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Buch oder E-Book - egal, der Inhalt zählt!

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Ich war immer eine Leseratte! Ich habe als Kind ganze Weihnachtsfeste in eine Ecke verzogen mit meinen neuen Büchern verbracht und als Studentin manche Vorlesung, aber auch so manchen Clubbesuch verpasst, weil ich ein spannendes Buch las. Und dann kam die Geburt meiner Tochter. Ich las damals "Fall of Giants" von Ken Follet und es war das letzte Buch (abgesehen von juristischer Literatur) für die nächsten 3 Jahre. Nicht weil das Buch so schlecht gewesen wäre, sondern schlicht und einfach, weil ich zu faul war. Zu faul, zu ausgelaugt, zu newsabhängig. Wie oft nahm ich mir vor, zu lesen, und wie oft fand ich mich im Internet auf der Suche nach Neuigkeiten, nach interessanten Artikeln. Natürlich habe ich gelesen, jedoch war es kein wirkliches LESEN. Es war nicht der entspannende Akt des Eintauchens in eine Geschichte und auch nicht das konzentrierte Lernen und Aufnehmen bei einem Sachbuch. Es war ein hektisches Sammeln von oberflächlichen Informationen, verbunden mit einem sofortigen Abbruch, wenn man feststellt, dass der Artikel mehr als 3 Minuten der kostbaren Zeit in Anspruch nimmt.

Und eines Abends stolperte ich über einen Artikel, der genau dieses, fast schon an Sucht grenzende Verhalten untersuchte, und mich zutiefst getroffen hatte. Ich, der Bücherwurm habe seit 3 Jahren kein Buch mehr einfach nur so gelesen! Ich habe es mir vorgenommen, habe Bücher oder den Kindle mit in den Urlaub genommen und dann doch keine Seite gelesen. Ich hatte monatelang ein Buch auf dem Nachttisch, in der Hoffnung, es zu lesen, aber über kurz oder lang war es verschwunden unter einem Berg von Babytüchern, Spielzeug und einem Sammelsurium an Kopfhörern und Ladekabel. Aber damit war nach diesem Artikel Schluss. Ich nahm mir das erste Buch, dass mir in die Hände fiel, der erste Teil von Deborah Harkness' "All Souls Trilogy", einem Weihnachtsgeschenk von vor 4 Jahren und begann zu lesen. Mein abendliches im Internet surfen wurde ersetzt durch lesen, und ich fühlte und fühle mich immer noch großartig dabei. Mein Geist ist wieder wacher und ich schlafe besser. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man in ein Buch eintaucht, Teil der Geschichte wird, der Geist sich komplett darauf einlassen kann und dadurch entspannt oder sich mit Informationen zuschüttet, ohne sich selbst den Gefallen zu tun, die Informationen zu verarbeiten.

Die ersten beiden Bücher hatte ich als richtige Bücher, das dritte habe ich mir über die Kindle App auf mein Telefon geladen. Und festgestellt, wie toll das ist! Ich kann, egal wo ich bin, lesen. Beim Arzt im Wartezimmer, bei Gericht, wenn ich warten muss, im Auto, egal wo ich bin, mein Buch ist dabei, und das, ohne dass ich daran denken muss, mein Buch mit zu nehmen. Ich werde echte Bücher immer lieben, und ich will auch meine Bibliothek nicht missen, doch die E-Books haben ihre Vorteile und als pragmatisch denkender Mensch ist der Vorteil nicht von der Hand zu weisen! Für die meisten Menschen ist das Telefon ein fast schon untrennbarer Bestandteil. Wir haben es immer und überall dabei. Mein Buch oder meinen Kindle kann ich vergessen, mein Telefon ist immer mit dabei. Und ich habe alle meine Bücher dabei! Ich habe auf meinem winzigen Telefon 100+ Bücher. Nicht, dass ich diese alle immer brauche, aber es besteht doch die Möglichkeit, und das ist ein tolles Gefühl.

Ich wäre wohl sehr traurig, wenn es keine richtigen Bücher mehr gäbe. Und mit meinen Kindern lese ich natürlich richtige Bücher. Aber ich denke auch, man muss hier mit der Zeit gehen. Und es sprechen sowohl finanzielle als auch umweltrelevante Aspekte dafür. Denn wenn ich überlege, wie viele zerfledderte Taschenbücher von mir in Hotels oder an Flughäfen ihr Leben lassen mussten, dann bin ich definitiv ein besserer Kandidat für E-Books.

Im Ergebnis wird wohl jeder selbst für sich entscheiden müssen, ob er oder sie ein Buch oder E-Book-Mensch ist. Ich bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass es mir egal ist. Mir geht es beim Lesen darum, den Inhalt aufzunehmen, egal in welcher Form er dargereicht wird. Ich hänge auch nicht an den guten alten Zeiten und verdamme Fortschritt. Bücher sind toll, aber ein Buch ist am Ende trotzdem hauptsächlich das Gefäß, in dem die Geschichte dahinter angeboten wird.

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