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Beiträge von Anna Lindener

Lieblingstonträger: Justice - Woman

(0) Kommentare | Veröffentlicht 4. Dezember 2016 | (20:56)

Lange Wartezeit, Geheimniskrämerei, Justice haben es ihren Fans nicht leicht gemacht. Doch auch Frustfans müssen anerkennen: Auf dem neuen Album ist für jeden was dabei.

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Justice is back to save electronic music
...so lautete einer der Kommentare unter einem Facebook-Post des französischen Duos...
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Lieblingstonträger: Hundreds - Wilderness

(0) Kommentare | Veröffentlicht 4. Dezember 2016 | (20:47)

Woltersdorf - eine ländliche Idylle aus weitläufiger Heidelandschaft, Wiesen, Natursteinhäuschen, Feldwegen. Und hinter den massiven, kühlen Mauern eines dieser Häuser spielt Eva ihrem Bruder etwas auf dem Klavier vor und singt dazu. Und das klingt dann ungefähr so:

Genau, wir sprechen von den Hundreds - hier mit "Our Past" von ihrem letzten Album Aftermath. Die beiden Geschwister genießen die Ruhe auf dem Land, doch die Abgeschiedenheit von der Großstadt hört man dem, was die beiden meist aus einer auf dem Klavier umgesetzten ersten Idee entwickeln, überhaupt nicht mehr an.

Das wollen Eva und Philipp auch gar nicht; von ihrer Bandgeschichte ist kaum etwas bekannt, da ihre Musik keiner künstlich gezogenen Verbindungen zu ihrer Biografie bedarf.

Andererseits - dass bei einem Geschwisterpaar keine Anekdote über die Bandgründung kursiert, ist ja auch nicht so verwunderlich. Dass es seinen Anfang auf irgendwelchen Familienfeiern nahm liegt nahe, auch dass da etwas langsam gewachsen ist - es gab eine Zeit, da hat Eva Bob Marley gehört und Philipp Funk.

Aber die beiden sind wieder aufeinander zu getrieben, und zu ihrem Durchbruch gibt es dann doch eine Geschichte zu erzählen: Eva macht bis Anfang 2010 in einem Kindergarten Musik mit Kindern.

In der Kneipe nebenan, in der sie immer ihre Mittagspause verbringt, schließt sie Bekanntschaft mit dem Wirt, der sie wiederum mal bei einem Konzert erlebt hat und dann bittet, doch auch mal in seinem Laden zu spielen.

So soll es sein - und unter den Zuhörern, die sich gegenseitig auf den Füßen stehen, lässt sich auch jemand vom Hamburger Label Sinnbus die Zehen quetschen. Daraus wird, trotz der mittelmäßigen Technik der semi-professionellen Location, die Erfolgsgeschichte der Hundreds.

Jetzt ist mit Wilderness das dritte Album der Hundreds draußen. Das Cover wirft Fragen auf: ist das die Nahaufnahme einer im Wachsen begriffenen Pflanze? Oder etwas Kaputtes, zerbrochenes? Und gleichzeitig hat man trotzdem das Gefühl, dass es den Titel des Albums doch genau trifft. Es versteht sich irgendwie von selbst. Und so ist das auch mit ihrer Musik.

Die Hundreds sind bekannt für die eindrucksvolle Atmosphäre, die sie mit Licht und Klang auf der Bühne kreieren. Doch das ist keine Inszenierung, sondern eher eine Stütze für die Bilder, die die Fantasie beim Hören sowieso hervorbringt. Wenn noch nie eine Bühnenshow von Eva und Philipp gesehen hat und beim Hören ihrer Songs die Augen schließt, sieht man sie genau vor sich. Man könnte sagen: Die zwei Musiker drücken sich sehr präzise aus, und das ohne ausschweifende Lyrics.

Der erste Titel "Wilderness" ist keine Einladung, sondern eine Drehtür, die uns zielstrebig in eine Halle schleust, und die ist nicht sonderlich gut beleuchtet.

No letters left inside my mouth, I spit and swallow pain.

Vielleicht ist genau das der Anfangspunkt der Geschichte von Wilderness, der Punkt, an dem Worte allein nicht mehr ausreichen, und man könnte sich tatsächlich einbilden, dass sich genau an der Stelle des Songs die Erleichterung am Horizont abzeichnet: Es geht schon besser. Also ab dafür und rein ins Album.

Mit dem zweiten Titel "Bearer&Dancer" nehmen wir Fahrt auf. Wieder erstaunt die anschauliche Umsetzung des Inhalts: erst das Weglaufen vor Veränderung im routinierten Schritt des eingängigen Beats, und dann: der musikalische Bruch mit der Einsicht: „All null and void, yet fertile soil". Schon bricht genau dort, auf fruchtbarem Boden, der erste Keim durch, das Musikstück wird scheinbar ein komplett neues, nur das schwache Echo der Worte aus der ersten Hälfte erinnern noch an diese. Jetzt klingt Optimismus an.

Ähnlich starke Parallelen zwischen Wort und Klang erwarten uns auch im schwingenden, schwer federnden, zielstrebigen Un-Unify („Bye bye, I, Iam gonna learn to fight"), oder wenn sich Unfold wörtlich entfaltet, aus dem All kommend scheinbar, um dann direkt vor unseren Füßen zu Landen. Und dann betrachten wir die Überbleibsel: "What Remains" - „The impact you had was a deep one, my guts yor buffet to feast on"

In "Black Sea" kann der aufmerksame Hörer ein Seefahrerepos heraushören: Eva singt vom Segel setzen, vom Aufbrechen nach sieben Jahren Krieg und das Klavier zieht uns unmerklich in einen verspielten, plätschernden Triolenrhythmus, auf dem elektrolastig und hart getaktet der Bug des im Aufbruch begriffenen Schiffs schwimmt. Wie die Fahrt endet? Wissen wir nicht.

Denn schon sind wir mitten in "Spotless", in dem es um Macht geht, es wird die Geschichte der Königin erzählt, getragen von unbeugsamen Beats, aber selbst dieses Thema bleibt nicht einseitig beleuchtet im Raum stehen. Am Ende: „Look, I'll be over / how can I keep my golden crown?".

Hundreds liefern das Booklet mit allen Songtexten zum Album dazu, und wer sich die Zeit nimmt, sich durchzuhören und zu -lesen, dem wird die Musik nicht nur ins Ohr gehen, sondern auch wie Schuppen von den Augen fallen. Vertonte Geschichten wie die obigen findet man genauso in "Lily", "Wind in the Pines" und "Take it Down". Beim Erzählen wird eine riesige Klangskala zwischen konventionellen Klavier- oder Gitarrensaiten und nicht verortbaren Elektrosounds abgedeckt.

Man möchte diese Sprache fast plakativ nennen, wenn es tatsächlich eine Sprache und nicht in Wahrheit ungleich schwieriger wäre, Botschaften in Klang umzusetzen. So ist das Album schlichtweg: treffend. Durchdacht. Wer sich darauf einlässt, den regt Wilderness zum Mitdenken an, bis der letzte Titel "Picking Pieces" schließlich einfach so auströpfelt, die Musik verschwindet und lässt uns zurück mit unserem eigenen Gedankenkram.

Tracklist: Hundreds - Wilderness

01 Wilderness
02 Bearer & Dancer
03 Un-Unify
04 Unfolded
05 What Remains
06 Black Sea
07 Spotless
08 Lily
09 Wind In The Pines
10 Take It Down
11 Picking Pieces

Bonus CD

01 Give In Get Out
02 Spotless (Robot Koch Remix)
03 Un-Unify (Foxos Rework)
04 Wilderness (Vacation Boys Nightshift Remix)
05 Lily (Florian Wienczny Remix)
06 State Of Luck


Wilderness von Hundreds wird am 4. November 2016 via Sinnbus veröffentlicht.

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Lieblingstonträger: James Vincent McMorrow - We Move

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Wir bewegen uns. Nicht nur rein physisch, sondern auch geistig. Und das ständig: Ständig reflektieren...

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Lieblingstonträger: Glass Animals - How To Be A Human Being

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Die Glass Animals hauen mit ihrem zweiten Album ein geniales Konzeptalbum raus. Wie manch ein Spielehersteller sagen würde: Rätselspaß für die ganze Familie.

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Frontmann Dave Bayley musste sich zu Schulzeiten des Öfteren anhören, dass er geistig stets im La La Land abhängt. Das...

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Lieblingstonträger: Roosevelt - Roosevelt

(0) Kommentare | Veröffentlicht 27. August 2016 | (19:21)

Lange Wartezeit, hohe Ansprüche, vollste Zufriedenheit. Roosevelt ist nicht aus der Ruhe zu bringen und liefert sein Debütalbum genau im richtigen Moment.

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Wo bleibt das Album? Zum egoFM Fest Anfang April hatte Lola die Gelegenheit, Roosevelt diese Frage zu stellen. Seine Antwort fällt gelassen aus. O-Ton: "Ich weiß nicht, wann es kommt, aber ich werde mir keinen Stress machen und wenn es kommt, wird es gut." Jetzt ist es da, und es ist gut. Es trägt den Namen des Künstlers und zeichnet seine Geschichte. Wir spulen auf Anfang und zeichnen nach.

Intro. Etwas baut sich auf. Es rückt aus dem Nichts in den Vordergrund und nimmt Fahrt auf, kommt in Schwung. Im Hintergrund die Gegenschwingung, eine Vibration, die immer langsamer wird. Wir befinden uns in Roosevelts Kindheit, bei den musikalischen Anfängen. Marius Lauber aus Viersen an der holländischen Grenze unternimmt erste Versuche am Klavier, gefolgt von Gitarrenstunden in der 5. Klasse - weil plötzlich alle Schulfreunde ein Instrument in der Hand halten. Ein Interesse an Musik und ein Gespür für Harmonien vibrieren da schon immer irgendwo, die Herangehensweise bleibt experimentell und der Lernrhythmus unbeständig.

Auf dem Album Roosevelt mischen sich am Ende der anderthalbminütigen Ouvertüre die gegenläufigen Ströme zu einem weichen, pulsierenden Klangteppich, dem der erste Track "Wait Up" entwächst. Es ist der letzte Song, der fertiggestellt wurde; uns bringen die End-70er-California-Discosounds in Roosevelts Jugend, der bisher noch Marius ist. Mit 16 haben die Schulfreunde genug Erfahrung gesammelt, um eine Freizeitband zu gründen, die zwei Jahre später den Namen Beat! Beat! Beat! erhält und reif für die Öffentlichkeit wird. Und plötzlich überrollt der Erfolg die vier Jungs - auf die Debüt-EP Stars folgt ein Jahr später das erste Album Lightmares. Der New Musical Express lässt die Bezeichnung „die deutsche Antwort auf die Foals" fallen, die an den 18-Jährigen hängt wie ein Untertitel zum Bandnamen - in goldenen Buchstaben.

"Wait Up" hallt mit fast genau denselben Klängen aus wie das Intro. Und im Lebenslauf von Marius schließt sich ein Kreis an einem Punkt, an dem andere Musiker den Schleudersitz erst aktivieren. Denn da summt noch musikalische Energie, die genutzt werden will. Der Abnabelungsprozess von der Indierockband beginnt, der erste Schritt als Solomusiker wird gedacht.

Auf dem, was einige Jahre später sein Debütalbum werden soll, sind wir inzwischen bei "Night Moves" angelangt. Eine Ode an das Nachtleben, wie der heutige Roosevelt sagt. Mehr Beat, mehr Drive, und eine Singstimme, deren Widerhall von Betonwänden voller Graffiti hin- und hergeworfen wird.

Inzwischen macht Marius sein eigenes Ding. Natürlich vermisst er die Bandzeiten manchmal. Aber es gab einfach zu viel, was ausprobiert werden wollte, zu viele dringende Ideen, die der Demokratie einer Band aus vier Freunden zum Opfer fielen. "Belong" begrüßt uns als nächstes auf der Platte und spielt fernab der Indie-Tradition unter anderem mit Laserkanonen- und Drumsounds aus den 80ern. "Moving On" verdankt seine Individualität vor allem dem völlig unerwarteten, kecken Saxophon auf den letzten Metern. Es ist der Bruch mit der Tradition, das Puzzleteil, das lang gesucht und schließlich in einer ganz anderen Schachtel gefunden wurde. Marius kämpft lange mit dem halb fertigen Song, bis die zweite Hälfte zu ihm findet. Als Antwort auf die zuvor gestellte Frage, wie der Künstler selbst sagt. Was entsteht, ist ein ausgefeilter, vielschichtiger Song, eine vertonte Geschichte, deren Wendepunkt zu Marius' euphorischsten Momenten auf der Bühne und auf dem Album werden soll.

Marius wird klar, dass er sich auch alleine trauen kann, Roosevelt schält sich heraus. Die Beat! Beat! Beat! Vergangenheit verschmilzt mit Einflüssen der Kölner Elektroszene und dem ganz eigenen Output zu Songs, die die persönliche Roosevelt-sprache sprechen. Herzensangelegenheiten von Marius. Wir sind bei "Heart" angelangt.

Dann der Karrieredurchbruch - und da sind sie auch auf dem Album: "Sea" - der Song, der auf YouTube Joe Goddard von Hot Chip auffällt, und "Colours", in das wir uns sofort verlieben. Roosevelt sagt über sich selbst, er spiele alle Instrumente, aber alle schlecht. Gleichzeitig beweist er, dass es nicht nur die Technik an den Saiten oder den Sticks ist, die einen guten Song ausmacht, sondern eben die Komposition der eventuell simplen Einzelteile zu einem neuartigen, komplexen und doch abgerundeten Ganzen. Dabei kann er auf zwei Dinge vertrauen: die Fähigkeit, abwarten zu können bis eine Idee gereift ist und die Gabe, genau diesen Moment zu erkennen, wenn er da ist. Beinahe wie der Hund im Video zum Song "Sea", der instinktiv den Weg zum Meer findet und dort dann erst mal stehen bleibt, um die Eindrücke in sich aufzunehmen.

In Marius' Leben ist mit "Sea" der Stein ins Rollen gekommen. Die ersten Singles werden auf einem englischen Label veröffentlicht und somit erschließt sich sofort auch Publikum im Ausland. Auf dem Album folgt der Instrumentaltrack "Daytona", der den Song "Fever" vorbereitet.
"Daytona" erinnert an das Intro, 2 Minuten 53 um tief Luft zu holen, abzutauchen und den Kopf abzukühlen. Jetzt nichts überstürzen, lautet die Botschaft, und auch in Roosevelts Karriere sind wir an diesem Punkt angekommen: Die erste Tour bestreitet er mit gerade mal vier Songs. Aber anstelle von Starallüren sind da Vernunft und Gelassenheit: Jetzt erst mal die Notbremse ziehen und das Album fertig machen. Beim Songwriting schließt er immernoch die Augen und wartet, bis die Musik zu ihm findet. Und keine Angst vor ehrlichem Feedback: Menschen, die sich im Club zu Songs wie "Fever" bewegen, versichern ihm, dass Roosevelt auf dem richtigen Weg ist.

Inzwischen sind wir im Jetzt angekommen. "Hold On" ruft eindeutige Assoziationen zu Totally Enormous Extinct Dinosaurs hervor, ist aber weniger aufgekratzt. Mit dem Dinosaur tourte er schon 2012. Aber anstatt nach dem musikalischen Senkrechtstart abzuheben, hat er sich seine Gelassenheit nicht nur bewahrt, sondern professionalisiert. Er beschreibt sich selbst als zurückhaltend, euphorisch und laut - und er kann auch mal jemand anderem zuhören als sich selbst: Manchmal spielt er Schlagzeug und hört gleichzeitig über In-ear-Kopfhörer Hörbücher. Dem brauchen wir eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Auch auf dem Album sind wir beim letzten Titel: "Close". Hauchend und gedankenverloren schwimmt der Song in den Kopf und füllt ihn aus. Er knüpft an an das Intro und den Instrumentaltrack in der Mitte und bringt das Album ungezwungen, aber auch unweigerlich zum Ende. Doch in den letzten Sekunden stolpert plötzlich der Rhythmus. Drei Tropfen jenseits der bisherigen Tonart und des Takts stellen alles in Frage: War das wirklich der Schluss?

Roosevelt reitet gerade auf der Welle, tritt mühelos an einem Tag zwischen zwei Rockbands auf und gibt am nächsten den Live-Act vor DJ Koze. Jetzt ist es da, sein Debütalbum. Nicht zu früh und nicht zu spät. Mit dem inzwischen vertrauten Frontalportrait auf dem Cover, ein lässiger Blick. Aufs Wesentliche gerichtet. Das war nicht der Schluss. Eher: Vorhang auf, let the show begin.

Tracklist: Roosevelt - Roosevelt
01 Intro
02 Wait Up
03 Night Moves
04 Belong
05 Moving On
06 Heart
07 Colours
08 Sea
09 Daytona
10 Fever
11 Hold On
12 Close

Roosevelt von Roosevelt erschien am 19. August 2016 via Universal.

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