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Lieblingstonträger: Kasabian - For Crying Out Loud

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KASABIAN
Kasabian
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Wenn eine ironische Band wie Kasabian vor Release verkündet, die neuen Songs sollten GItarrenmusik wieder auf Vordermann bringen - dann kann man ja schon misstrauisch sein.

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Was man nämlich auf For Crying Out Loud statt ausgeklügelten Gitarrenriffs - zunächst - eher hört: klassische Diskorhythmen, die unter moderne Klanggerüste gepresst wurden, was im Endeffekt leicht nach Bee Gees auf Acid (House) klingt.
Der Eindruck verschwimmt nicht nur beim weiteren Verlauf des Albums, sondern auch nach mehrmaligem Anhören.

Aber der Reihe nach.

Die Band um Sänger Tom Meighan und Sergio Pizzorno liefert mit "Ill Ray (The King)" nicht nur einen ziemlich heftigen, disco-rockigen Einstieg ins neue Werk, sondern auch noch eine Grundlage für ein mögliches Carneval do Rio de Janeiro-Motto-Album. Mit Songs wie "Twentyfourseven" wiederum machen Kasabian gelungene Referenzen an ihre früheren Zeiten. "Good Fight" klingt einerseits gewohnt dröhnend, andererseits auch leicht psychedelisch versetzt. "Wasted" bringt in das Disko-Gepoppe des neuen Albums erstmals zusätzlich ein wenig dezente Melancholie auf galoppierendem Rhythmus. Die große Überraschung gibt es dann zum siebten Song, "The Party Never Ends" - also gerade mit dem Titel, der eine noch prägnantere Disko-Rock-Nummer erwarten lässt. Der Track ist genau wegen seines langsamen Rhythmus markant und eingängig. Die Angst vor übertriebener Disko wird erst von seinem Nachfolger "Are You Looking For Action?" bestätigt.
Gegen Ende jedoch wird For Crying Out Loud noch mal um einiges interessanter. "All Through the Night" zum Beispiel. Der ist es dann nämlich doch: Der eine Song, der wirklich von feinstem Gitarrenspiel zeugt (begleitet von thereminartigen Klängen). Eingebettet zwischen die filigranen Stücke "Sixteen Blocks" und "Put Your Life On It" (der übrigens der perfekte hymnenhafte Song wäre, jede gelungene Indie-Feier gebührend zu beenden) findet sich mit "Bless This Acid House" außerdem noch ein weiterer schrammigerer Song, der ganz ohne Retro-Elektronik auskommt.

Letztlich bleibt nach For Crying Out Loud eine leichte Ahnungslosigkeit. Die Einflüsse der Songs sind teilweise so unterschiedlich, dass das Album willkürlich eklektisch klingt. Was einem dabei übrig bleibt: Nochmal anhören. Denn wenn man Kasabian wirklich eine Chance geben will, wird man sich definitiv an die neuen Songs gewöhnen.

Tracklist: Kasabian - For Crying Out Loud
01 Ill Ray (The King)
02 You're in Love With A Psycho
03 Twentyfourseven
04 Good Fight
05 Wasted
06 Comeback Kid
07 The Party Never Ends
08 Are You Looking for Action
09 All Through the Night
10 Sixteen Blocks
11 Bless This Acid House
12 Put Your Life On It

For Crying Out Loud von Kasabian wurde am 05. Mai 2017 via Smi Col (Sony Music) veröffentlicht.

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