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Bauen wir die Stadt der Zukunft

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FUTURE CITY
Daniel Vi√ɬĪ√ɬ© Garcia via Getty Images
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St√§dte genie√üen weltweit enorme Glaubw√ľrdigkeit. Warum adaptieren wir nicht endlich die Portalkonzepte der Ubers, AirBnBs oder Amazons und bauen die digitale Stadt der Zukunft? Aus Wutb√ľrgern w√ľrden Wohlf√ľhlb√ľrger. Teilhabe, Basisdemokratie und lokale Wertsch√∂pfung, eingebettet in digitale Prozesse, k√∂nnten entscheidend helfen, das Gespenst der Ungleichheit zu verscheuchen.

Metaphern sollte man nicht √ľberstrapazieren. Dass sich ein disruptives, weltumspannendes Instrument wie das Internet daf√ľr besonders eignet, liegt auf der Hand. Deswegen debattieren wir seit einiger Zeit beispielsweise √ľber ein Internet der Energie und das Internet der Mobilit√§t.

In den meisten F√§llen, wo auf die Epochalmetapher Internet zur√ľckgegriffen wird, geschieht das, um in einem generalisierten Bild auf etwas hinzuweisen, dass auf einen markanten Ver√§nderungsprozess hinweist. Wenn wir "Internet von XY..." sagen, dann meinen wir, dass (digitale) Vernetzung in einem System auf unseren M√§rkten Einzug halten wird. Selten gehen solche Metaphorisierungen jedoch √ľber intuitive Vernetzungsphantasien hinaus.

Stadt 2.0 als Gegenmittel zu Populismus und Ungleichheit

Bei dem Thema, wie wir in Zukunft städtisches Leben organisieren können, lässt sich das Bilder vom Internet der Urbanität deutlich konkreter fassen. Und: Was unter der Entwicklung von neuen Vernetzungs- und Portalisierungsstrukturen in den nächsten Jahren in den Städten tatsächlich passieren könnte, hat womöglich sehr konkrete Auswirkungen auf drängende Probleme in unserer aktuellen gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Situation.

Städte waren schon immer Treibhäuser des Wandels

St√§dte galten schon immer als die Inkubatoren des Neuen, von Trends und Provokation. St√§dte waren oft auch die in Beton gegossenen Labore von Freiheit, Befreiung und Emanzipation. Hinzu kommt, dass St√§dte jetzt und nat√ľrlich in der Zukunft die Powerh√§user f√ľr wirtschaftliches Wachstum sein werden.

Laut dem "Global Metro Monitor" sorgen mittlerweile die 300 wirtschaftlich am schnellsten wachsenden St√§dte f√ľr fast die H√§lfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Ein Drittel dieser St√§dte geh√∂rt zu den Wachstumstreibern ihrer jeweiligen L√§nder.

Wichtiger ist vielleicht aber noch, dass St√§dte - in einer von Krisen und Unberechenbarkeit gekennzeichneten Weltlage - f√ľr viele Menschen ein hohes Ma√ü an Glaubw√ľrdigkeit und Verl√§sslichkeit haben. W√§hrend nur noch einer von f√ľnf amerikanischen B√ľrgern (Stand vor der Trump-Wahl) der Regierung vertraut, glauben drei Viertel von ihnen, dass ihre Stadtoberh√§upter die richtigen Entscheidungen treffen.

Mit anderen Worten: St√§dte k√∂nnten dort Vertrauen und lebensweltliche Vertrautheit zur√ľckgeben, wo unsere Gesellschaft von Ungleichheit und Abstiegs√§ngsten gekennzeichnet ist. St√§dte, in denen Entscheidungen nach wie vor sehr autonom getroffen und rasch umgesetzt werden k√∂nnen, k√∂nnten in der Zukunft ein wichtiges Soziotop sein, um den verunsicherten Menschen wieder Vertrauen in sich selbst und politische Prozesse zu geben.

Von Uber lernen - aber richtig

Eine tragende Rolle k√∂nnte dabei - und damit komme ich wieder auf die Internet-Metapher zur√ľck - die Idee der digitalen Portale spielen. Das Personenbef√∂rderungsportal Uber ist momentan das Lieblingsbeispiel, um zu zeigen, wie sich komplexe Abl√§ufe in unserem Mobilit√§tsverhalten automatisieren und kosteng√ľnstig umgestalten lassen.

Uber hat sich zum Ziel gesetzt, mithilfe seines digitalen Portals, auf dem sich gigantisch viele Menschen tummeln, die Personenbeförderung nachfragen oder selbst als Personenbeförderer (mit eigenem PKW) agieren wollen, Fortbewegung radikal neu zu organisieren.

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Schaut man ein bisschen genauer in das Gesch√§ftsmodell von Uber, stellt man indes fest, dass dort arbeitende Menschen aber eigentlich gar nicht mehr vorgesehen sind, wenn denn dann tats√§chlich in den n√§chsten Jahren das autonome Fahren marktf√§hig w√ľrde.

Wir k√∂nnen es nun als moralisch fragw√ľrdig abkanzeln, dass der digitale Kapitalismus zwar an der Bef√∂rderung von Menschen Geld verdienen m√∂chte, Menschen mit ihren hergebrachten Berufsprofilen (der klassische, schlecht bezahlte Taxifahrer) aber die kalte Schulter zeigt.

Ich pl√§diere daf√ľr, dass wir uns die Portalideen √† la Uber, AirBnB, Facebook, Whatsapp etc. einmal etwas genauer anschauen. Dabei fallen Facetten ins Augen, die unser Leben in der Stadt radikal umkrempeln k√∂nnte. Wie gelangen wir von der seelenlosen Mechanik des Uber-Gesch√§ftsmodells in die Zukunft unserer Lebensr√§ume?

Die Sprache von Politik und Verwaltung versagt - Digitalisierung schafft neue Kommunikationshorizonte

Die Wahl in den USA hat, vereinfacht gesagt, gezeigt, dass es einen tiefen Stadt-Land-Gegensatz gibt. Die Liberalen leben in den St√§dte, doch der autorit√§re Populist Trump wurde vor allem von der Landbev√∂lkerung gew√§hlt. Die gleichen Verh√§ltnisse beim Brexit: 75 Prozent der B√ľrger Londons stimmten ‚Äěremain".

L√§ngst wissen wir, was den Menschen h√§ufig fehlt und was ihre Anf√§lligkeit f√ľr den Populismus befeuert, ist das Gef√ľhl, nicht in Entscheidungen einbezogen zu sein. Beklagt wird immer wieder die mangelnde individuelle Ansprache, mit der es gelingt, auch komplexe Vorg√§nge zu erkl√§ren. Letzteres ist den Menschen in digitalen Zeiten jedoch seit Jahren √ľber die Nutzung von Smartphones und Apps vertraut.

Die erste Anforderung an einen städtischen Soziotop der Zukunft lautet deshalb: "Sprich so persönlich und wirksam zu mir, wie es in der digitalen Welt längst möglich ist; vernetze mich mit anderen, mit Institutionen, Dienstleistungen und Märkten - und das am besten in Realzeit.

Aber was hat das nun mit der Stadt der Zukunft zu tun? In der Stadt der Zukunft k√∂nnten - ja: m√ľssen - diese Instrumente im lokal-st√§dtischen Rahmen fruchtbar gemacht werden.

Die moderne Stadt als digitales Portal - ein Tor zu neuen Bindungen

Dieses "Matching", diese auf den ersten Blick recht technische ‚ÄěErm√∂glichung" von Kommunikationen k√∂nnte in der Stadt der Zukunft bei b√ľrokratischen Prozessen stattfinden (was in Ans√§tzen schon der Fall ist). Es k√∂nnte jedoch ungleich st√§rker als bislang vor allem auch bei politischen Entscheidungsprozessen stattfinden (mehr Partizipation, online und offline).

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Und mehr noch: Die Stadt der Zukunft sollte umgehend die Chancen nutzen, die die digitalen Portalemodelle von AirBnB, Uber etc. bereits seit längerem "ausformuliert" haben und umsetzen. Sie basieren darauf, dass Dienstleistungsabläufe in hohem Maße digital definiert werden (dezentraler, personalisierter, tendenziell raum- und zeitunabhängig) und aufgrund des hohen Automatisierungsanteils auf null Grenzkosten zulaufen.

Digitalportale wie TaskRabbit (smarte Dienstleistungen), Craigslist (digitales Schwarzes Brett), Skype/WhatsAppWeChat (pers√∂nliche Kommunikation) haben eigentlich bereits eine Blaupause daf√ľr entwickelt, wie es aussehen k√∂nnte, wenn in modernen St√§dte und Kommunen in den kommenden Jahren neue Kommunikationsformen f√ľr Gesundheit, Erziehung und nat√ľrlich auch f√ľr Verwaltung - technisch in erster Linie auf Software basierend - aufgebaut werden.

Ein Anfang daf√ľr kann schon dadurch gemacht werden, dass die gro√üe (aber nat√ľrlich auch die kleinen und cleveren St√§dte) den ersten Schritt machen und digitale Portale im Rahmen ihrer St√§dte nach dem Vorbild der Technologieriesen entwickeln. Das Verbot von Uber unter anderem in Barcelona oder Austin (Texas) hat dort innerhalb k√ľrzester Zeit dazu gef√ľhrt, dass lokale Uber-Alternativen aus dem Boden schossen.

Digitale Portale verbinden niedrige technologische Zugangsh√ľrden mit einem globalen, einfachen Nutzer-Zugang und individueller Lokalisierbarkeit von Dienstleistungen. Sie sind leicht zu kopieren, was die Beispiele aus Barcelona, Austin und selbst auch im Indonesischen Jakarta best√§tigen.

Mit dem AirBnB-Modell städtischen Wohnraum neu organisieren

In einem weiteren Schritt k√∂nnten diese digitalen Leuchtturm-St√§dte - im Sinne einer White-Label-Strategie - damit beginnen, die Konzepte der Ubers, TaskRabbits, AirBnBs etc. auf lokaler Ebene ‚Äěnachzubauen" und f√ľr Interessierte zur Verf√ľgung zu stellen. Jobvermittlung findet k√ľnftig dann auf st√§dtischer Ebene nach dem Modell Craigslist oder TaskRabbit statt. Wohnraumvergabe und moderne touristische Angebote w√ľrden √† la AirBnB gesteuert, wobei - anders als beim realen AirBnB - die Einnahmen vor Ort bleiben.

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Diese f√ľnf genialen Ideen machen unsere St√§dte sauberer und lebenswerter

Wenn sie sich auf die Digitalisierung der Kommunikation einlassen, k√∂nnen insbesondere St√§dte in den kommenden Jahren zu Keimzellen einer lokalen Neuorganisation werden. Sie sind einflussreich genug, um politischen Einfluss innerhalb eines Landes, einer Region auszu√ľben und √ľberschaubar genug, um den Menschen das Gef√ľhl zur√ľckzugeben, Ver√§nderungsprozesse aktiv mitgestalten zu k√∂nnen.

Warum den Technologiegiganten das Gesch√§ft √ľberlassen?

Sind auf diese Weise erste Modelle geschaffen und Prototypen entwickelt worden, lassen sich schnell weitere Zukunftsthemen finden, die in den kommenden Jahren zu lokal-digitalen Portalen ausgebaut werden k√∂nnten. Ich nenne nur Urban Farming, M√ľllentsorgung bzw. Recycling, Minijob-B√∂rsen, Tauschb√∂rsen, B√ľrgerverwaltung, B√ľrger-Journalismus usw. Warum also den Technologiegiganten das Gesch√§ft mit den digitalen Infrastrukturen √ľberlassen, wenn das im Rahmen einer zukunftsoffenen und digital aufgeschlossenen Stadt noch viel wirkungsvoller m√∂glich ist?!

Macht wird in der digitalen Stadt der Zukunft neu verteilt

St√§dte w√ľrden, auch davon bin ich fest √ľberzeugt, einen neuen Aufschwung erleben. Es w√ľrde vielen Mensch klar werden, weswegen sie sich f√ľr Demokratie vor Ort (aber nicht nur dort) einsetzen sollen und was Teilhabe in einem lebendigen st√§dtischen Umfeld tats√§chlich bedeuten kann.

Das ko-kreative Lernen von den gro√üen digitalen Portalen k√∂nnte tats√§chlich dazu f√ľhren, dass Macht in unserer (Stadt-)Welt in neuer Weise aufgeteilt wird. Digitalisierung (aber nat√ľrlich nicht die Technologie alleine) er√∂ffnet uns die Chance, vom "Ihr da oben - wir hier unten" wegzukommen.

Von Prototypen k√∂nnte gelernt werden, eine Toolbox f√ľr die digitale Stadt der Zukunft k√∂nnte dabei entstehen, die in anderen Regionen, bei anderen Stadtgr√∂√üen den konkreten Vorortbedingungen angepasst werden.

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St√§dtisch-digitale Kollaborationsmodelle mit minimalen Fixkosten w√ľrden vielerorts f√ľr einen lokalen Neustart sorgen - und liefern ein neues Identit√§tsversprechen in Zeiten dramatisch schwindender Bindungskr√§fte gegen√ľber unseren hergebrachten gesellschaftlichen Institutionen.

Postskriptum: Noch einmal zur√ľck zum Stadt-Land-Gegensatz und den Populisten. Ein solches ‚ÄěInternet der urbanen Erneuerung" kann als Organisationsprinzip nat√ľrlich auch Kommune, Kleinst√§dte und Landkreise auf dem Land in eine bessere Zukunft f√ľhren.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung werden in den kommenden Jahren maßgeblich dazu beitragen, dass der ländliche Raum nachhaltig und kostensensibel modernisiert wird. Dann werden wir irgendwann womöglich nicht mehr von einem Stadt-Land-Gegensatz sprechen.

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