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Ein Psychologe erklärt, warum manche Menschen sympathischer wirken

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Kniel Synnatzschke via Getty Images
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Zu viele Menschen unterliegen dem Irrtum, dass Sympathie durch natürliche Eigenschaften entsteht, die man nicht einfach erlernen kann und die nur ein paar glücklichen Menschen vorbehalten sind - den gutaussehenden, geselligen und unglaublich talentierten von uns. Es ist leicht, auf diesen Trugschluss hereinzufallen.

Wenn ich vor kleineren Gruppen spreche, frage ich sie oft, wer die sympathischsten Menschen sind, mit denen sie je zusammengearbeitet haben. Unweigerlich ignorieren die Leute angeborene Charakteristika (Intelligenz, Extrovertiertheit, Attraktivität und so weiter) und konzentrieren sich stattdessen auf Qualitäten, die absolut kontrollierbar sind - wie Zugänglichkeit, Bescheidenheit und eine positive Einstellung.

Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz sind erfolgreicher

Diese Qualitäten und ähnliche beschreiben Menschen, die eine hohe emotionale Intelligenz besitzen (EQ). TalentSmart-Forschungsdaten von mehr als einer Million Menschen zeigen, dass Menschen, die diese Talente besitzen, nicht nur extrem sympathisch sind, sondern andere auch mit ihren Leistungen übertreffen.

90 Prozent der Top-Performer haben hohe EQs, Menschen mit hohen EQs verdienen 29.000 Dollar mehr im Jahr als Menschen mit niedrigen EQs und ein Anstieg des EQs um nur einen Punkt verbessert das Gehalt um 1.300 Dollar. Ich könnte noch lange so weitermachen.

Es unterliegt deiner Kontrolle, sympathisch zu wirken und es hat mit emotionaler Intelligenz zu tun. Anders als angeborene, festgelegte Eigenschaften wie deine Intelligenz (IQ), ist der EQ eine flexible Fähigkeit, die mit ein wenig Anstrengung verbessert werden kann.

Um dir zu helfen, deinen EQ zu verbessern, habe ich ein wenig gegraben und die Verhaltensweisen herausgesucht, die für Menschen mit hohem EQ typisch sind und die sie so sympathisch machen.

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1. Sie sind aufrichtig.

Aufrichtig und ehrlich zu sein, ist essentiell, um sympathisch zu wirken. Niemand mag eine Fälschung. Menschen werden von Persönlichkeiten angezogen, die aufrichtig sind, weil sie wissen, dass sie ihnen vertrauen können. Es ist schwer, jemanden zu mögen, wenn man nicht weiß, wer dieser Mensch wirklich ist und was er empfindet.

Sympathische Menschen wissen, wer sie sind. Sie sind selbstbewusst genug, um sich in ihrer Haut wohlzufühlen. Indem du dich darauf konzentrierst, was dich antreibt und was dich persönlich glücklich macht, wirst du zu einer viel interessanteren Person, als wenn du versuchst, andere mit Entscheidungen zu gewinnen, von denen du glaubst, dass sie dich beliebt machen.

2. Sie stellen aufmerksame Fragen.

Den größten Fehler, den Menschen beim Zuhören machen, ist, dass sie sich zu sehr darauf konzentrieren, was sie als nächstes sagen wollen, oder sich fragen, wie das, was die andere Person sagt, sie selbst betreffen könnte, dass sie nicht hören, was überhaupt gesagt wird. Die Worte kommen laut und klar heraus, aber die Bedeutung ist verloren gegangen.

Ein einfacher Weg, das zu vermeiden, ist, viele Fragen zu stellen. Die Leute mögen es, wenn man ihnen zuhört und etwas so einfaches wie eine Nachfrage zur Klarstellung zeigt, dass du nicht nur zuhörst, sondern dass es dir auch noch wichtig ist, was der andere sagt. Du wirst überrascht sein, wie viel Respekt und Anerkennung du gewinnen kannst, indem du einfach nur Fragen stellst.

3. Sie verurteilen nicht.

Wenn du sympathisch sein möchtest, musst du aufgeschlossen sein. Aufgeschlossen zu sein, macht dich für andere zugänglich und interessant. Niemand führt gerne ein Gespräch mit jemandem, der sich schon auf eine Meinung festgelegt hat und nicht bereit ist, zuzuhören.

Das ist am Arbeitsplatz entscheidend, denn dort bedeutet Zugänglichkeit auch Zugang zu neuen Ideen und Hilfe. Um vorgefertigte Meinungen und Urteile zu eliminieren, musst du die Welt durch die Augen von anderen Menschen betrachten.

Das heißt nicht, dass du glauben musst, was sie glauben oder dass du ihr Verhalten gutheißen musst, es heißt einfach nur, dass du dich mit deinem Urteil lange genug zurückhalten musst, um herauszufinden, wie die Menschen ticken. Nur dann kannst du sie sein lassen, wer sie sind.

4. Sie suchen nicht nach Aufmerksamkeit.

Menschen lehnen Personen ab, die dringend nach Aufmerksamkeit suchen. Du musst keine extrovertierte Persönlichkeit entwickeln, um sympathisch zu sein. Einfach freundlich und rücksichtsvoll zu sein, reicht, um Menschen für dich zu gewinnen.

Wenn du auf eine freundliche, selbstbewusste und präzise Weise sprichst, wirst du feststellen, dass Menschen viel aufmerksamer auf dich reagieren, als wenn du versuchst, ihnen zu zeigen, wie wichtig du bist. Die Menschen reagieren sehr schnell auf deine Haltung und sind von einer richtigen Einstellung viel eher zu überzeugen als davon, wie viele Leute du kennst.

Wenn du Aufmerksamkeit bekommst - zum Beispiel, wenn du für eine bestimmte Leistung gelobt wirst, solltest du den Fokus auf all die Menschen richten, die dir geholfen haben, dieses Ziel zu erreichen. Das mag nach einem Klischee klingen, aber wenn es aufrichtig ist, wird die Tatsache, dass du anderen Aufmerksamkeit schenkst und ihre Hilfe zu schätzen weißt, zeigen, dass du dankbar und bescheiden bist - zwei Adjektive, die eng mit Sympathie verknüpft sind.

5. Sie sind konsequent.

Wenige Dinge machen Menschen so unsympathisch wie inkonsequentes Verhalten. Wenn Menschen sich dir nähern, möchten sie gerne wissen, wen sie vor sich haben und welche Art von Antwort sie von dir erwarten können. Um konsequent zu sein, muss man verlässlich sein und du musst sicher stellen können, dass deine Stimmung keinen Einfluss darauf hat, wie du Menschen behandelst.

6. Sie benutzen positive Körpersprache.

Wenn du deine Gesten, Mimik und Stimmlage bewusst einsetzt (und sicherstellst, dass sie positiv sind), wirst du Menschen anziehen wie ein Picknick die Ameisen.

Ein enthusiastischer Tonfall, ungekreuzte Arme, Augenkontakt und Hinlehnen zu der Person, die spricht - Menschen mit hohem EQ benutzen all diese Formen von positiver Körpersprache, um andere anzuziehen. Es kann einen großen Unterschied in einem Gespräch machen.

Es ist wahr: Es kommt darauf an, wie du etwas sagst - und nicht, was du sagst.

7. Sie hinterlassen einen bleibenden ersten Eindruck.

Studien zeigen, dass die meisten Menschen sich in den ersten sieben Sekunden eines Gesprächs dafür entscheiden, ob sie dich mögen oder nicht. Danach verbringen sie innerlich den Rest der Konversation damit, ihre Entscheidung vor sich selbst zu rechtfertigen.

Das klingt erschreckend, aber wenn dir das bewusst ist, kannst du aus diesem Wissen Vorteile ziehen. Der erste Eindruck ist eng verbunden mit einer positiven Körpersprache. Mit einer straffen Körperhaltung, kräftigem Händeschütteln, gewinnendem Lächeln und einer offenen Schulterhaltung kannst du einen guten ersten Eindruck hinterlassen.

8. Sie grüßen die Menschen mit ihrem Namen.

Dein Name ist ein wichtiger Bestandteil deiner Identität und es fühlt sich großartig an, wenn Leute ihn benutzen. Sympathische Menschen nennen ihren Gesprächspartner immer beim Namen, wenn sie ihn treffen. Aber du solltest nicht nur die Namen sagen, wenn du jemanden begrüßt. Studien zeigen, dass Menschen sich bestätigt fühlen, wenn ihr Gesprächspartner sie während der Konversation beim Namen nennt.

Wenn du dir Gesichter gut merken kannst, aber keine Namen, dann mach dir daraus einen Spaß und betrachte es als Gedächtnisübung. Wenn dir jemand vorgestellt wird, dann hab auch keine Angst davor, ein zweites Mal nach dem Namen zu fragen, wenn du ihn vergessen hast. Du solltest dich nämlich an den Namen erinnern können, wenn du die Person das nächste Mal wiedersiehst.

9. Sie lächeln.

Menschen nehmen ganz natürlich (und unbewusst) die Körpersprache ihres Gegenübers wahr. Wenn du möchtest, dass andere dich sympathisch finden, lächle sie während des Gesprächs an und sie werden den Gefallen unterbewusst erwidern - und sich gut fühlen.

10. Sie wissen, wen sie berühren können (und sie tun es).

Wenn du jemanden während eines Gesprächs berührst, schüttet das Gehirn deines Gegenübers Oxytocin aus, einen Neurotransmitter, der dafür sorgt, dass derjenige dich mit Vertrauen und einigen anderen positiven Gefühlen in Verbindung bringt.

Eine einfache Berührung an der Schulter, eine Umarmung oder ein freundlicher Handschlag reichen aus, um Oxytocin auszuschütten. Natürlich musst du die richtige Person im richtigen Moment berühren, um das Oxytocin freizusetzen, denn ungewollte oder unangebrachte Berührungen haben den gegenteiligen Effekt.

Denk dran, Beziehungen werden nicht allein durch Worte aufgebaut, sondern auch durch allgemeine Gefühle zwischen den Menschen. Jemanden auf angebrachte Weise zu berühren, ist eine tolle Möglichkeit zu zeigen, dass die Person einem wichtig ist.

11. Sie finden das Gleichgewicht zwischen Leidenschaft und Spaß.

Menschen werden von Personen angezogen, die leidenschaftlich sind. Allerdings wirken leidenschaftliche Menschen schnell zu ernst oder desinteressiert, weil sie dazu neigen, sich in ihre Arbeit zu vertiefen. Sympathische Menschen schaffen es, Leidenschaft und Spaß auszubalancieren.

Bei der Arbeit sind sie seriös, aber freundlich. Sie schaffen viel, weil sie in kurzer Zeit sozial effizient sind und sie setzen auf wertvolle gesellschaftliche Momente. Sie begrenzen Smalltalk und Lästereien auf ein Minimum und konzentrieren sich auf bedeutsame Gespräche mit ihren Mitarbeitern. Sie wissen noch, was du gestern oder letzte Woche zu ihnen gesagt hast, was zeigt, dass du ihnen genauso wichtig bist wie ihre Arbeit.

Ich fasse alle Punkte noch einmal zusammen:

Sympathische Menschen sind wertvoll und einzigartig. Sie vernetzen sich mit Leichtigkeit, fördern Harmonie am Arbeitsplatz, bringen das Beste in jedem zum Vorschein und scheinen generell den meisten Spaß zu haben. Füge diese Fähigkeiten zu deinem Repertoire hinzu und beobachte, wie deine Sympathie-Werte steigen.

Bitte teilt eure Gedanken in den Kommentarspalten mit mir, denn ich lerne so viel von euch wie ihr von mir.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.

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