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Es ist an der Zeit, dass wir über Depressionen als Krankheit sprechen

07/03/2016 16:07 CET | Aktualisiert 08/03/2017 11:12 CET
Frank P wartenberg via Getty Images

Wenn du die Grippe hast, fühlst du dich miserabel. Du liegst in der Fötus-Stellung in deinem Bett. Du versuchst nicht, sie vor irgendjemandem zu verstecken. Du versuchst nicht, alleine damit zurecht zu kommen. Du lässt andere Menschen wissen, dass du krank bist und dass du ihre Hilfe brauchst.

Wenn dich die Grippe erwischt, gehst du zum Arzt, sprichst offen über deine Symptome und hast kein Problem damit, Medikamente einzunehmen, die dir dein Arzt verschreibt. Denn du willst dich nicht mehr so schlecht fühlen. Du willst dich wieder wie du selbst fühlen.

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Es gibt Wege, einer Grippe vorzubeugen. Sich gesund ernähren. Sport treiben. Sich impfen lassen. Sich regelmäßig die Hände waschen. Vitaminpräparate nehmen. Aber selbst wenn du all das machst, kann es dir trotzdem passieren, dass du die Grippe bekommst.

Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten für die Grippe. Grog trinken. Medikamente nehmen. Zum Arzt gehen. Selbstmedikation. Abwarten. Um nur ein paar zu nennen.

Die Grippe passiert. Sie kann jeden treffen und zwar jederzeit. Es ist nicht wichtig, welcher Gruppe du angehörst. Es ist nicht wichtig, wie alt du bist. Es ist nicht wichtig, ob du Mann oder Frau bist. Es ist nicht wichtig, ob du reich oder arm bist.

Die Grippe diskriminiert nicht. Sie ist universell. Sie kann jeden jederzeit treffen. Und niemand verurteilt dich dafür, dass du die Grippe hast. Es ist vollkommen in Ordnung.

Wir müssen anfangen, Depressionen so zu behandeln wie die Grippe.

Nachdem ich Mutter geworden bin, wurde ich ungefähr stündlich auf Anzeichen einer Depression untersucht. So sehr, dass ich selbst dachte: Ich weiß nicht, bin ich depressiv? Viele meiner Freundinnen hatten mit postpartalen Depressionen zu kämpfen. Postpartale Depressionen sind vollkommen akzeptiert heutzutage. Es gibt sie. Sie sind echt.

Ärzte und Krankenschwestern und neue Mütter wissen, worauf sie achten müssen und nehmen das sehr ernst. So sollte auch jede andere Art von Depression gesehen werden. Ich glaube tatsächlich, dass die meisten Menschen so darüber denken. Außer die Menschen, die tatsächlich an Depressionen erkrankt sind.

Ich habe meine Eltern sehr früh verloren und deshalb eine sehr schwere Zeit durchgemacht. Aber das ergibt Sinn. Ich trauerte. Und das ist akzeptabel. Aber wenn alles in deinem Leben großartig läuft und es keinen offensichtlichen Grund gibt, traurig zu sein, kann das wirklich angsteinflößend sein.

Das ist für viele Menschen ein schwieriges Thema. Es fällt vielen Menschen schwer, sich selbst einzugestehen, dass sie ein Problem haben. Depressionen sind so eine verrückte Krankheit, dass manche Menschen gar nicht merken, dass sie sie haben. Wir müssen aufhören, Depressionen als Geisteskrankheit zu sehen.

Denn das macht Menschen Angst. Und das birgt dieses riesige Stigma. Es ist eine voreilige Kategorisierung. Es ist nur eine Krankheit. Und wie jede andere Krankheit, kann sie dich töten, wenn sie nicht behandelt wird.

Wenn dein Tag lang ist

Und die Nacht, die Nacht nur dir gehört

Wenn du dir sicher bist, dass du genug hast

Von diesem Leben, dann halte durch

Ich nehme Medikamente, um meine Depressionen zu behandeln.

Es war fantastisch für mich, herauszufinden, wie viele Menschen etwas Ähnliches erlebt hatten. Aber niemand weiß diese Dinge, solange niemand darüber spricht. Also lasst uns endlich darüber sprechen.

Ich nehme Medikamente, um meine Depressionen zu behandeln. Ich liebe es, wenn mir Leute sagen, dass sie gar nicht glauben können, dass ich Medikamente nehme. Du wirkst so glücklich. Ja, weil ich auf Medikamenten bin. Das ist genauso, wie wenn Menschen erfahren, dass ich Head & Shoulders benutze und keine Schuppen habe. Sollte man mal drüber nachdenken.

Menschen sagen mir gerne, dass sie sich nicht mit Chemikalien vollpumpen wollen. Sie greifen lieber zu Meditation, um ihren Stress abzubauen. Und wenn das für sie funktioniert, ist das großartig. Aber Stress ist nicht wie Depressionen. Depressionen sind etwas, aus dem man nur sehr schwer wieder rauskommt, wenn man erst einmal drinsteckt.

Das einzige Problem an der Einnahme von Medikamenten ist, dass sie dir ein so gutes Gefühl geben, dass du glaubst, du bräuchtest sie nicht mehr. Ich habe diese Lektion auf die harte Art gelernt. Ich habe meine Medikamente abgesetzt. Großer Fehler.

Lass dich nicht gehen

Denn jeder weint

Und jeder kämpft manchmal mit dem Schmerz

Ich wusste, dass ich in Schwierigkeiten war

Ich landete in der schlimmsten Depression meines Lebens. Ich war an einem Ort, an den ich nie wieder zurück möchte. Aber ich hatte wirklich großes Glück. Ich bin jetzt an einem Punkt in meinem Leben, an dem mir egal ist, was andere Menschen denken. Ich habe mich an meine Familie und meine Freunde gewandt und ihnen gesagt, in was für einer Hölle ich mich befand.

Meinen Tiefpunkt erreichte ich eines Tages als ich in meinem Garten auf einem Liegestuhl saß. Das Gefühl von Hoffnungslosigkeit, das ich empfand, war so stark. Es wickelte sich um mich herum und quetschte alles Leben aus mir heraus.

Ich kann mich noch sehr lebhaft daran erinnern, wie ich auf meine Garage starrte. Wissend, dass ich diesem schrecklichen Schmerz ein Ende bereiten könnte. Meine Kinder waren da und ich erinnere mich wirklich daran, wie ich dachte, dass es ihnen ohne mich gut ginge. Das beunruhigte mich nicht so sehr, wie es sollte. Aber ich wusste, dass ich in Schwierigkeiten war.

Ich habe aus erster Hand erfahren, was ein Selbstmord mit einer Familie machen kann. Wie es sie einfach komplett auseinander reißt. Wie niemandes Leben je wieder wie vorher sein wird. Wie sehr es Menschen kaputt macht. Alle Teile können wieder zusammengefügt werden, aber jeder für sich ist dennoch für immer gebrochen.

Ich wusste, dass meine Gedanken irrational waren. Aber ich konnte nicht aufhören, sie zu denken. Ich rief meinen Arzt von diesem Liegestuhl aus an. Und dann rief ich Beau an und sagte ihm, wie schlecht es mir ging. Ich wusste, dass ich es Menschen sagen musste. Ich wusste, dass das mein einziger Ausweg war. Ich rief noch ein paar anderen Menschen an.

Diese Anrufe haben mich gerettet. Darüber zu sprechen, rettete mich. Menschen von dem zu erzählen, was ich durchmachte, rettete mich.

Manchmal ist alles falsch

Jetzt ist der Moment, mitzusingen

Wenn dein Tag nur Nacht ist (halte durch, halte durch)

Wenn du am liebsten loslassen würdest (halte durch)

Wenn du denkst, du hast genug

Von diesem Leben, dann halte durch

Ich habe gelernt, wie universell Depressionen sind.

Ich war nicht alleine. Ich hatte noch diesen einen kleinen Teil in meinem Gehirn, der richtig funktionierte. Ich hatte so viel Glück.

Ich war es gewohnt, meine Depressionen für mich zu behalten. Ich wollte nicht, dass Menschen davon wussten. Es war so isolierend. Ich fühlte mich wie ein Verlierer. Ich dachte, alle anderen hätten alles unter Kontrolle - nur ich nicht. Es war mir peinlich.

Aber so ist das nicht mehr. Ich habe gelernt, wie universell Depressionen sind. Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich Medikamente nehmen muss und das ist in Ordnung so. Solange ich nur nie wieder diesen Schmerz fühlen muss, ist es das wert.

Ich war in diesem dunklen Loch. Ich steckte am Boden eines Brunnens fest und kein Ausweg war in Sicht. Das ist schrecklich.

Wenn sich eine Person das Leben nimmt, heißt es häufig, sie hätte den einfachsten Ausweg gewählt. Das verletzt mich. Denn wenn du an echten Depressionen leidest, bist du davon überzeugt, dass es deinen Liebsten ohne dich besser geht. In deinem Kopf ist es die einzig sinnvolle Lösung. Du bist dann so sehr in deinen eigenen Gedanken gefangen. Daran ist nichts einfach.

Jeder kämpft mit dem Schmerz

Lass dir von deinen Freunden helfen

Jeder kämpft mit dem Schmerz

Gib dich nicht geschlagen, oh nein

Wenn du niemals in dieser Situation warst, hast du wirklich Glück. Es ist der schrecklichste Ort, an dem du landen kannst. Es ist ein Gefühl der Verzweiflung, das nicht erklärt werden kann. Du kannst deine Kinder im Arm halten, wissentlich wie sehr sie dich brauchen und gleichzeitig solche Schmerzen haben, dass du darüber nachdenkst, sie für immer zu verlassen.

Gib dich nicht geschlagen

Wenn du das Gefühl hast, alleine zu sein

Nein, nein, nein, du bist nicht allein

Depressionen können nicht unter den Teppich gekehrt werden

Das Leben ist verdammt hart. Wirklich hart. Es gibt Aufs und Abs und aus irgendeinem Grund tendieren wir dazu, zu glauben, dass die anderen es immer besser haben. Dass wir die einzigen sind, die leiden. Das ist aber einfach nicht wahr.

Depressionen sind echt. Sie können nicht unter den Teppich gekehrt werden. Wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen. Jetzt. Bevor es zu spät ist.

Ärzte sollten alle Menschen untersuchen. Nicht nur ein paar Mütter. Depressionen können jederzeit jeden treffen. Und sie müssen behandelt werden. Und zwar wie eine ganz normale Krankheit. Denn das sind sie.

Wenn du in diesem Leben alleine bist

Sind die Tage und Nächte lang

Wenn du denkst, du hast zu viel von diesem Leben, um durchzuhalten

Jeder hat irgendwann Probleme. Frag deine Freunde danach und ich bin mir sicher, dass jeder einzelne von ihnen eine Geschichte zu erzählen hat. Meine Freunde und ich haben uns all unsere Geschichten erzählt und das hat uns alle gerettet. Es ist fantastisch, wie ähnlich wir uns alle sind.

Also fang an, darüber zu sprechen. Es gibt keinen Grund, alleine zu leiden. Es gibt keinen Grund, im Stillen zu leiden. Es gibt einfach keinen Grund, zu leiden. Sag es jemanden. Irgendjemandem. Sprich darüber. Du bist nicht alleine.

Jeder kämpft manchmal mit dem Schmerz

Jeder weint

Jeder kämpft manchmal mit dem Schmerz

Du bist nicht alleine

Auf No Wire Hangers, Ever kannst du noch mehr zu dem Thema lesen.

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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