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Lieblingstonträger: Mura Masa - Mura Masa

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MUSIC
Guido Mieth via Getty Images
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Drei Jahre lang haut der aktuell 21-jährige Bub aus dem britischen Guernsey munter einen Banger nach dem anderen raus - nun gibt es das erste richtige Debüt zu bewundern. Ein Fazit will also gemacht werden: War der Hype berechtigt?

Im Gegensatz zur realen Welt, also der, die sich abseits von Metaphern erstreckt, ist in der musikalischen nichts einfacher, als auf einen Hype-Zug aufzuspringen. Erst recht wenn dieser derart Tempo hat, dass es dem Stoiber Freudentränen in die Augen treiben würde und sowieso, wenn Passagiere wie NAO, A.K. Paul, Jamie Lidell und Damon Albarn transportiert werden, die ebenfalls allesamt Höchstes vom Lokführer halten - auch wenn dieser seinen Führerschein gar nicht mal so arg lang hat. Dementsprechend schnell schaffte es Alex Crossan aka Mura Masa mit ein paar Demos die Aufmerksamkeit massenhaft vertrauensvoller Fans und Musikerkollegen auf sich zu ziehen. Das nächste große Ding, sagt man da gerne, und dabei sind sich dann plötzlich immer alle ganz eigentümlich einig.

Und recht haben sie ja auch alle. Mura Masas Songs sind einwandfrei produziert und die Handschrift des Elektrofricklers trotz variierender Features stets klar lesbar. Auch die Kunst, Fieldrecordings in das Klanggerüst zu verweben, ohne dass es lieblos reingeklatscht klingt, beherrscht der 21-Jährige bestens, wie er es in Songs wie "Messy Love", in dem es blubbert, und "Second 2 None", in dem es regnet, unter Beweis stellt.

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Der Nie-zuvor-gehört-Faktor wird dann allerdings doch von ein paar Wiedererkennungsmerkmalen getrübt, was ja an sich nichts Schlechtes ist. Eigentlich ist es sogar richtig schön, dass man nicht unbedingt an Sehnsucht zu Totally Enormous Extinct Dinosaurs eingehen muss - dessen Geist kann man, wenn man wirklich will, nämlich fabelhaft in Mura Masas "Messy Love" raushören. Der folgende "Nuggets" wiederum lindert ein wenig den Schmerz darüber, dass sich Azealia Banks in letzter Zeit eher negativ dargestellt hat (rassistische Kommentare, vehementer Trump-Support, grundloses Beschimpfen von Kolleginnen) - das Feature des Tracks, Bonzai, knallt einen gnadenlos guten Flow hin, dass man die andere dabei sogar ganz einfach vergisst.

Anschließend nimmt das Album einen Geschmack an, der an eine Zeit erinnert, in der Bubble-Tea-Läden ähnliche Überhand genießen durften wie Trap-Elemente im Pop von heute - ein pappsüßes, leicht plastisches Lebensgefühl entfaltet sich. Aber vielleicht ist es das ja, die aufrichtige Vertonung eines ganz normalen Lebens 2.0(17). Vielleicht klingt es für die meisten ja tatsächlich genau so. Wie schön das sein muss. Glatt poliert, makellos, ein bisschen rosa, alles bounct. Einfach perfekt, doch alles andere als befriedigend.

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Aber dann: Plottwist! Es war alles nur eine Farce, wie der gewiefte Mura Masa mit dem Supertalent ab "NOTHING ELSE" zeigt. Der geliebte Soulist Jamie Lidell macht den Start eines hervorragenden Endes: Von nun an übernimmt treibende Melancholie und rettet Mura Masas Album aus der Einhornzuckerwattenhölle. In "Helpline" entblößt sich der noch unbekannte und ungesignte Tom Tripp als Überraschungsliebling des ganzen Werkes. Ebenso begeistern Christine & The Queens, A.K. Paul sowieso und gekrönt wird das Ganze mit Damon Albarns Gastauftritt. Was für eine Kehrtwende. Was für ein Geniestreich! Nun muss man es doch zugeben: die hatten alle Recht. Der Hype ist real.

Tracklist: Mura Masa - Mura Masa
01. Messy Love
02. Nuggets (feat. Bonzai)
03. Love$ick (feat. A$AP Rocky)
04. 1 Night (feat. Charli XCX)
05. All Around The World (feat. Desiigner)
06. Give Me The ground
07. What If I Go? (feat. Bonzai)
08. Firefly (feat. Nao)
09. NOTHING ELSE! (feat. Jamie Lidell)
10. Helpline (feat. Tom Tripp)
11. Second 2 None (feat. Christine & The Queens)
12. Who Is It Gonna B (feat. A. K. Paul)
13. Blu (feat. Damon Albarn)

Mura Masa von Mura Masa wurde am 14. Juli 2017 via Polydor veröffentlicht.

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