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Lieblingstonträger: Grizzly Bear - Painted Ruins

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Wer hätte gedacht, dass die vier Jungs aus dem New Yorker Stadtbezirk Brooklyn früher oder später einmal erwachsen werden? Die neue Grizzly Bear-Platte klingt auf jeden Fall ganz danach.

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Vor ein paar Jahren war die Band Grizzly Bear noch die Pipi Langstrumpf unter den Indie-Rock-Bands. Verrückte Melodien, gewitzte Arrangements, ständig auf Tour und dann noch dieser flauschige Tiername obendrauf. 2012 wurden sie dann auch mit Erfolg belohnt. Mit ihrem Album Shields schafften sie den Sprung auf Platz 7 der Charts des Billboard-Magazins.

Seit dem feierten sich Christopher Bear, Chris Taylor, Daniel Rossen und Ed Droste von einem Backstage-Bereich zum Nächsten und machten sich die Welt wie sie ihnen gefällt. Sie konnten gar nicht genug bekommen vom kunterbunten Musikerleben.

Doch dann, plötzlich Stille. Zwei lange Jahre nichts. Das ganze Touren war zu viel des Guten. Die Bandmitglieder brauchten alle ein bisschen Abstand, ein geregeltes Privatleben und das Gefühl irgendwo zu Hause zu sein - Sänger Ed Droste beispielsweise meldete sich wegen Taylor Swift von Twitter ab, disste Trump-Supporter und setzte sich dafür für Bernie Sanders ein, Bassist und Produzent Chris Taylor widmete sich dem Kochbuchschreiben, Sänger und Gitarrist Dan Rossen wiederum dem Imkern und Drummer Chris Bear schrieb unter anderem den Soundtrack zur HBO Serie High Maintenance.

Painted Ruins ist das Ergebnis dieser Entschleunigung. Die Band achtete auch während des Schreibens und Produzierens darauf gelassener und bewusster an die Sache heran zu treten. Jeder Idee wurde mit Respekt begegnet. Das typische „Bis 4 Uhr morgens im Studio sitzen" wurde in konzentriertes und produktives Arbeiten verwandelt.

Ein bisschen gestört in ihrem kreativen Miteinander fühlten sich Grizzly Bear jedoch durch Donald Trumps Wahlsieg. Kurz danach Postete die Band auf ihrer Facebook-Seite:

This election is a validation of sexism, racism, homophobia, xenophobia, transphobia.....this isn't who we are. We love y'all, but the hate our country voted for is TRULY saddening.

Es folgte ein hässlicher Shitstorm der trumptreuen User. Doch Grizzly Bear beließ es bei dieser einen Aussage, beendete das Zähne fletschen und schrieb stattdessen neue Songs. Die Kritik von außen schweißte sie jedoch noch mehr zusammen.

Der Titel des neuen Albums ist dabei sehr passend - Painted Ruins, bemalte Ruinen. Grizzly Bear versucht den Makel zu überpinseln und knallige Farbe auf die bröckelnde Fassade zu streichen. Denn manchmal muss man sich selbst einfach einreden, dass doch eigentlich alles gut ist, um nicht den Verstand zu verlieren.

Trotzdem ist Painted Ruins keine politische Platte. Die Songs konzentrieren sich textlich auf das Gefühl Verloren zu sein, auf Heimatlosigkeit, Einsamkeit und die üblichen zwischenmenschlichen Verwirrungen.

Nur ihrem Sound haben Grizzly Bear einen neuen Anstrich verpasst. Die elf Songs sind verdammt raffiniert komponiert. Opulent und doch zart und zurückhaltend, stilvoll und irgendwie ganz chaotisch. Der typische Mix aus traditionellen und elektronischen Instrumenten wird ergänzt mit mehrstimmigen Gesang und ein bisschen schwermütiger Melancholie.

Der dritte Song des Albums "Four Cypresses" beschreibt den neuen Grizzly Bear Sound vielleicht am besten. Ein einsamer Keyboard-Ton, der immer und immer wiederkehrt wie das Ticken einer Uhr. Leise, aber immer lauter werdend, schiebt sich das Schlagzeug zwischen die monotonen Töne.

Der Beat ist verwirrend und klingt improvisiert. Eine beinahe hypnotische Magie legt sich über diesen Song, der man sich nur schwer entziehen kann. Gitarrist Daniel Rossen hat "Four Cypresses" geschrieben und erzählt dabei die Geschichte eines Obdachlosen, der in der Einfahrt eines Hauses in Los Angeles wohnt.

Das fünfte Studioalbum von Grizzly Bear ist voll mit schwebendem, kunstvollem Indie-Pop. Und wir sind froh darüber, dass die vier Jungs beschlossen haben die rote Pippi Langstrumpfperücke in den Schrank zu packen und erwachsen zu werden, denn Painted Ruins ist definitiv einen echter Lieblingstonträger.

Tracklist: Grizzly Bear - Painted Ruins
1. Wasted Acres
2. Mourning Sound
3. Four Cypresses
4. Three Rings
5. Losing All Sense
6. Aquarian
7. Cut-Out
8. Glass Hillside
9. Neighbors
10. Systole
11. Sky Took Hold

Painted Ruins von Grizzly Bear wurde am 18. August 2017 via Rca Int. (Sony Music) veröffentlicht.

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