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So gehen intelligente Menschen mit den Idioten unter ihren Kollegen um

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TOXISCHE KOLLEGEN
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Toxische Menschen trotzen jeder Logik. Manche von ihnen haben überhaupt keine Ahnung, welch negativen Einfluss sie auf ihre Mitmenschen eigentlich ausüben, und wieder anderen scheint es eine regelrechte Genugtuung zu verschaffen, wenn sie Chaos erzeugen und die Knöpfe von anderen Menschen drücken können.

In beiden Fällen entstehen durch ihr Verhalten unnötige Schwierigkeiten, Konflikte und vor allem Stress.

Studien haben schon längst gezeigt, dass Stress sich nachhaltig negativ auf das Gehirn auswirken kann. Die Neuronen im Hippocampus können schon nicht mehr richtig arbeiten, wenn wir nur ein paar Tage unter Stress stehen - dieses wichtige Gehirnareal ist jedoch für logisches Denken und unser Erinnerungsvermögen zuständig.

Toxische Menschen setzen das Gehirn von anderen unter Stress

Mehrere stressige Wochen in Folge können zu Schäden an den neuronalen Dendriten (die kleinen "Arme", durch die Gehirnzellen miteinander kommunizieren) führen. Und monatelanger Stress kann Nervenzellen sogar dauerhaft zerstören. Außerdem ist Stress ein Hemmschuh für Erfolg - denn wenn wir den Stress nicht mehr in den Griff bekommen, leiden unser Gehirn und unsere Leistungsfähigkeit.

Die meisten Stressfaktoren im Job lassen sich leicht erkennen. Wenn du in einer Non-Profit-Organisation arbeitest und gerade versuchst, einen Zuschuss bewilligt zu bekommen, den dein Unternehmen dringend braucht, dann stehst du zwar unter Stress, du weißt jedoch auch, wie du damit am besten umgehst. Es gibt aber auch weniger offensichtliche Stressquellen, derer du dir zwar nicht bewusst bist, die dir jedoch am meisten schaden.

Aktuelle Studien des Lehrstuhls für Biologische und Klinische Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena haben ergeben, dass die untersuchten Gehirne auf äußere Reize, die starke negative Emotionen auslösen, mit enormem Stress reagieren.

Intelligente Menschen können sich toxische Menschen vom Leib halten

Diesen Reizen ist man auch im Umgang mit toxischen Menschen ausgesetzt. Indem sie sich negativ oder grausam verhalten, das Opfer spielen oder einfach komplett am Rad drehen, setzen toxische Menschen dein Gehirn komplett unter Stress - ein Zustand, den du um jeden Preis vermeiden solltest.

Die Fähigkeit, deine Emotionen zu kontrollieren und auch unter Druck ruhig zu bleiben, wirkt sich direkt auf deine Leistungsfähigkeit aus. Bei TalentSmart haben wir eine Studie mit über einer Million Menschen durchgeführt und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass 90 Prozent der Top-Mitarbeiter ihre Emotionen in stressigen Zeiten gut im Griff behalten und es dadurch schaffen, ruhig und kontrolliert zu bleiben.

Außerdem verfügen sie über die Gabe, toxische Menschen außer Gefecht setzen zu können. Besonders erfolgreiche Menschen haben wirksame Strategien parat, mit denen sie sich toxische Menschen vom Leib halten.

Es gibt zahlreiche Strategien, die erfolgreiche, intelligente Menschen im Umgang mit toxischen Menschen anwenden.
Wenn du es mit einem toxischen Menschen zu tun bekommst, solltest du ganz allgemein darauf achten, so viel Kontrolle wie möglich zu behalten und gleichzeitig die Dinge zu beenden, die du nicht beeinflussen kannst. Das Wichtigste ist, dass du dir dabei stets bewusst bist, dass du sehr viel mehr selbst in der Hand hast, als du vielleicht denkst.

Hier sind 12 Dinge, die intelligente Menschen tun, wenn sie auf eine solche Person beispielsweise in Form eines Kollegen treffen.

1. Sie setzen Grenzen (vor allem bei Nörglern)

Nörgler und negative Menschen sind deshalb so unangenehm, weil sie lieber Probleme wälzen als nach Lösungen zu suchen. Sie wollen, dass andere auf ihr Gejammer einsteigen, damit sie sich selbst wieder besser fühlen.

Viele Menschen fühlen sich verpflichtet, Nörglern zuzuhören, weil sie nicht gleichgültig oder unhöflich wirken wollen. Es gibt jedoch einen feinen Unterschied, ob man jemandem aus Mitgefühl sein Ohr leiht oder ob man sich in die emotionale Abwärtsspirale seines Gesprächspartners mit hineinziehen lässt.

Dies kannst du nur vermeiden, indem du Grenzen setzt und wenn nötig Abstand von deinem Gegenüber nimmst. Sieh es doch einmal so: Wenn der Nörgler rauchen würde, würdest du dann auch den ganzen Nachmittag dasitzen und den Passivrauch einatmen? Du würdest einfach gehen, und genau das solltest du auch bei Nörglern tun.

Grenzen kannst du zum Beispiel auch ganz einfach dadurch setzen, indem du den Nörgler fragst, wie er das Problem denn zu lösen gedenkt. Er wird auf diese Frage hin entweder den Mund halten oder das Gespräch in eine produktivere Richtung lenken.

2. Sie lassen sich von Auseinandersetzungen nicht aufreiben

Erfolgreiche Menschen wissen, wie wichtig es ist, sich nach einer Auseinandersetzung wieder aufzurappeln. Das gilt ganz besonders, wenn du es mit einem toxischen Menschen zu tun hast. Bei Konflikten kann es dir passieren, dass du die Kontrolle über deine Emotionen verlierst und dich auf Auseinandersetzungen versteifst, die dir extrem zusetzen.

Wenn du jedoch auf deine Gefühle hörst und auch auf sie reagierst, kannst du dir überlegen, auf welche Auseinandersetzungen du dich überhaupt einlassen solltest und du kannst deinen Standpunkt nur dann vertreten, wenn es dich wirklich weiterbringt.

3. Sie distanzieren sich von toxischem Verhalten

Toxische Menschen treiben dich mit ihrem irrationalen Verhalten komplett in den Wahnsinn. Zweifel nicht an dir selbst, denn das Verhalten von toxischen Menschen widerspricht tatsächlich jeglicher Vernunft. Doch warum reagierst du emotional so stark auf diese Menschen und wie schaffen sie es, dich so mitzureißen?

Je irrationaler und abgedrehter dein Gegenüber sich verhält, desto leichter sollte es dir fallen, sich seinen oder ihren Fängen zu entziehen. Hör auf, diese Menschen mit ihren eigenen Mitteln schlagen zu wollen.

Distanziere dich emotional von ihnen und beobachte ihr Verhalten, so als würdest du an einem wissenschaftlichen Projekt teilnehmen (oder als ob du ihr Psychotherapeut wärst, wenn dir dieses Bild besser gefällt). Du musst nicht auf ihr emotionales Chaos reagieren - konzentriere dich lediglich auf die Fakten.

4. Sie sind sich stets über die eigenen Gefühle im Klaren

Um dich emotional distanzieren zu können, musst du dir erst einmal über deine eigenen Gefühle klar werden. Diese Fähigkeit kannst du durch ein Training für die Emotionale Intelligenz fördern.

Du kannst einen anderen nicht davon abhalten, deine Knöpfe zu drücken, wenn dir gar nicht klar ist, was gerade passiert. In manchen Situationen musst du dich komplett neu ausrichten und dir überlegen, wie du am besten weiterkommst. Das ist vollkommen in Ordnung und du solltest dir die Zeit dafür unbedingt nehmen.

Sieh es doch mal so: Wenn dir auf der Straße ein geistig verwirrter Mensch begegnet und dir erzählt, dass er John F. Kennedy ist, dann würdest du ihm vermutlich nicht widersprechen.

Wenn dir also ein Kollege begegnet, der eine ähnlich verschrobene Sichtweise wie der Mann auf der Straße hat, dann ist es manchmal auch in dieser Situation am besten, einfach aufmunternd zu nicken und zu lächeln. Wenn du deinem Kollegen trotzdem Kontra geben musst, solltest du dir vorher eine Strategie zurechtlegen, wie du am besten mit der Situation umgehst.

5. Sie achten darauf, sich abzugrenzen

Die meisten Menschen achten bei diesem Punkt viel zu wenig auf sich selbst. Sie glauben, dass sie das Chaos nicht in den Griff bekommen können, weil sie mit der toxischen Person zusammenarbeiten oder zusammenleben. Das stimmt jedoch überhaupt nicht.

Wenn du es einmal geschafft hast, dich von einem anderen Menschen abzugrenzen, fällt es dir leichter, das Verhalten der jeweiligen Person zu durchschauen und zu verstehen. Dadurch wiederum kannst du rational darüber entscheiden, wann du dich mit einem Menschen auseinandersetzen musst und wann nicht.

Bloß weil du beispielsweise mit einem Kollegen bei einem Projekt eng zusammenarbeitest, bedeutet das nicht, dass du automatisch genauso viel Zeit mit ihm allein verbringen musst wie mit anderen Teamkollegen.

Wenn du dich von toxischen Menschen abgrenzen möchtest, solltest du dabei bewusst und vorausschauend vorgehen. Wenn du alles einfach auf dich zukommen lässt, werden sie ständig versuchen, dich in schwierige Gespräche zu verwickeln.

Wenn du dich hingegen abgrenzt und selbst entscheidest, ob du dich gerade mit einer schwierigen Person auseinandersetzen möchtest, fällt es dir leichter, das Chaos unter Kontrolle zu halten. Der Trick dabei ist, stets bei deiner Strategie zu bleiben und deine Grenzen zu schützen, sobald die toxische Person versucht, sie zu übertreten. Denn das wird sie mit Sicherheit irgendwann versuchen.

6. Sie lassen sich ihre Lebensfreude nicht nehmen

Wenn du deine Freude und deine Zufriedenheit davon abhängig machst, was andere Menschen über dich denken, hast du dein Glück nicht mehr selbst in der Hand. Emotional intelligente Menschen lassen sich jedoch ihre Freude über erzielte Erfolge nicht von den Meinungen oder Seitenhieben anderer zerstören.

Du wirst dich zwar nie ganz davon lösen können, dass das, was andere über dich denken, etwas mit dir macht, doch du musst dich nicht mit anderen vergleichen. Außerdem solltest du die Meinungen von anderen ohnehin stets mit Vorsicht genießen. Denn so schöpfst du dein Selbstbewusstsein aus deinem Inneren, und zwar unabhängig von den Gedanken oder Verhaltensweisen toxischer Menschen. Und ganz egal, was irgendjemand irgendwann von dir denkt, eines steht fest: Du bist nie so gut oder schlecht, wie andere von dir behaupten.

7. Sie konzentrieren sich nicht auf Probleme, sondern auf Lösungen

Wie es dir emotional geht, hängt sehr von den Dingen ab, auf die du deine Aufmerksamkeit richtest. Wenn du dich ausschließlich auf die Probleme konzentrierst, mit denen du dich gerade herumplagst, erzeugst und verstärkst du negative Emotionen und Stress.

Wenn du dich jedoch darauf konzentrierst, dich selbst und deine Situation zu verbessern, fühlst du dich selbst wieder stärker, was positive Gefühle in dir auslöst und Stress reduziert.

Wenn du dich darauf konzentrierst, wie verrückt und schwierig eine toxische Person ist, gibst du ihr damit Macht über dich. Denk nicht mehr darüber nach, wie schwierig diese eine Person ist, sondern überlege dir stattdessen lieber, wie du am besten mit ihr umgehst.

Dadurch gewinnst du die Kontrolle über die Situation zurück und du reagierst im Umgang mit der toxischen Person weniger gestresst.

8. Sie vergessen nicht, was passiert ist

Emotional intelligente Menschen vergeben anderen zwar schnell, das bedeutet jedoch nicht, dass sie genauso schnell vergessen. Um einem anderen vergeben zu können, musst du dich von der Vergangenheit lösen und weitergehen.

Das heißt jedoch nicht, dass du einem Übeltäter eine zweite Chance geben sollst. Erfolgreiche Menschen lassen sich ungern von den Fehlern anderer aufhalten, und deshalb schließen sie schnell damit ab und schützen sich dadurch bewusst vor weiteren Verletzungen.

9. Sie reden sich nicht selbst schlecht

Manchmal übernimmt man die negative Ausstrahlung von anderen. Es ist nicht falsch, wenn du ein Problem damit hast, wie ein anderer Mensch dich behandelt. Durch die Art, wie du mit dir selbst umgehst und durch die Gedanken über deine eigenen Gefühle kannst du diese Negativität jedoch verstärken oder aber auch abschalten.

Dich selbst schlecht zu reden ist falsch, unnötig und sinnlos. Du gerätst dadurch lediglich in eine emotionale Abwärtsspirale, aus der du nur schwer wieder herauskommst. Mach dich auf gar keinen Fall selbst schlecht.

10. Sie halten ihren Kaffeekonsum auf einem gesunden Level

Durch den Konsum von Koffein wird Adrenalin ausgestoßen. Durch Adrenalin wird jedoch das "Fight-or-Flight-Syndrom" ausgelöst, ein Überlebensmechanismus, der dich in einer Gefahrensituation entweder dazu bringt, aufzustehen und zu kämpfen, oder das Weite zu suchen.

Dieser Mechanismus führt dazu, dass wir unser logisches Denken für einen Moment ausblenden, um schneller reagieren zu können. Das mag zwar toll sein, wenn du von einem Bären verfolgt wirst. Wenn du jedoch im Flur zufällig einem verärgerten Kollegen über den Weg läufst, solltest du weder kämpfen noch fliehen.

11. Sie achten auf ausreichend Schlaf

Ich weiß nicht, wie oft ich in den vergangenen Jahren schon darauf hingewiesen habe, wie wichtig Schlaf für die Steigerung von emotionaler Intelligenz und für den Umgang mit Stress ist. Wenn du schläfst, lädt dein Gehirn sich buchstäblich neu auf. Es arbeitet sich im Schlaf durch die Erinnerungen, die es tagsüber abgespeichert hat, und legt sie entweder dauerhaft ab oder löscht sie (auf diese Weise entstehen Träume).

Dadurch wachst du am nächsten Morgen fit auf und kannst wieder klar denken. Wenn du jedoch nicht genug schläfst oder schlecht schläfst, hast du weniger Kontrolle über dich selbst, und deine Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung sind eingeschränkt. Durch Schlafmangel werden verstärkt Stresshormone gebildet, selbst wenn es gerade keinen äußeren Auslöser dafür gibt.

Wenn du genug schläfst, fällt es dir leichter, auf positive, kreative und vorausschauende Weise mit toxischen Menschen umzugehen, da es dir dadurch gelingt, dich sinnvoll mit ihnen auseinanderzusetzen.

12. Sie lassen sich von anderen unterstützen

Die meisten von uns versuchen ihre Probleme immer allein zu lösen, doch diese Methode bringt uns überhaupt nicht weiter. Wenn du es mit toxischen Menschen zu tun hast, solltest du dir erst einmal bewusst machen, welche Schwächen du selbst im Umgang mit diesen Menschen aufweist.

Um dir ein genaueres Bild von einer schwierigen Person machen zu können, solltest du dich von anderen unterstützen lassen. Jeder hat einen Kollegen oder Freund auf seiner Seite, der einen unterstützt und einem dabei helfen will, das Beste aus einer schwierigen Situation herauszuholen.

Überleg dir, wer diese Menschen für dich sind und bitte sie um ihren Rat und ihre Hilfe, wenn du es brauchst. Manchmal gewinnst du auch schon eine neue Sichtweise, indem du jemand anderem deine Situation erklärst. Und meist findet dein Gesprächspartner eine Lösung, auf die du selbst nicht gekommen wärst, weil er oder sie gefühlsmäßig nicht so tief in der Situation steckt wie du selbst.

Kurz gesagt:

Bevor diese Methoden wirklich gut funktionieren, wirst du erst einmal einige Prüfungen bestehen müssen. Am schwierigsten sind dabei heikle Auseinandersetzungen mit schwierigen Menschen. Die Plastizität unseres Gehirns erlaubt es ihm jedoch, sich zu verformen und anzupassen, wenn wir unser Verhalten ändern, selbst wenn wir dabei scheitern.

Wenn du dir diese gesunden und Stress lindernden Methoden für den Umgang mit schwierigen Menschen aneignest, kann dein Gehirn besser mit Stress umgehen. Und auf diese Weise wirkt sich der Stress dann auch weniger negativ auf dein Gehirn aus.

Da ich immer gerne neue Strategien zum Umgang mit toxischen Menschen kennenlerne, freue ich mich, wenn du mir in der Kommentarspalte von deinen Erfahrungen zu dem Thema berichtest!

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)