben leichter gemacht), nachdem ich meine Krebsdiagnose bekommen hatte. So kannst du Krebspatienten wirklich helfen:

1.Essen bringen. Finde heraus, ob es irgendwelche Einschränkungen in der Ernährung oder ob es sonst etwas zu beachten gibt. Bleib zu Besuch oder bring es einfach nur kurz vorbei, wenn sie nicht in der Stimmung für Besuch sind (dafür bietet sich eine Kühltasche vor der Tür an).

2. Bring ihnen Tupperware mit vorgekochten Mahlzeiten, die sie sich aufwärmen können. Nimm Tupperware, die du nicht zurückbrauchst.

3. Schick eine kurze Mail, SMS oder schreib eine Whatsapp-Nachricht, in der nur steht, dass du an sie denkst.

4. Füge ein "Keine Antwort nötig" zu deiner Nachricht hinzu. Es wird sie freuen, von dir zu hören, ohne sich gezwungen zu fühlen, irgendwie zu reagieren.

5. Wenn du Hilfe anbietest, füge ein "Du kannst jederzeit auf dieses Angebot zurückkommen" hinzu. Sie werden wissen, dass das Angebot auch noch steht, wenn sie gebraucht wird (egal, ob in einer Woche, einem Monat oder in einem Jahr).

6.Schreib dir eine Erinnerung in den Kalender. So, dass du dich regelmäßig meldest und deine Hilfe anbietest.

7. Schicke eine Nachricht, wenn du das nächste Mal einkaufen gehst und frag, ob du etwas mitbringen sollst.

8. Schicke eine Nachricht, wenn du das nächste Mal zum Drogeriemarkt gehst und frag, ob sie etwas von dort brauchen.

9. Schicke eine Putzfrau vorbei, die bei ihnen für Ordnung sorgt. Achte auf die Details, so dass sie nur noch die Tür aufmachen müssen.

10. Schicke eine Nachricht, wenn du das nächste Mal in der Apotheke bist und frag, ob du ihnen Medikamente mitbringen oder für sie abholen sollst.

11. Schicke einen Masseur für eine geschenkte Massage vorbei.

12. Biete an, dass du mit ihnen essen oder einen Kaffee trinken gehst.

13. Biete an, vorbeizukommen. Kläre ab, ob sie fit genug sind.

14.Biete an, mit ihnen ins Kino zu gehen. Wenn sie zu müde sind, dann komm mit einer DVD vorbei.

15. Biete an, sie zur Chemo zu fahren und leiste ihnen während der Behandlung Gesellschaft. Besser noch, biete an, dass du sie immer zur Chemo begleitest und ablenkst.

16. Lass sie wissen, dass du für Notfälle auf Abruf stehst. Meine es auch ernst.

17. Schicke ihnen Blumen. Aber kläre vorher ab, ob die Person ein stark geschwächtes Immunsystem hat. Frische Blumen können ein Infektionsrisiko für Krebspatienten darstellen. Ich musste leider all die schönen Blumen weggeben, die ich nach meiner Diagnose bekam. Man kann auch einfach falsche Blumen schenken (kein Gesundheitsrisiko und sie halten länger).

18. Bestell etwas zu Essen. Frag, ob sie ein Lieblingsrestaurant haben. Wenn es sie überfordert, eine Entscheidung zu treffen, finde einfach heraus, was sie gerne mögen und besorg ihnen davon etwas.

19. Schenke ein Abo für eine Zeitung oder eine Zeitschrift.

20. Schenke ein gutes Buch.

21.Sag ihnen, dass du sie lieb hast und sie dir wichtig sind. Selbst wenn ihnen die Kraft fehlt, um zu antworten. Es bedeutet viel.

22. Für alle Krebspatientinnen: Schick sie zu einer schönen Beauty-Behandlung. Maniküre, Pediküre, Gesichtsbehandlung, Make-Up, etc. Es könnte das erste Mal in einer langen Weile sein, dass sie sich um ihre Schönheit kümmert.

23.Schicke eine Karte. Achte darauf, dass sie gut lesbar ist. Krebspatientenaugen sind müde Augen :-)

24. Schenke ihnen einen Gutschein für Uber, wenn du sie selbst nicht fahren kannst. Ich bin ein großer Fan von Uber.

25. Biete an, der Organisator für den Krebspatienten zu sein. Die Person, die Besuche von anderne organisiert, ablehnt, plant oder verschiebt und die Angebote der Helfer verteilt. Viele bieten Hilfe an, wenn jemand mit Krebs diagnostiziert wurde, aber die betroffene Person ist wahrscheinlich völlig überfordert und braucht erst einmal Abstand.

26. Versuche zu begreifen, dass ein Krebspatientwahrscheinlich mit der Frage, was er braucht, überfordert ist. Versuche dem vorzugreifen und ergreife die Initiative.

27. Denk dran, auch noch da zu sein, wenn die Diagnose schon ein paar Monate her ist. Dann ist die erste Welle der Aufmerksamkeit abgeebbt, aber sie oder er wird weiterhin daran zu knabbern haben und Hilfe brauchen.

28. Biete an, die "Kommunikationsperson" zu sein, die andere über den Gesundheitszustand auf dem Laufenden hält. Es kann ziemlich hart sein, all diese Sachen wieder und wieder erzählen zu müssen.

29. Und wenn wir gerade dabei sind, frag nicht immer nach allen Details zum Zustand der kranken Person.

30. Hat die Person einen Hund? Biete an, vorbeizukommen und mit dem Hund rauszugehen.

31. Hat die kranke Person Kinder? Biete dich als Babysitter an. hol die Kinder von der Schule ab oder lass sie bei dir übernachten.

32.Sag, "Gib mir Aufgaben." vielleicht sollst du die Wäsche machen, vielleicht einkaufen gehen oder sonstige Erledigungen machen. Sei da und gleich wieder weg. Hilf einfach.

33. Hat die Person einen Garten? Biete an, vorbeizukommen und den Rasen zu bewässern und dich um alles zu kümmern. Besser noch, biete an, dass du dich regelmäßig darum kümmerst.

34.Schick Mails oder Nachrichten mit ulkigen Witzen und Bildern.

35. Biete an, beim Lesen und Beantworten von Emails zu helfen. Nach einer Krebsdiagnose kann die Menge an Anteilnahmen und Nachrichten ziemlich überfordernd sein.

36. Biete an, der Person einen Plan zu erstellen. Einen Plan für Mahlzeiten, Chemo-Einheiten, Besuch von Freunden, etc. Seiten wie takethemameal.com und lotsahelpinghands.com können helfen.

37. Wenn du kannst und wenn es deinem kranken Freund nicht unangenehm ist, gib ihm etwas Geld. Krankenhausrechnungen und kein Einkommen, weil man nicht mehr arbeiten kann, sind schlimm. Krebs kann ein finanzielles Desaster sein.

38. Spende Geld, um Fehlzeiten für den Patienten oder auch seine Angehörigen zu übernehmen (manche Arbeitgeber erlauben das).

39.Kauf einen Parkausweis für alle Familienmitglieder, wenn der Patient längere Zeit im Krankenhaus liegt. Parken ist teuer!

40. Schenke einen Hut, eine Perücke oder einen Schal, wenn die Person durch die Behandlung Haare verliert.

41. Schenke eine gemütliche Kuscheldecke. Das war eines meiner liebsten und meist-genutzten Geschenke (gut zum auf der Couch liegen und für Chemo-Termine).

42.Einfach zuhören. Gib keine Ratschläge, versuch niemanden aufzuheitern. Hör einfach zu und lass sie reden.

43. Frag, was sie in diesem Moment von dir brauchen ... und dann gib es ihnen.

44. Krebs ist nicht ansteckend. Nimm deinen Freund oder deine Verwandte in den Arm, um zu zeigen, dass du da bist.

Elana Miller, MD ist Psychiaterin, deren Ziel es ist, östliche Weisheit mit westlicher Medizin zu verbinden, um Menschen zu helfen, ein erfüllteres und glücklicheres Leben zu führen. Auf Ihrem Blog Zen Psychiatry schreibt sie darüber. Für weitere Informationen über Leben mit dem Krebs und für weitere Tipps im Umgang mit der Krankheit, kannst du dir hier ihren kostenlosen Krebs-Ratgeber herunterladen.

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Foto von Elana Miller MD

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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