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Lieblingstonträger: Moop Mama - M.O.O.P.topia

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LISTENING MUSIC
Klaus Vedfelt via Getty Images
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"Die Mama hat neuen Stuff, yeah" - besser als die zehnköpfige Urban Brass Band können wir die Nachricht um ihr neues Album gar nicht verbreiten. Da bleibt uns nur noch das Feiern davon übrig.

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Fleißig wie die Mama ist, wird M.O.O.P.topia auch gleich noch selbst ausgetragen, beziehungsweise gefahren. Seit Sonntag ist die Gang nämlich auf zweiwöchiger Extreme-Guerilla Tour. Mit selbstgetuneten VMX-Bikes.

Die Radlaktion - oder viel mehr die Liebe zum Radl - findet auch auf dem neuen Album Anklang: "Die Erfindung des Rades" ist der zweite Track und gibt nach dem instrumentalen Intro richtig Stoff - gerade mit den aus Doug Lazys "Let it Roll" und Snoop Doggs "Drop It Like It's Hot" entliehenen Elementen.

Auch politische Töne werden auf M.O.O.P.topia angeschlagen - es wären schließlich nicht Moop Mama, wenn dem nicht so wäre. In "Alle Kinder" beispielsweise geht es um die Imbalance, die auf dieser Erde herrscht und gerade die Schwächsten von uns trifft (man könnte es ahnen): Kinder. Der Track dürfte einigen noch mal gehörig Empathie verschaffen, gerade Flüchtlingsgegnern.

Alle Kinder haben Holzspielzeug, außer Renate, die hat 'ne Granate.

Zudem wird der Song von einer großen Stimme unterstützt - von Jan Delay. Gut kennen gelernt haben müsste man sich letztes Jahr, in dem Moop Mama als Vorband von Jan Delay & Disko No. 1 auftraten.

Doch der ist nicht der einzige, der als Gast zu hören ist, tatsächlich versammeln sich einige Mitglieder der Crème de la Crème der deutschen Musikszene: Blumentopf (die sich eigentlich aufgelöst haben) sind bei "Typ Ische Verhältnisse" zu hören, Flo Mega bei "Insel" und Megaloh steigt bei "Herr der Lage" mit ein. Der prominenteste Gast befindet sich jedoch (ohne seines Wissens) auf "Lösch das Internet": Donald Trump. Als Trompetensound.

Mit Songs wie diesen spornt das Album sowohl dazu an, sich von diesem Facebook kurz auszuloggen, mal wieder auf die Straße zu gehen, sich für etwas einzusetzen und so richtig zu leben, ebenso wie es mit manchen Tracks zum Entspannen motiviert.

Gerade "Meermenschen" lädt dazu ein, sich M.O.O.P.topia als Platte zu gönnen - in Kombination mit Vinyl-Geknister klingt der warme Track eigentlich gerade für entspannte Schallplattensonntage passend.

Allein bei dem Gedanken daran bekommen wir schon feuchte Klangträume. Die allein von Schlagzeug und Bläsern getragene Melodie, Kenos Gesang, der Text und dann dieses schlichte Video dazu - irre! Nein: genial!

Spätestens jetzt sollte euch auffallen, dass Moop Mama auch auf ihrem dritten Album auf den Einsatz von Gitarre verzichten und den Klang auf Bläser, Percussions und Stimme reduzieren.

Tatsächlich würden wir so weit gehen zu sagen, dass sie auf M.O.O.P.topia ihren Urban Brass so gut wie perfektioniert haben. Wir wollen ihre Kreation lediglich nicht als vollendet beschreiben, weil wir auf weitere Steigerung hoffen - selber Schuld, wenn seit der Gründung 2009 jedes Tonerzeugnis das Vorherige übertrifft, der rote Faden dabei aber trotzdem jedes Mal weitergesponnen wird.

Jetzt könnte man: "Ist ja wohl auch nicht schwer, bei gerade mal drei Alben." Da vergesst man aber, dass Moop Mama um Meisterhirn Keno die Fingerchen in viel, viel mehr Projekten, als Alben auf dem Markt haben. Bei der Aktion Goldgrund, zum Beispiel. Oder Monaco Moll.

So kann die Münchner Neo-Blaskapelle bereits mit drei Alben auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Schuld daran ist insbesondere das simple Mantra der Band: Musik machen für Menschen. Und zwar dort, wo sie sind: In Parks, in Universitäten und auf öffentlichen Plätzen. Für solche Auftritte reichen ein paar Instrumente, Kenos Textakrobatik und der gelegentliche Gebrauch von Megaphonen. Ja, gar so einfach ist das nämlich.

Tracklist: Moop Mama - M.O.O.P.topia
01. Intro
02. Die Erfindung des Rades
03. Alle Kinder (feat. Jan Delay)
04. Alle Blumen
05. Typ Ische Verhältnisse (feat. Blumentopf)
06. Insel (feat. Flo Mega)
07. Geburtstag
08. Komplize
09. Der Herr der Lage (feat. Megaloh)
10. Meermenschen
11. Prokrastination
12. Lösch das Internet
13. Über den Dingen
14. Face Dance

M.O.O.P.topia von Moop Mama wird am 27. Mai via Mutterkomplex - Urban Media Gbr (Soulfood) veröffentlicht.

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