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Lieblingstonträger: TRÜMMER - Interzone

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Auf dem zweiten Album der Wahlhamburger werden so einige Lanzen gebrochen - für die Liebe, ein grenzenloses Europa, den Exzess und dafür, einfach mal einen Gang zurück zu schalten. Klare Sache: Auf Interzone gibt's Pop-Punk vom Feinsten.

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Die Geschichte um den Hype von TRÜMMER könnte man als die klassische Hard-to-Get-Sache bezeichnen: Von Beginn an machen sie sich eher rar, verzichten auf soziale Medienpräsenz und darauf, die nächste große Nummer zu sein - werden dann allerdings (beziehungsweise gerade deshalb) vom Hype eingeholt und in die Höhe gefeiert. Und das mit gerade mal einem Album.
Dies ist nun gute anderthalb Jahre her und TRÜMMER stehen schon mit ihrem nächsten Album vor der Tür, Interzone. Charmant bitten sie damit um Einlass. Klar, sind ja durch und durch Gentlemen - jedoch mit klaren Ansagen. Die Türen, an die sie klopfen, würden sie am liebsten einreißen. Nieder mit den Grenzen - mit allen Grenzen. Und überhaupt: nieder mit Fremdenfeindlichkeit, nieder mit Hass, nieder mit dem trendigen Drang, sich ständig selbstoptimieren und fürs triste Malochen aufopfern zu müssen. Die Löcher, die das Entfernen all dieser unnötigen Dinge hinterlässt, sollen mit neuen Utopien gestopft werden. Der Liebe, zum Beispiel. Und gelegentlichen Räuschen - dabei entstehen schließlich die besten Geschichten, wenn man mal ehrlich ist. Geschichten, die tagsüber vom Arbeitsalltag wie die Schatten der Nacht zurückgedrängt werden und deswegen so nie passieren würden

Viele von diesen Geschichten erzählen TRÜMMER auf ihrem neuen Album. Allesamt kommen sie aus der Interzone - den Hint konntet ihr möglicherweise schon anhand des danach benannten Albums kapieren. Doch was ist diese Interzone? Lateinisch inter = zwischen, unter, zu: in = in, hinein (der Duden half). Bedeutet: Nicht dies, nicht das. Nicht da, nicht weg. Irgendwie nichts, eigentlich alles. Ein bisschen trostlos, sehr kathartisch. Von der trockenen Realität wird die Interzone durch eine semipermeable Membran getrennt: Von Innen nach Außen bekommt der in der Interzone steckende, absolut nichts mit. So handelt es sich bei der Interzone quasi um die Umkehrung des Spiegelglas-Prinzips.

Die Texte sind dabei oft melancholisch, verbittert, stets kritisch. Es werden Themen wie Trennung, Depression, die daraus resultierende Antriebslosigkeit behandelt und daran appelliert, diese schwachsinnige Beschleunigungsmaschine doch endlich ein mal zu verlassen, auch wenn das erst mal Schwindel und Herumtaumeln bedeutet. Scheißt auf Leistungsdruck und seid einfach mal faul!

Hinaus gebrüllt/geflüstert werden all diese Botschaften auf Interzone von Paul Pötschs kratziger Rock'n'Roll-Stimme, verpackt werden sie zunächst in synthie-getriebenem Pop, der an Ende der 70er/ Anfang 80er Jahre erinnert. Kurz nach Mitte des Albums distanziert sich der Klang vom Synth-Pop-Punk und wird sichtlich schrammiger, getriebener, härter. Den Auftakt dieses zweiten Teils macht "Europa Mega Monster Rave", der politischste Song des Albums mit dem Appell, Grenzen zu zertrümmern und stattdessen eine Utopie der grenzenlosen Liebe zu manifestieren - "L'amour toujours, L.O.V.E." und auch:

Es gibt keine Diskussion mehr - es ist doch wirklich vollkommen klar, dass die Zeit überreif ist für ein neues Utopia.

Zum Schluss wird dann noch eine psychig anmutende Ballade rausgehauen. Klanglich ist das Album eine runde Sache mit schicken kleinen Details. Besonderer Ohrenschmaus ist beispielsweise die Gitarre, gezupft von Helge Hasselberg, der damals das selbstbetitelte Debütalbum von TRÜMMER produzierte, sich mit Interzone allerdings als das vierte feste Mitglied des ehemaligen Trios etablieren konnte.

Wie sich die Jungs mit neuem Album und neuer Formation live machen, kann man 2016 an folgenden Terminen erleben:

12.10. Hannover, Lux
13.10. Wiesbaden, Schlachtho
14.10. Köln, Gebäude 9
15.10. Münster, Gleis 22
16.10. Leipzig, Naumanns im Felsenkeller
18.10. Salzburg, Rockhouse
19.10. München, Ampere
20.10. Innsbruck, Weekender
22.10. Vöcklabrück, OKH
24.10. Wien, Fluc
25.10. Zürich, Werk 21
26.10. Stuttgart, Keller Klub
28.10. Hamburg, Uebel & Gefährlich

TRÜMMER zu Gast bei Max
Am 29. April haben TRÜMMER bei uns im Sender vorbeigeschaut. Das komplette Interview gibt's hier zum Nachhören.

Tracklist: TRÜMMER - Interzone
01. Wir explodieren
02. Neoncity
03. Grüße aus der Interzone
04. Nitroglyzerin
05. Dandys im Nebel
06. Wie betrunkene Astronauten
07. Europa Mega Monster Rave
08. 05:30
09. Gin Tonic & Wodka Soda
10. Das Glitzern der Nacht
11. Wozu noch Angst

Interzone von TRÜMMER wurde am 29. April via Pias Germany (Rough Trade) veröffentlicht.

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