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Lieblingstonträger: The Kills - Ash & Ice

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Nach einer halben Dekade kündigten The Kills ein neues Album an, knapp drei Monate später ist das Teil auch schon draußen. Lederjacken und Blondierungen dürften damit wieder schwer bekommen zu sein.

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Doch auch wenn fünf Jahre zwischen dem letzten Album Blood & Pressure und Ash & Ice liegen, ist keine Woche vergangen, in der wir sie nicht mindestens einmal irgendwie gehört hätten. Schließlich sind Songs von The Kills Garanten dafür, sich instant kühn zu fühlen, wenn man es auf die Schnelle mal eben gebraucht hat. Grund dafür sind nicht nur die harten Rhythmen, gerade das Auftreten der Bandmitglieder im Hinterkopf reicht. Alison Mosshart und Jamie Hince - das sind verdammte Ikonen und das lassen sie auch auf der neuen Platte bestens raushängen.

Gerade "Doing it to Death" befriedigt dieses Bedürfnis nach etwas Hochnäsigkeit bestens, während es auf Ash & Ice trotzdem auch Songs gibt, die eher dem Gegenteil zu Gute kommen: einfach mal etwas nachdenklich, gar melancholisch sein. "Echo Home" ist da beispielsweise so eine Nummer, die sogar mit einigen elektronischen Elementen daher kommt und sogar etwas an The xx erinnert. Die etwas verlorene, nein, schlichtweg in Trance wirkende Gitarre motiviert den Zuhörer zu nachdenklichen Blicken aus dem Fenster. Übertroffen wird dies noch von dem von Piano begleiteten Song "That Love", der an Hinces baldige Ex-Frau Kate Moss gerichtet sein soll.

Dass The Kills wiederum auch diskotauglich sind, beweisen sie mit dem treibenden "Let It Drop" und ganz besonders mit "Hard Habit to Break", der doch glatt nach etwas experimentellem New Wave und sehr viel 80er klingt. Aber keine Sorge: Ash & Ice ist kein blöder Versuch von The Kills, nun auch auf dieses Pop-Ding aufzusteigen. Schrammige Tracks gibt es genug. Sehr nackt und sehr an den früheren Garage-Rock von The Kills erinnernd ist beispielsweise "Hum For Your Buzz".

Bei derart viel Emotion und aufrichtigen Gedanken, die im Album stecken, wundert es einen fast, dass Hince und Mosshart offiziell nie was miteinander gehabt haben sollen, auch wenn es diverse Klatschblätter gerne mal behaupten und es sogar einen ganzen Blog für jene Spekulation gibt (die Scheidung zwischen Hince und Kate Moss kommt da nur recht).

Tatsächlich wäre die Gründungsgeschichte von The Kills auch perfekter Filmstoff à la John Carney (Once). Nur eben nicht ganz so schnulzig und am aller wichtigsten: wahrer. Mosshart war damals, Anfang der 00er Jahre, mit ihrer damaligen Punk-Band Discount auf Tour und nächtigte zufällig in dem Hotel in London, in dem auch Hince gerade wohnte. Die Sängerin hörte ihn eines nachts Gitarre spielen, wurde neugierig und klopfte gleich mal an der Tür. Daraus entwickelte sich erst eine Jam-, anschließend eine Brieffreundschaft, in der sich Mosshart und Hince gegenseitig Songfetzen und Ideen für Melodien schickten, und schließlich eine richtige Band. Ab 2003 wurde dann durchschnittlich alle drei Jahre ein neues Album veröffentlicht, sodass The Kills mit Ash & Ice auf fünf Werke zurückblicken können.

Dass The Kills nie wirklich von unseren Playlisten verschwunden sind, liegt allerdings auch daran, dass sie gefühlt nie wirklich inaktiv waren. Gerade Mosshart war innerhalb der letzten fünf Jahre ziemlich gut dabei, erst 2015 veröffentlichte sie mit ihrer Supergroup The Dead Weather - einem Konglomerat aus Jack White, Queens of the Stone Age, The Kills und The Raconteurs - ein neues Album. 2014 schauten The Kills außerdem bei ein paar Festivals vorbei, wie dem Super Bock Super Rock Festival in der Nähe von Lissabon.

Dort musste Hince schon mit einem Finger weniger spielen, aufgrund eines blöden Unfalls: Hince quetschte sich die linke Hand richtig übel in einer Autotür ein und musste deswegen eine musikalische Zwangspause einlegen. Nach mehreren Handoperationen und dauerhaft verminderter Beweglichkeit eines Fingers musste er das Gitarrespielen neu lernen - eben mit einem Finger weniger. Die durch die körperliche Einschränkung bedingte Pause nutze er für eine Reise durch Russland: mit der transsibirischen Eisenbahn quer durchs Land auf der Suche nach neuen Songideen. Dabei entstanden ist unter anderem die dritte Single-Auskopplung des Albums, "Siberian Nights". Stellt man sich im Takt zur Melodie ein rhythmisches Tsch-tsch-tsch, Tsch-tsch-tsch vor, ist die Inspirationsquelle vorm geistigen Auge sogar ziemlich prägnant.

Des einen Crux, des anderen Muse. Zur gleichen Zeit saß Alison Mosshart nämlich in Nashville und schrieb ebenfalls an neuen Songs - hinter dem Steuer, manchmal sogar in voller Fahrt, wie sie im Interview mit Arte Tracks verriet. Ihr Vater sei Gebrauchtwagenhändler, erzählt sie außerdem. Da hat sie schon als kleineres Kind eine besondere Beziehung zu den Maschinen aufgebaut und auch heute noch fährt sie die fettesten Karren. Zu sehen ist dies beispielsweise im Video der zweiten Single-Auskopplung "Heart Of a Dog".

Nachdem Lyrics und erste Klanggerüste also unabhängig voneinander gebastelt wurden, verzogen sich die beiden in ihre Studios in Los Angeles und New York. Jamie Hince produzierte die Songs, holte sich aber ein wenig Hilfe von John O'Mahony (Metric, The Cribs), Tom Elmhirst (Arcade Fire) und Tchad Blake (The Black Keys, Arctic Monkeys). Das Resultat ist nun eine irre gut produzierte Platte, was fast auch ein bisschen das Manko ist, zumindest wenn man auf den ein oder anderen Musikkritiker hört. Ash & Ice sei zu sauber, hört man da wirklich ein paar Leute sagen. Aber gut, recht machen kann man es eh nie allen.

Tracklist: The Kills - Ash & Ice
01 Doing It To Death
02 Heart Of A Dog
03 Hard Habit To Break
04 Bitter Fruit
05 Days Of Why And How
06 Let It Drop
07 Hum For Your Buzz
08 Siberian Nights
09 That Love
10 Impossible Tracks
11 Black Tar
12 Echo Home
13 Whirling Eye

Ash & Ice von The Kills wurde am 3. Juni via Domino Records veröffentlicht.

Hier könnt ihr die CD kaufen.

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