Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Anna Lindener Headshot

Lieblingstonträger: Warpaint - Heads Up

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WARPAINT
Ints Kalnins / Reuters
Drucken

Warpaint haben uns ganz schön dranbekommen: Wegen des ersten Vorbotens fürchteten wir, eine durch und durch poppige Platte vorgesetzt zu bekommen. Aber beruhigt euch: War nur ein kleines Späßchen.

2016-10-07-1475855482-4183043-warpaint_headsup_cover.jpg

Denn Warpaint sind mit dem neuen Album ihrem Stil bestens treugeblieben und kreieren auch auf Heads Up hallende Klangsphären. „New Song", der im Vorfeld irrationale Angst verbreitet hat, ist tatsächlich ein Ausreißer.

Man meint, bei Heads Up Künstler wie The Knife, Tame Impala und The xx rauszuhören, tatsächlich aber waren es viel mehr Künstler aus den 90ern, die die Klänge zum neuen Album inspirierten. Dr. Dre zum Beispiel, der mit einem Titel auf dem Album sogar genannt wird. Einflüsse waren allerdings auch Janet Jackson, Björk, Outkast und Kendrick Lamar.

Diese hört man sogar gleich beim ersten Song: Der Klang von „Whiteout" ist gewohnt melancholisch, kaum poppig, sondern eher R'n'B-lastig. Der düstere Eindruck wird vom folgenden „By Your Side" fortgeführt: Kühle TripHop Elemente, durchflochten von unterschwelligen Technomelodien, der folgende „New Song" wirkt tatsächlich wie ein Witz.

Mit einer genialen Pointe: Die Natürlichkeit des Pop-Beats wird einem erst im Kontext des Albums bewusst, dass einen das Talent der Schlagzeugerin Stella Mozgawas einfach faszinieren muss. Im Gesamtwerk betrachtet hätten die Mädchen ihrem neuen Album getrost ein bisschen mehr von diesem Pop verpassen können - auf diese Weise steht Heads Up gegenüber seinen Vorgängern The Fool (2010) und Warpaint (2014) nicht allzu sehr heraus.

Mit „The Stall" folgt wieder ein krasser Kontrast zu „New Song". Kalte E-Gitarrenklänge, die zum Schema des ersten Songs passen, kombiniert mit leidigem Gesang. „So Good" kommt wieder einigermaßen poppig daher, wird aber sofort vom minimalen „Don't Wanna" neutralisiert.

„Don't Let Go" wiederum ist feiner Psych-Rock, an den sich der folgende Song „Dre" perfekt anschmiegt. „Heads Up" wird von ähnlichen Schlagzeugbeats getrieben wie „New Song". Der letzte Song, „Today Dear", lullt einen schließlich bestens ein.

Der Gesang ist zwar auch hier sphärisch und echohaft, auf absurde Art und Weise jedoch gleichzeitig ziemlich intensiv und dicht. Begleitet wird die Stimme zunächst nur von Akustikgitarre, nur ganz unmerklich mischen sich mit der Zeit noch hallende Keyboard-Akkorde dazu.

Dass Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa ein eingespieltes Team mit einem Universalhirn ist, beweist die Homogenität des Albums - obgleich die Songs so isoliert von einander komponiert wurden, wie sonst nie: Nicht als Gruppe arbeiteten sie an den Songs, sondern jeder für sich baute das Grundgerüst. Zum Basteln des neuen Albums haben die vier Mädchen gerademal fünf Monate gebraucht: Von Mitte Januar bis Mai 2016. In einer Pressemitteilung zum Album sagte Lindberg:

Everybody was allowed to have their space, time and creative freedom with songs and figure out, 'I wonder what the best notes would be? I wonder what the best part would be to play?' Everybody got to sit and go, 'What do I want to do on this? What's my part? What's my role? How can I make it the best?'

Anscheinend sieht jedes Bandmitglied seinen Teil im Singen, weswegen die meisten Songs auf Heads Up von chlorhaltiger Mehrstimmigkeit geprägt sind. Dies fand bisher hauptsächlich live statt.

Trotz all der individuellen Arbeit am neuen Album galt dennoch die Regel, dass jede mit allem zufrieden sein musste. Kompromisse sollte es eigentlich nicht geben, wenn es um das Absegnen der einzelnen Songs ging. Somit klingt Heads Up dann eben doch wie aus einem Guss (mit der einen klitzekleinen Ausnahme). Der Konsens gibt dem Album eine gewisse Reife, wie Lindberg selbst sagt: Heads Up sei die entwickeltste Platte ihrer Diskografie. Das mag sein. Wirklich ausgereift ist sie allerdings nicht.

Live kann man das neue Album unter anderem am 30. Oktober in Köln und am 1. November in Berlin erleben - das war's dann aber auch schon, was Deutschland angeht. Alle weiteren Tour-Termine gibt es auf ihrer Homepage.

Tracklist: Warpaint - Heads Up

01 Whiteout
02 By Your Side
03 New Song
04 The Stall
05 So Good
06 Don't Wanna
07 Don't Let Go
08 Dre
09 Heads Up
10 Above Control
11 Today Dear

Heads Up von Warpaint wurde am 23. September 2016 via Rough Trade/Beggars Group (Indigo) veröffentlicht.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.