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Demografischer Wandel - Wie reagieren die Arbeitgeber?

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Ein Unternehmen hat primär ein übergeordnetes Ziel: Gewinne erzielen - durch Kostensenkung und Produktivitätssteigerung. Um dieses Ziel zu erreichen, spielt die Ressource Mensch einen wichtigen Faktor - nicht nur in der möglichst geringen Mitarbeiterzahl, um kostengünstig zu arbeiten, sondern vor allem auch die entsprechenden Arbeitsbedingungen, um die Produktivität der Arbeitnehmer zu gewährleisten.

Denn nur ein gesunder und produktiver Mitarbeiter verhilft einem Unternehmen zum Erfolg. Der unaufhaltsame demografische Wandel verstärkt diese Notwendigkeit. In diesem Kontext kann das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) dem Unternehmer weitreichende Vorteile bringen - die Fitnessbranche nimmt hierbei eine zentrale Rolle ein.

Der demografische Wandel als Herausforderung für die Betriebe

Der demografische Wandel stellt nicht nur die Politik vor eine riesige Aufgabe. Auch für die Unternehmen in Deutschland ist die Entwicklung der Bevölkerung von höchster Wichtigkeit, hat doch die Bevölkerungsstruktur einen prägenden Einfluss auf die Struktur der Erwerbstätigen. Schon heute sind Meldungen über einen bevorstehenden und akuten Fachkräftemangel eher die Regel als die Ausnahme.

Ebenso wird bei der Mehrzahl der Unternehmen ein drastischer Anstieg des Durchschnittsalters der Beschäftigten nicht mehr zu vermeiden sein. Doch wie reagieren die Betriebe auf diese Entwicklung und welche Rolle spielt die Fitnessbranche dabei?

Der Wandel der betrieblichen Gesundheitspolitik

Die betriebliche Gesundheitspolitik war in der Vergangenheit primär darauf ausgerichtet, den Einfluss negativer Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz auf die Mitarbeiter zu reduzieren und das Risiko einer Gesundheitsschädigung auszuschließen. Der Schutz der Mitarbeiter vor Arbeitsunfällen und die Vermeidung von Berufskrankheiten standen bei den Unternehmen im Fokus, um Fehlzeiten sowie daraus resultierende Produktionsausfälle minimieren zu können.

Diese Sichtweise war dabei ein relativ eng gefasstes Gesundheitsverständnis, das die Gesundheit ausschließlich als Abwesenheit von Krankheit definierte.

Durch den wirtschaftlichen Wandel und damit verbunden die Entwicklung der Industriestaaten hin zum Dienstleistungssektor in der Erwerbsarbeit, verändern sich auch die Anforderungen und Belastungen der Arbeitnehmer. Das hat zu einem tiefgreifenden Umdenken in der betrieblichen Gesundheitspolitik geführt, die sich im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten zu einem ganzheitlichen Gesundheitsförderungskonzept entwickelt hat.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in der Praxis

Eine Befragung von deutschen Industriebetrieben, durchgeführt von der Universität Trier, gibt einen Einblick in den Status Quo des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. In der durchgeführten Befragung wurde ermittelt, dass fast die Hälfte (46 %) aller befragten Unternehmen Präventionsleistungen anbieten. Dabei zählen neben Schutzimpfungen und ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung auch Rückenprogramme dazu.

Betriebliche Gesundheitsmaßnahmen aus dem Bereich Sport und Bewegung werden dabei durchschnittlich von 19,5 % der Betriebe angeboten. Unter den Angeboten sind Kooperationen mit Fitness-Studios (34 %) die am häufigsten genannten. Einen betriebsinternen Fitnessraum haben dagegen nur 6 % der befragten Betriebe.

Bei der Frage, welche Maßnahmen und Leistungen im Betrieb eine gute Beteiligung unter den Mitarbeitern erfahren, gaben 40 % der Befragten Bewegungspausen bzw. Bürogymnastik an. Der Betriebssportverein bzw. die Betriebssportstätten werden von 27 % der Mitarbeiter genutzt. Weiterhin meinen 22 %, dass die Kooperation mit Fitness-Studios von den Mitarbeitern gern in Anspruch genommen wird.

Am wenigsten wird in dieser Maßnahmenkategorie der eigene Fitnessraum genutzt (14 %). Dabei würde ein Anteil von 27 % die Einführung einer Kooperation mit Fitness-Studios unterstützen. Als am wenigsten wünschenswerte Neueinführungen werden der Betriebssportverein bzw. die Betriebssportstätten angesehen. Lediglich 9 % der Befragten sehen hier dringlichen Bedarf.

Bei der zusammenfassenden Betrachtung der Angebote sind insbesondere die Betriebssportvereine bzw. -sportstätten und die Kooperationen mit Fitness-Studios zu nennen, da diese den höchsten Verbreitungsgrad besitzen.

Beurteilung zum aktuellen Stand des BGM

Die Studie der Universität Trier kommt zu dem Ergebnis, dass das idealtypische Betriebliche Gesundheitsmanagement unter Betrachtung der wichtigen Kriterien strategische Steuerung und Ganzheitlichkeit in der Mehrheit der Fälle nur unzureichend erfüllt sind. Die strategische Steuerung geht nur selten von der höchsten Managementebene aus und kann deshalb das BGM auch nur schwierig in die Gesamtstrategie des Betriebs einbetten.

Dies ist jedoch wünschenswert für ein wirkungsvolles BGM. Auch die Ganzheitlichkeit ist lediglich bei einem Viertel der Betriebe gegeben. Demnach liege es an den Betrieben, dem BGM einen größeren Stellenwert einzuräumen und die Maßnahmen zu erweitern bzw. ein breiteres Angebot zu liefern.

Es wird von einem Missverhältnis zwischen den angebotenen Maßnahmen und Leistungen und dem Bedarf der Mitarbeiter hingewiesen. Dies könnte ein möglicher Grund für die relativ geringe Akzeptanz bzw. den geringen Wissensstand der Mitarbeiter über die BGM-Maßnahmen sein. Weitere Gründe sind möglicherweise eine verfehlte Informations- und Kommunikationspolitik.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie lassen vermuten, dass die Betriebe aktuell eine Vielzahl von Möglichkeiten ungenutzt lassen, um die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu verbessern und langfristig zu erhalten. Dennoch haben eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Betrieben sehr positive Ansätze und Beispiele dafür, wie ein gutes Betriebliches Gesundheitsmanagement aussehen kann.

Vor allem die großen Betriebe sind den kleineren hierbei tendenziell voraus. Dass finanzielle Ressourcen hierfür u.a. die Ursache sind, ist offensichtlich.

Wichtig wird in Zukunft sein, dass sowohl bei den Arbeitgebern, als auch bei den Arbeitnehmern ein Bewusstsein für die Wichtigkeit und Unerlässlichkeit gesundheitsfördernder Maßnahmen im Rahmen von BGM geschaffen werden. Gerade der geringe Stellenwert in den Betrieben und die oftmals niedrige Beteiligung durch die Mitarbeiter decken hier große Defizite auf.

Damit besteht noch ein riesiges Potenzial für die Etablierung von BGM in Betrieben. Die Fitnessbranche hat dabei die Aufgabe aufzuklären, die Wichtigkeit und den Nutzen der Maßnahmen zu kommunizieren und dadurch dabei zu helfen, die noch vorhanden Defizite in den Betrieben zu überwinden.

Fakten zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement
- Sowohl die Akzeptanz des BGM als auch der Wissensstand darüber sind in den Betrieben eher gering bis durchschnittlich ausgeprägt.
- Je länger ein Betrieb existiert, umso höher ist der Stellenwert des BGM.
- In großen Betrieben sind sowohl mehr Akteure als auch mehr Instrumente an der Umsetzung des BGM beteiligt.
- Nur rund jeder achte Betrieb nutzt Anreizsysteme, um die Beteiligung der Mitarbeiter an BGM-Maßnahmen zu steigern.
- Die überwiegende Mehrheit der Betriebe verfügt bisher noch nicht über ein BGM, welches das Kriterium der Ganzheitlichkeit erfüllt.
- In lediglich jedem fünften Betrieb geht die strategische Steuerung des BGM von der Geschäftsführung aus.
- Präventionsleistungen werden in den Betrieben am häufigsten angeboten.
- Je höher die Qualifikation der Mitarbeiter, umso sensibler sind diese für Themen des BGM. Dies zeigt sich durch eine bessere Partizipation, eine höhere Akzeptanz und durch mehr Wissen.
- Größere Betriebe bieten nicht nur mehr Maßnahmen und Leistungen an, sondern auch qualitativ hochwertigere.

Quellen:
- Universität Trier - Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in der Praxis
- Continentale-Studie 2013: Betriebliches Gesundheitsmanagement aus Sicht der Arbeitnehmer - was wird geboten, gewünscht und genutzt

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