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Beiträge von Anna Lindener

Lieblingstonträger: Mura Masa - Mura Masa

(0) Kommentare | Veröffentlicht 29. Juli 2017 | (22:23)

Drei Jahre lang haut der aktuell 21-jährige Bub aus dem britischen Guernsey munter einen Banger nach dem anderen raus - nun gibt es das erste richtige Debüt zu bewundern. Ein Fazit will also gemacht werden: War der Hype berechtigt?

Im Gegensatz zur realen Welt, also der, die sich abseits von Metaphern erstreckt, ist in der musikalischen nichts einfacher, als auf einen Hype-Zug aufzuspringen. Erst recht wenn dieser derart Tempo hat, dass es dem Stoiber Freudentränen in die Augen treiben würde und sowieso, wenn Passagiere wie NAO, A.K. Paul, Jamie Lidell und Damon Albarn transportiert werden, die ebenfalls allesamt Höchstes vom Lokführer halten - auch wenn dieser seinen Führerschein gar nicht mal so arg lang hat. Dementsprechend schnell schaffte es Alex Crossan aka Mura Masa mit ein paar Demos die Aufmerksamkeit massenhaft vertrauensvoller Fans und Musikerkollegen auf sich zu ziehen. Das nächste große Ding, sagt man da gerne, und dabei sind sich dann plötzlich immer alle ganz eigentümlich einig.

Und recht haben sie ja auch alle. Mura Masas Songs sind einwandfrei produziert und die Handschrift des Elektrofricklers trotz variierender Features stets klar lesbar. Auch die Kunst, Fieldrecordings in das Klanggerüst zu verweben, ohne dass es lieblos reingeklatscht klingt, beherrscht der 21-Jährige bestens, wie er es in Songs wie "Messy Love", in dem es blubbert, und "Second 2 None", in dem es regnet, unter Beweis stellt.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Der Nie-zuvor-gehört-Faktor wird dann allerdings doch von ein paar Wiedererkennungsmerkmalen getrübt, was ja an sich nichts Schlechtes ist. Eigentlich ist es sogar richtig schön, dass man nicht unbedingt an Sehnsucht zu Totally Enormous Extinct Dinosaurs eingehen muss - dessen Geist kann man, wenn man wirklich will, nämlich fabelhaft in Mura Masas "Messy Love" raushören. Der folgende "Nuggets" wiederum lindert ein wenig den Schmerz darüber, dass sich Azealia Banks in letzter Zeit eher negativ dargestellt hat (rassistische Kommentare, vehementer Trump-Support, grundloses Beschimpfen von Kolleginnen) - das Feature des Tracks, Bonzai, knallt einen gnadenlos guten Flow hin, dass man die andere dabei sogar ganz einfach vergisst.

Anschließend nimmt das Album einen Geschmack an, der an eine Zeit erinnert, in der Bubble-Tea-Läden ähnliche Überhand genießen durften wie Trap-Elemente im Pop von heute - ein pappsüßes, leicht plastisches Lebensgefühl entfaltet sich. Aber vielleicht ist es das ja, die aufrichtige Vertonung eines ganz normalen Lebens 2.0(17). Vielleicht klingt es für die meisten ja tatsächlich genau so. Wie schön das sein muss. Glatt poliert, makellos, ein bisschen rosa, alles bounct. Einfach perfekt, doch alles andere als befriedigend.

Mehr zum Thema: Lieblingstonträger: Lana Del Rey - Lust For Life

Aber dann: Plottwist! Es war alles nur eine Farce, wie der gewiefte Mura Masa mit dem Supertalent ab "NOTHING ELSE" zeigt. Der geliebte Soulist Jamie Lidell macht den Start eines hervorragenden Endes: Von nun an übernimmt treibende Melancholie und rettet Mura Masas Album aus der Einhornzuckerwattenhölle. In "Helpline" entblößt sich der noch unbekannte und ungesignte Tom Tripp als Überraschungsliebling des ganzen Werkes. Ebenso begeistern Christine & The Queens, A.K. Paul sowieso und gekrönt wird das Ganze mit Damon Albarns Gastauftritt. Was für eine Kehrtwende. Was für ein Geniestreich! Nun muss man es doch zugeben: die hatten alle Recht. Der Hype ist real.

Tracklist: Mura Masa - Mura Masa
01. Messy Love
02. Nuggets (feat. Bonzai)
03. Love$ick (feat. A$AP Rocky)
04. 1 Night (feat. Charli XCX)
05. All Around The World (feat. Desiigner)
06. Give Me The ground
07. What If I Go? (feat. Bonzai)
08. Firefly (feat. Nao)
09. NOTHING ELSE! (feat. Jamie Lidell)
10. Helpline (feat. Tom Tripp)
11. Second 2 None (feat. Christine & The Queens)
12. Who Is It Gonna B (feat. A. K. Paul)
13. Blu (feat. Damon Albarn)

Mura Masa von Mura Masa wurde am 14. Juli 2017 via Polydor veröffentlicht.

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Lieblingstonträger: Lana Del Rey - Lust For Life

(0) Kommentare | Veröffentlicht 29. Juli 2017 | (20:46)

Auf dem Cover ihres neuen Albums zeigt uns Lana Del Rey ein absurd strahlendes Lächeln, dass man getrost misstrauisch sein kann: Legt die schmollende Königin des Melancholiepops einen Imagewechsel hin?

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Ganz so drastisch ist es nun nicht, denn obwohl Lana Del Rey...

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Lieblingstonträger: Faber - Sei ein Faber im Wind

(0) Kommentare | Veröffentlicht 16. Juli 2017 | (18:38)

Alleine für die satte, hausgemachte Instrumentalbegleitung hätte es sich gelohnt, die Plattenpresse anzuschmeißen. Dazu kommen Texte mit einem lachenden, einem weinenden und einem zwinkernden Auge - fertig ist ein richtig starkes Debütalbum.

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"Suche Wohnung im Stadtgebiet von Zürich. Kriterien: Bezahlbar. Dach sollte vorhanden...

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Lieblingstonträger: Klyne - Klyne

(0) Kommentare | Veröffentlicht 16. Juli 2017 | (18:34)

Die Familie des trendigen Neo-R'n'B um HONNE, Harrison Brome und Fyfe erlebt mit Klyne eine signifikante Erweiterung - dass auch ihnen ein guter Hype bevorsteht beweist das niederländische Duo nun mit dem Debütalbum.

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Wenn man es wirklich darauf anlegt, könnte man hinter dem...

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Lieblingstonträger: Portugal. The Man - Woodstock

(0) Kommentare | Veröffentlicht 26. Juni 2017 | (23:56)

Die Welt ist ein einziger Haufen von brennendem Giftmüll gebettet auf Rattenmist - sagen zumindest Portugal. The Man. Ihre Lösung fürs Dilemma: Kauf das neue Album! Es rettet uns nicht nur alle, es ist auch noch großartig! Sagen zumindest Portugal. The Man ebenfalls.

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Lieblingstonträger: Kraftklub - Keine Nacht für Niemand

(0) Kommentare | Veröffentlicht 26. Juni 2017 | (23:53)

Die eigene Biografie ist fertig erzählt, jetzt sind Kraftklub in Berlin und wenden sich neuen Dingen zu: Keine Nacht für Niemand ist einerseits eine Hommage an Künstler, die die fünf Chemnitzer prägten, und andererseits eine Sammlung kleiner musikalischer Charakterstudien.

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Nach den ersten beiden...

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Lieblingstonträger: alt-J - RELAXER

(0) Kommentare | Veröffentlicht 26. Juni 2017 | (23:46)

Gewaltsames Puzzeln statt Gefälligkeit: So klingt RELAXER, das dritte Album von alt-J. Und das ist - wie jede gute Kunstausstellung - nicht immer einfach, aber schön.

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Mit RELAXER erschien am 2. Juni das lang ersehnte dritte Studioalbum des englischen Trios alt-J. Formen, die...

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Lieblingstonträger: Claire - Tides

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. Juni 2017 | (01:43)

Mit dem zweiten Album liefern die Münchner eine detaillierte Bestandsaufnahme des heutigen Elektro-Pops ab: Clever wird dieser zerlegt, reflektiert, zitiert und weitergedacht.

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Der Titel des Albums, Tides, hält sein Versprechen auf bemerkenswert vielen Ebenen, dass man sich als Hörer die tiefere Symbolik beliebig...

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Lieblingstonträger: Little Dragon - Season High

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. Juni 2017 | (01:42)

Das neue Album der Schweden wirkt wunderbar als Antidot zu Frust über musikalischen Einheitsbrei. Die simple Ursache: Little Dragon sind fast ignorant in ihrer Art und Weise, derzeitige Trends zu ignorieren.

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Wenn eine Band etwas eigenes, unvergleichbares kreieren will, driftet es gerne mal...

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Lieblingstonträger: Kasabian - For Crying Out Loud

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. Juni 2017 | (01:37)

Wenn eine ironische Band wie Kasabian vor Release verkündet, die neuen Songs sollten GItarrenmusik wieder auf Vordermann bringen - dann kann man ja schon misstrauisch sein.

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Was man nämlich auf For Crying Out Loud statt ausgeklügelten Gitarrenriffs - zunächst - eher hört: klassische...

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Lieblingstonträger: Ásgeir - Afterglow

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. Juni 2017 | (01:35)

Eine Reise nach Island kann so billig sein - lediglich um die zehn Euro und 59 Minuten muss man dafür blechen. Weitere Voraussetzungen: Gute Kopfhörer und die Fähigkeit, in Melancholie und Zartheit nicht einzugehen.

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Der schüchterne Singer/Songwriter Ásgeir beschäftigt uns schon seit einigen...

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Lieblingstonträger: The Kooks - The Best Of... So Far

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. Juni 2017 | (01:33)

Hesse und Buddha sind tot und damit ist auch das Folgen der Philosophie, im Hier und Jetzt zu leben, irgendwie hinfällig - super Voraussetzung für die Kooks, nach gerademal 13 Jahren Bandgeschichte ein Best Of-Album zu veröffentlichen, das einen in die glorreichen Zeiten des Indies zurückwirft.

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Lieblingstonträger: Marteria - Roswell

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. Juni 2017 | (01:29)

Vor acht Jahren verkaufte er 80 Tickets im Vorverkauf und drei an der Abendkasse, heute frisst ihm die Fangemeinde aus der Hand. Marteria hat allen Grund zur Gelassenheit. Und das hört man auch auf seinem neuen Album.

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Im Jahr 2009 ging Marteria zum...

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Lieblingstonträger: Dear Reader - Day Fever

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. März 2017 | (21:15)

Für ihr fünftes Studioalbum hat sich die südafrikanische Künstlerin ein ganz besonderes Instrument für üppigen Klang ausgesucht: Minimalismus. Und das wirkt sich ganz schön ordentlich aufs Gemüt aus.

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Dabei ist es wirklich faszinierend, wie unterschiedlich Musik aufgenommen werden kann. Von Gefühl zu Gefühl...

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Lieblingstonträger: Bilderbuch - Magic Life

(0) Kommentare | Veröffentlicht 1. März 2017 | (21:07)

In einer Zeit, in der der Massenhumor "vong Geistigkeit her" nicht besonders strotzt, wirkt der ausgeklügelte Bilderbuch-Trash wie Balsam auf dem Hirn - und macht sogar fast noch mehr Spaß als beim letzten Album.

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Dabei wird Magic Life allgemein eher kritisch beurteilt. Es...

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Lieblingstonträger: Childish Gambino - "Awaken, My Love!"

(0) Kommentare | Veröffentlicht 11. Dezember 2016 | (15:49)

Solltet ihr akut an Spät-90er-Nostalgie leiden, hat Childish Gambino das richtige Album veröffentlicht. Als besonderes Goodie gibt's sogar noch ein bisschen Deine Mudder-Humor aus den 00ern oben drauf.

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Solltet ihr bereits eingefleischte Fans sein, spoilern wir einmal nonchalant: auf seinem dritten Album rappt...

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Lieblingstonträger: Justice - Woman

(0) Kommentare | Veröffentlicht 4. Dezember 2016 | (19:56)

Lange Wartezeit, Geheimniskrämerei, Justice haben es ihren Fans nicht leicht gemacht. Doch auch Frustfans müssen anerkennen: Auf dem neuen Album ist für jeden was dabei.

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Justice is back to save electronic music
...so lautete einer der Kommentare unter einem Facebook-Post des französischen Duos...
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Lieblingstonträger: Hundreds - Wilderness

(0) Kommentare | Veröffentlicht 4. Dezember 2016 | (19:47)

Woltersdorf - eine ländliche Idylle aus weitläufiger Heidelandschaft, Wiesen, Natursteinhäuschen, Feldwegen. Und hinter den massiven, kühlen Mauern eines dieser Häuser spielt Eva ihrem Bruder etwas auf dem Klavier vor und singt dazu. Und das klingt dann ungefähr so:

Genau, wir sprechen von den Hundreds - hier mit "Our Past" von ihrem letzten Album Aftermath. Die beiden Geschwister genießen die Ruhe auf dem Land, doch die Abgeschiedenheit von der Großstadt hört man dem, was die beiden meist aus einer auf dem Klavier umgesetzten ersten Idee entwickeln, überhaupt nicht mehr an.

Das wollen Eva und Philipp auch gar nicht; von ihrer Bandgeschichte ist kaum etwas bekannt, da ihre Musik keiner künstlich gezogenen Verbindungen zu ihrer Biografie bedarf.

Andererseits - dass bei einem Geschwisterpaar keine Anekdote über die Bandgründung kursiert, ist ja auch nicht so verwunderlich. Dass es seinen Anfang auf irgendwelchen Familienfeiern nahm liegt nahe, auch dass da etwas langsam gewachsen ist - es gab eine Zeit, da hat Eva Bob Marley gehört und Philipp Funk.

Aber die beiden sind wieder aufeinander zu getrieben, und zu ihrem Durchbruch gibt es dann doch eine Geschichte zu erzählen: Eva macht bis Anfang 2010 in einem Kindergarten Musik mit Kindern.

In der Kneipe nebenan, in der sie immer ihre Mittagspause verbringt, schließt sie Bekanntschaft mit dem Wirt, der sie wiederum mal bei einem Konzert erlebt hat und dann bittet, doch auch mal in seinem Laden zu spielen.

So soll es sein - und unter den Zuhörern, die sich gegenseitig auf den Füßen stehen, lässt sich auch jemand vom Hamburger Label Sinnbus die Zehen quetschen. Daraus wird, trotz der mittelmäßigen Technik der semi-professionellen Location, die Erfolgsgeschichte der Hundreds.

Jetzt ist mit Wilderness das dritte Album der Hundreds draußen. Das Cover wirft Fragen auf: ist das die Nahaufnahme einer im Wachsen begriffenen Pflanze? Oder etwas Kaputtes, zerbrochenes? Und gleichzeitig hat man trotzdem das Gefühl, dass es den Titel des Albums doch genau trifft. Es versteht sich irgendwie von selbst. Und so ist das auch mit ihrer Musik.

Die Hundreds sind bekannt für die eindrucksvolle Atmosphäre, die sie mit Licht und Klang auf der Bühne kreieren. Doch das ist keine Inszenierung, sondern eher eine Stütze für die Bilder, die die Fantasie beim Hören sowieso hervorbringt. Wenn noch nie eine Bühnenshow von Eva und Philipp gesehen hat und beim Hören ihrer Songs die Augen schließt, sieht man sie genau vor sich. Man könnte sagen: Die zwei Musiker drücken sich sehr präzise aus, und das ohne ausschweifende Lyrics.

Der erste Titel "Wilderness" ist keine Einladung, sondern eine Drehtür, die uns zielstrebig in eine Halle schleust, und die ist nicht sonderlich gut beleuchtet.

No letters left inside my mouth, I spit and swallow pain.

Vielleicht ist genau das der Anfangspunkt der Geschichte von Wilderness, der Punkt, an dem Worte allein nicht mehr ausreichen, und man könnte sich tatsächlich einbilden, dass sich genau an der Stelle des Songs die Erleichterung am Horizont abzeichnet: Es geht schon besser. Also ab dafür und rein ins Album.

Mit dem zweiten Titel "Bearer&Dancer" nehmen wir Fahrt auf. Wieder erstaunt die anschauliche Umsetzung des Inhalts: erst das Weglaufen vor Veränderung im routinierten Schritt des eingängigen Beats, und dann: der musikalische Bruch mit der Einsicht: „All null and void, yet fertile soil". Schon bricht genau dort, auf fruchtbarem Boden, der erste Keim durch, das Musikstück wird scheinbar ein komplett neues, nur das schwache Echo der Worte aus der ersten Hälfte erinnern noch an diese. Jetzt klingt Optimismus an.

Ähnlich starke Parallelen zwischen Wort und Klang erwarten uns auch im schwingenden, schwer federnden, zielstrebigen Un-Unify („Bye bye, I, Iam gonna learn to fight"), oder wenn sich Unfold wörtlich entfaltet, aus dem All kommend scheinbar, um dann direkt vor unseren Füßen zu Landen. Und dann betrachten wir die Überbleibsel: "What Remains" - „The impact you had was a deep one, my guts yor buffet to feast on"

In "Black Sea" kann der aufmerksame Hörer ein Seefahrerepos heraushören: Eva singt vom Segel setzen, vom Aufbrechen nach sieben Jahren Krieg und das Klavier zieht uns unmerklich in einen verspielten, plätschernden Triolenrhythmus, auf dem elektrolastig und hart getaktet der Bug des im Aufbruch begriffenen Schiffs schwimmt. Wie die Fahrt endet? Wissen wir nicht.

Denn schon sind wir mitten in "Spotless", in dem es um Macht geht, es wird die Geschichte der Königin erzählt, getragen von unbeugsamen Beats, aber selbst dieses Thema bleibt nicht einseitig beleuchtet im Raum stehen. Am Ende: „Look, I'll be over / how can I keep my golden crown?".

Hundreds liefern das Booklet mit allen Songtexten zum Album dazu, und wer sich die Zeit nimmt, sich durchzuhören und zu -lesen, dem wird die Musik nicht nur ins Ohr gehen, sondern auch wie Schuppen von den Augen fallen. Vertonte Geschichten wie die obigen findet man genauso in "Lily", "Wind in the Pines" und "Take it Down". Beim Erzählen wird eine riesige Klangskala zwischen konventionellen Klavier- oder Gitarrensaiten und nicht verortbaren Elektrosounds abgedeckt.

Man möchte diese Sprache fast plakativ nennen, wenn es tatsächlich eine Sprache und nicht in Wahrheit ungleich schwieriger wäre, Botschaften in Klang umzusetzen. So ist das Album schlichtweg: treffend. Durchdacht. Wer sich darauf einlässt, den regt Wilderness zum Mitdenken an, bis der letzte Titel "Picking Pieces" schließlich einfach so auströpfelt, die Musik verschwindet und lässt uns zurück mit unserem eigenen Gedankenkram.

Tracklist: Hundreds - Wilderness

01 Wilderness
02 Bearer & Dancer
03 Un-Unify
04 Unfolded
05 What Remains
06 Black Sea
07 Spotless
08 Lily
09 Wind In The Pines
10 Take It Down
11 Picking Pieces

Bonus CD

01 Give In Get Out
02 Spotless (Robot Koch Remix)
03 Un-Unify (Foxos Rework)
04 Wilderness (Vacation Boys Nightshift Remix)
05 Lily (Florian Wienczny Remix)
06 State Of Luck


Wilderness von Hundreds wird am 4. November 2016 via Sinnbus veröffentlicht.

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Lieblingstonträger: Peter Doherty - Hamburg Demonstrations

(0) Kommentare | Veröffentlicht 4. Dezember 2016 | (19:33)

Diesen Freitag veröffentlicht Peter Doherty sein wahnsinnig gefühlvolles, zweites Solo-Album. Die Challenge dabei: Hört die Platte komplett durch, ohne einen dicken fetten Kloß im Hals zu bekommen. Wir sind gescheitert.

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In diesem Internet gehen gerade verstärkt Listen rum, die die besten Indie-Hymnen der...

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Lieblingstonträger: Lewis Del Mar - Lewis Del Mar

(0) Kommentare | Veröffentlicht 20. Oktober 2016 | (19:12)

Was habt ihr schon in eurem Schlafzimmer produziert, außer einer versifften Matratze? Lewis Del Mar für ihren Teil haben eines der besten Alben dieses Jahres dort gebastelt.

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Mit ihrer Musik übersetzen Lewis Del Mar vom Rockaway Beach nicht nur ihren Wohnort, der das...

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