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Lieblingstonträger: Metronomy - Summer 08

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Während die anderen Mitglieder von Metronomy mit einem normalen Leben beschäftigt sind, hatte Joe Mount einen nostalgischen Schlag und denkt mit seinem neuen Album an den Sommer 08 zurück.

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Am 1. Juni tritt das Abkommen zur Erhaltung der Gorillas und ihrer Lebensräume in Kraft, Obama wird zum 44. Präsident der USA gewählt, die Crystal Castles sind noch vereint und haben gerade ihr Debütalbum veröffentlicht und Joe Mount - seines Zeichens Hirn von Metronomy - verbringt die Nächte ausgelassen in britischen Clubs. Sommer 2008, welche ein Jahr. Es war laut Mount selbst der letzte Sommer, in dem er so richtig Zeit hatte: Sein musikalisches Projekt stand erst noch kurz vor dem ersten großen Hype, das zweite Album Nights Out sollte erst im September erscheinen, außerdem war er weder verheiratet, noch Vater. Und sonst, sonst war natürlich auch alles besser, wie das eben immer so mit vergangenen Zeiten ist.
Ebenda knüpft Joe Mount mit Summer 08 an, obgleich Synths und Beats zweifelsohne besser getaktet, die Songs durchdachter sind und nicht ganz so experimentell klingen, wie sie es auf Nights Out taten. Gesammelte Erfahrung kann man eben nicht verleugnen, wobei es scheint, als hätte er in der ersten Single-Auskopplung "Old Skool" einen kleinen Hint an jene noch nicht ganz so professionelle Zeit versteckt: Um die 15. Sekunde skippt der Beat etwas unangenehm.

Vorgestellt wurde die Nummer vor knapp drei Monaten in der BBC Radio 1 Show mit Annie Mac. Eine fantastisch discoesque Nummer mit den klassischen düsteren Synths von Metronomy, jedoch ungewohnten Scratch-Elementen. Gerade das repetitive, ansteckende "Yaya-ya-ya" gen Ende des Songs lässt den Leuten im Club gar keine andere Wahl, als "abzuspacken" (wie die Kids aus 2008 zu sagen pflegten).

Fast wie Nights Out ist auch Summer 08 in kompletter Eigenregie in Frankreich gebastelt worden (dort wohnt er mit seiner Familie seit einigen Jahren) - zumindest fast komplett, denn bei "Old Skool" hatte Mix Master Mike (Beastie Boys) seine Finger im Spiel, was wiederum die Scratch-Elemente im Track erklärt, während sich Mount für "Hang Me out to Dry" gesangliche Unterstützung von Robyn holte. Kennengelernt haben sich der Metronomy Frontmann und die Schwedin letztes Jahr, als sie für den Film Partisan unter dem Pseudonym Tony Primo and Nixxie den gemeinsamen Track "The Hardest Thing to Do" produzierten.

Angefangen, an Summer 08 zu basteln, hat Joe Mount allerdings schon etwas früher, kurz nach dem Touren für das letztes Album Love Letters, das 2014 veröffentlicht wurde nämlich. Innerhalb von zwei Wochen stand dann bereits das Grundgerüst.

Für Summer 08 wurde das Metronom etwas höher eingestellt. Zumindest erzählte Mount in einem Interview mit dem Q Magazin, dass er mal an einer Uptempo-Platte basteln wollte:

I just wanted to make an uptempo record. I wanted to try and do another record that captures that fading memory of being a bit younger and going to clubs, but with the confidence I didn't have then.

Dass auf Summer 08 aber auch die typische Metronomy-Melancholie vorhanden ist, beweisen Songs wie "Night Owl" mit flächigen, langanhaltenden Melodica-ähnlichen Keyboardklängen und Mounts sanftem, fast säuselndem Gesang. Warum, warum kann man Musik eigentlich (noch) nicht essen und sich nur gedanklich ganz tief darin einmummeln. Belastend.

Eine weitere Perle des Albums ist der achtminütige "Mick Slow", der mit stöhnenden bis grummelnden Synths und Joe Mounts gewohnt kläglichem Versuch, fünf Oktaven höher zu singen als seine Stimmbänder hergeben daherkommt. Und der klassische Liebessong ist natürlich auch auf Summer 08 vertreten.

See the stars deep in the night / I think about you all the time.
Besungen wird hier aber keine alte Sommerliebe. Besungen wird hier, bei "16 Beat", sein Lieblingsbeatmuster der 80er Jahre - wobei er uns das eigentlich gar nicht mal mehr hätte explizit sagen müssen, das hört man Summer 08 durch und durch an, denn nicht nur die Beats, auch Synths und funky Bass hat er sich aus der Zeit für diverse Tracks geliehen.

Eine Tour ist erst mal übrigens nicht geplant: Jeder der Band zieht momentan sein eigenes Ding durch, so hat sich Anna (Schlagzeugerin) beispielsweise dem Yoga verschrieben und Oscar (Keyboard, Saxophon) lebt derzeit in Amerika, wo er sich um sein Baby kümmert - so sind die übrigen Bandmitglieder gerade einfach mal mit dem ganz normalen Leben beschäftigt. Vielleicht aber haben wir die Chance, dass Joe Mount so alleine auf Tour geht, auf eine kleinere, intimere, auf der er in Clubs, statt den größten Bühnen auftritt. Nicht, weil wir glauben, dass er alleine weniger wert ist. Sondern weil es eine noch nettere Geste wäre, die damalige Zeit zu huldigen.

Tracklist: Metronomy - Summer 08
01. Back Together
02. Miami Logic
03. Old Skool
04. 16 Beat
05. Hang Me Out To Dry (withRobyn)
06. Mick Slow
07. My House
08. Night Owl
09. Love's Not an Obstacle
10. Summer Jam

Summer 08 von Metronomy wurde am 1. Juli via Because Music veröffentlicht.

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