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Lieblingstonträger: Miike Snow - iii

15/03/2016 11:25 CET | Aktualisiert 16/03/2017 10:12 CET

Endlich ist das Teil draußen, das uns schon vor über einem Jahr angekündigt wurde. Mit dieser neuen Platte erfinden Miike Snow zwar nicht das Rad neu, eine gelungene Rückkehr nach vier Jahren ist es nichtsdestotrotz.

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Natürlich kann man gleich an dieser Stelle einhaken und sagen, dass das mit der vierjährigen Wartezeit gar nicht stimmt. Dass einer der drei die Band Amason gegründet, ein anderer das Musikprojekt Galantis gestartet und der andere den australischen Wunderknaben Flume gefeaturt hat. Demnach war das letzte wirklich interessante Lebenszeichen der Band eben das zweite Album Happy To You. Und das ist nun mal eine ziemlich lange Zeit her. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie 2013 angekündigt hatten, mit der Arbeit an ihrem dritten Studioalbum zu beginnen.

Dabei hat bei der Gründung von Miike Snow im Jahre 2007 noch alles so geradlinig gewirkt: Zwei Jahre nach Zusammenschluss kam das gleichnamige Debütalbum raus, weitere knappe drei Jahre darauf folgte das zweite und plötzlich wurden aus drei eher losen Musikern, bestehend aus den beiden schwedischen Produzenten Christian Karlsson und Pontus Winnberg und dem amerikanischen Sänger Andrew Wyatt, schon eher so etwas wie eine richtige Band.

Umso unverständlicher, dass danach so lange nichts von ihnen zu hören war - bis Anfang des letzten Jahres. In der heutigen Zeit, in der Facebook quasi die Verlängerung unserer Wahrnehmung ist, konnte man nämlich in den ersten Wochen und Monaten des Jahres 2015 auf der Facebook-Seite von Miike Snow definitiv etwas wahrnehmen. Nicht nur haben sich die Beiträge und Fotos auf ihrer Timeline gehäuft, auch Überschriften wie "Something's coming" oder einfach nur drei Pünktchen trugen zur Spannung bei.

Das Album brauchte seine Zeit: "iii" ist eine persönliche und "liebesgetränkte" Platte

Als Mitte letzten Jahres immer noch kein neues Album in Sicht war, kamen uns die Gedanken, dass a) iii die ausführlichste Platte aller Zeiten werden muss, b) die Herren schlichtweg mit ihren anderen Projekten zu beschäftigt sind oder c) uns Miike Snow, nüchtern gesagt, verarscht haben.

Mit der Veröffentlichung hat sich eher noch ersteres bestätigt - iii ist nämlich eine wahnsinnig persönliche, sprich liebesgetränkte Platte, was bereits die erste Hörprobe bewies, die hymnische Single "Heart Is Full".

Schon daran erahnte man: Soulig und weniger elektronisch ist der neue Sound und tatsächlich begleitet einen dieser Eindruck durch die komplett neue Platte. Nummern wie "Longshot (7 Nights)" lassen einen fast meinen, Miike Snow hätten sich mit ihrer neuen Platte in ganz neue Gefilde gewagt. Wären da nicht Nummern wie "I Feel The Weight", die immer noch an die Elektro-Popper der Vorgängeralben Miike Snow und Happy to You erinnern. Und noch etwas: Auch das erste Video verspricht, dem gewohnten ästhetisch-dystopischen Stil der Miike Snow'schen Bewegtbilder von damals treu zu bleiben.

Wir müssen aber kurz den musikalischen Zeigefinger heben und hoffen, dass Miike Snow wissen, was ein Urheberrecht ist. Denn die Schweden haben sich für die neue Single ganz klar bei Apollo Brown bedient. Das markante Sample stammt von dessen Song "The Cook Up" - aus dem Jahr 2012. Hoffentlich haben Miike Snow da vorher gefragt und rechtlich alles sicher eingetütet, sonst würde das unsere Wiederhörensfreude bitter trüben.

Doch höchstwahrscheinlich ist das auch so gewollt. Immerhin handelt es sich bei iii um eine teils kollaborative Platte - das ewige Händewaschen, das Arbeiten für die großen Popstars und schließlich auch die (etwas überraschende) Kollaboration mit Yoko Ono haben wohl dazu geführt, dass sich Miike Snow erstmals Beistand von anderen Künstlern geholt haben - wie etwa von Run the Jewels auf der Albumversion von "Heart Is Full", die ebenso ungewohnt wie genial ist.

Aufs erste Hören nicht verstanden haben wir jedoch den gemeinsamen Song mit Charli XCX. Auch wenn wir uns ernsthaft vorgenommen haben, nicht zu schnell und voreingenommen zu urteilen. Aber der Track ist mit derart vielen verschiedenen klanglichen Schwerpunkten zersetzt, dass er ein einziges Chaos ist. Hinzu kommt die grauenhafte Vorstellung, dass eine minderjährige Göre die keinen Bock auf Schule und Verantwortung hat, das Versprechen gibt, für einen da zu sein. Wo würde das nur hinführen! Gleichpaarige Socken, entkalkte Wasserkocher und ein stets gefüllter Kühlschrank wären passé! Die Vorstellung ist doch der pure Wahnsinn!

Die Freude über iii ist trotzdem riesig, gerade weil (und wir hassen es, das zuzugeben) Miike Snow uns so wahnsinnig lange hingehalten haben. Das Gesamtpaket stimmt, demnach soll auch dieser eine Patzer mit Charli XCX verziehen werden. Freilich ist das Album nicht arg überraschend, aber definitiv eines, das den veränderungsängstlichen Spießer zutiefst befriedigt.

Und überhaupt: Müssen Musiker von Album zu Album stets 180-Grad-Änderungen vollziehen? Oder führt das im Endeffekt nicht noch viel eher dazu, dass Künstler auf einer Stelle trampeln. Da ist es doch besser, den gewohnten Stil zu nehmen, ihn etwas zu verfeinern und sich so gradlinig fortzubewegen. Außerdem trifft es prima den roten Faden, den Miike Snow seit ihrer Existenz spinnen, was allein schon die schlichte Wahl des Titels zeigt, iii.

Aber das konnten Miike Snow sowieso immer gut: Die erste Platte betitelten sie nüchtern nach sich selbst. Der zweite Name wurde inspiriert von einer Postkarte aus Asien, die zufällig im Aufnahmestudio hing. Die dritte Platte ist nun mal die dritte Platte und wie sollte sie anders heißen als Römisch Drei, nur, dass die "I"s nicht in Großlettern, sondern klein geschrieben sind. Miike Snow schreibt man ja Miike Snow und nicht MIIke Snow - ihr seht: es macht alles so wahnsinnig viel Sinn und wirkt irre durchdacht.

Auch was den neuen Klang der Platte angeht, auf den wir bereits eingegangen sind: Der ist eher soulig. Warum? Weil momentan jeder dieses Elektro-Pop-Ding durchzieht, das Miike Snow damals unter anderem gestartet haben und warum sollten Miike Snow dort weitermachen, wo sie aufgehört haben, wenn sie doch dort fortsetzen könnten, wo noch kaum einer ist? Eben.

Jedoch sollte man sich nicht nur unseren Lieblingstonträger zu Gemüte führen, auch die bereits im Vorfeld veröffentlichte Remix EP zum Track "Genghis Khan" ist ein Ohrenschmaus - gerade die Edits von Yacht und Empress Of.

Tracklist: Miike Snow - iii

01. My Trigger

02. The Heart Of Me

03. Genghis Khan

04. Heart Is Full

05. For U (feat. Charli XCX)

06. I Feel The Weight

07. Back Of The Car

08. Lonely Life

09. Over And Over

10. Longshot (7 Nights)

11. Heart Is Full (feat. Run The Jewels)

iii von Miike Snow ist am 04. März via Atlantic/ Warner Music erschienen.

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