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Lieblingstonträger: James Blake - The Colour in Anything

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Vor anderthalb Jahren kündigte er ein neues Album an, ein ganzes Jahr darauf hört man kaum was mehr von ihm, dann haut er das Teil einfach mitten in der Nacht raus - James Blake hat nicht verlernt, mit unseren Gefühlen zu spielen.

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Solltet ihr froh darüber sein, dass ihr es so einigermaßen gut gelaunt durch den Winter geschafft habt, ohne großes Winterdepressions-Trara, müssen wir euch jetzt leider enttäuschen: James Blake hat sein neues Album veröffentlicht, mit dem er es auch bei über 20 Grad und Sonnenschein hinbekommt, das Bedürfnis in einem zu wecken, sich in eine Decke einzumummeln und bitterlich zu flennen. Die gute Nachricht daran: Keiner nimmt euch so einfühlsam an die Hand beim Traurigsein wie James Blake, weswegen das Ganze auch weniger einen zerstörerischen, sondern viel mehr einen kathartischen Charakter hat.

Klanglich schmiegt sich The Colour in Anything prima an den Sound seines Vorgängers, Overgrown (2013). Diese sanfte Stimme begleitet von Piano, langsamen Beats, Synths und ordentlich Bass - Dubstep in leise, sagten dazu ja viele, was heute kaum mehr zutrifft. Dafür sind die Blake'schen Klänge schlichtweg zu sanft und die Texte noch einen Ticken eisiger geworden. So gibt sich der Londoner auf The Colour in Anything recht kaltherzig:

But in my heart there's a radio silence going on.

Eine besondere Perle auf dem Album ist "I Need a Forest Fire", das von Bon Iver gefeaturt wird. Justin Vernons Vibrato geht dabei direkt unter die Haut und lässt alle Haarfollikel aufploppen - bei dem Song bekommt man Gänsehaut wie blöd. Insgesamt hat Vernon bei zwei Tracks lyrics-technisch mitgeholfen. Verstärkung hat sich James Blake zudem noch von Frank Ocean geholt, bei dem der Blätterwald seinerseits stark am Rascheln ist, dass da bald wieder ein neues Album kommen könnte. Auf The Colour in Anything zumindest wirkte er bei "My Willing Heart" als Co-Autor mit.

Als ob James Blake es geplant hatte, wurde The Colour in Anything genau zu dem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem sich das Wetter in ganz Europa dazu entschied, nach einem schüchternen Frühlingsstart den Sommer einfach zu überspringen und plötzlich wieder ganz arg herbstlich zu sein - der Himmel grau, die Füße nass, welche Konditionen wären besser für ein neues Album von James Blake? Premiere feierten die neuen Songs "I Need a Forest" zusammen mit "My Willing Heart" und "Radio Silence" also vor gut anderthalb Wochen Abend bei Annie Macs BBC Radio 1 Show. In diesem Zuge verriet er auch den Albumtitel und die Tatsache, dass die Platte um Mitternacht Londoner Zeit (also 01:00 Uhr bei uns) veröffentlicht wird. Klar, dass wir uns da die Wecker stellen mussten - es geht doch schließlich nichts darüber, sich zurück in den Schlaf zu heulen.

Gut, ganz so überraschend und aus dem Nichts kam The Colour in Anything dann auch wieder nicht. Ein paar Tage vor dem Release tauchten in London und New York Murals vom 83-jährigen Illustrator Quentin Blake auf (nicht mit James verwandt).

Zu sehen ist dabei nicht nur das Cover an sich, sondern die visuelle Umsetzung vom letzten Track des Albums, "Meet You in the Maze", bei dem Blake den Klang auf Auto-Tune und Stille reduziert - wenn der Klang verstummt und man mit den Kopfhörern fest in den Gehörgang gepresst für kurze Zeit nur das eigene Blut rauschen und das Herz schlagen hört: Das ist ebenso unerträglich wie simpel wunderschön. Wir wären dann jetzt gerne etwas alleine mit unserem Lieblingstonträger der Woche.

Tracklist: James Blake - The Colour in Anything
01. Radio Silence
02. Points
03. Love Me in Whatever Way
04. Timeless
05. F.O.R.E.V.E.R.
06. Put That Away and Talk to Me
07. I Hope My Life (1-800 Mix)
08. Waves Know Shores
09. Choose Me
10. I Need a Forest Fire (feat. Justin Vernon)
11. Noise Above Our Heads
12. The Colour in Anything
13. My Willing Heart
14. Two Men Down
15. Modern Soul
16. Always
17. Meet You in the Maze

The Colour in Anything von James Blake wurde am 06. Mai 2016 via Polydor veröffentlicht.

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