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8 Fehler, die dazu führen, dass gute Mitarbeiter kündigen

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Gute Mitarbeiter zu halten ist schwer, aber das sollte es nicht sein. Die meisten Fehler, die Unternehmen hier machen, lassen sich leicht vermeiden. Passieren Fehler, dann sind es meist die besten Mitarbeiter, die zuerst gehen, da sie sich ihnen die meisten Alternativen bieten.

Im Video oben seht ihr 9 Eigenschaften, mit denen Chefs ihre guten Mitarbeiter dazu bringen, zu kündigen.

Wenn man seine besten Mitarbeiter nicht beschäftigen kann, dann kann man sie auch nicht halten. Obwohl einem das schon der gesunde Menschenverstand sagen sollte, wird es in Unternehmen noch viel zu selten umgesetzt. Eine Umfrage von CEB fand heraus, dass ein Drittel aller Top-Mitarbeiter sich von ihrem Vorgesetzten entrückt fühlt und bereits nach anderen Optionen Ausschau hält.

Verliert man gute Mitarbeiter, dann haben diese Mitarbeiter nicht von heute auf morgen das Interesse an ihrem Job verloren. Es ist ein schleichender Prozess. Michael Kibler, der sich beruflich schon lange mit diesem Prozess beschäftigt, nennt das Phänomen Brownout - einen Spannungsabfall. Wie sterbende Sterne brennen auch Top-Mitarbeiter nicht mehr für ihren Job.

"Ein Brownout unterscheidet sich von einem Burnout, weil die Mitarbeiter, die davon betroffen sind, sich nicht unbedingt in einer Krise befinden", erklärt Kibler.

"Sie bringen ihre Leistung: Sie machen Überstunden, tragen maßgeblich zum Erfolg bei und machen sich für ihr Team stark und in Meetings sagen sie stets genau das Richtige. So kommt es jedoch zu einer kontinuierlichen stummen Überlastung und die Konsequenz ist eine Entfremdung."

Um einen solchen Brownout zu vermeiden und die Top-Talente zu halten, müssen Unternehmen und auch Manager verstehen, dass sie mit ihrem Handeln zu einem schleichenden Brownout beitragen.

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Die folgenden Punkte beschreiben die schwerwiegendsten Fehler. Sie müssen vermieden werden, wenn Unternehmen ihre besten Mitarbeiter weiter binden wollen.

1. Sinnlose Regeln

Unternehmen brauchen Regeln, so viel steht fest. Aber sie sollten nicht kurzsichtig sein und lahme Versuche darstellen, eine gewisse Ordnung herbeizuführen.

Ob es nun eine übereifrige Anwesenheitsvorschrift ist oder eine Transparenz-Regel für die Bonusmeilen der Mitarbeiter - diese unnötigen Verordnungen treiben Mitarbeiter in den Wahnsinn.

Wenn Angestellte eines Unternehmens immer das Gefühl haben, unter Beobachtung zu stehen, werden sie nach einem anderen Job Ausschau halten.

2. Jeder wird gleich behandelt

Diese Taktik funktioniert vielleicht bei Schulkindern, aber die Arbeitswelt ist etwas anderes. Jeden gleich zu behandeln zeigt den Top-Leistern nur, dass es ganz egal ist, wie sehr sie sich reinhängen (und in der Regel sind die Top-Leister echt Arbeitstiere).

Am Ende werden sie doch genauso behandelt wie die Mitarbeiter, die keinen Schritt zu viel machen und zum Feierabend pünktlich auf die Minute den Stift fallen lassen.

3. Schwache Leistungen werden toleriert

In der Musikbranche sagt man, dass jede Band nur so gut ist, wie das schwächste Mitglied. Ganz egal wie gut alle anderen sind, die falschen Töne hört man trotzdem.

Das gleiche gilt auch für Unternehmen. Wenn man schlechte Leistungen nicht anspricht und sie stillschweigend ohne Konsequenzen akzeptiert, dann zieht das auch alle anderen Mitarbeiter runter, besonders die Top-Performer.

4. Fehlende Wertschätzung

Was ein einziger Schulterklopfer alles bewirken kann, wird oft unterschätzt, besonders bei Top-Leistern, die eh hochmotiviert sind. Aber jeder hört gerne ein Lob, besonders jene, die hart arbeiten und wirklich alles geben.

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Individuelle Erfolge zu belohnen zeigt, dass man diese bemerkt. Vorgesetzte müssen das Gespräch mit ihren Mitarbeitern suchen, um zu erfahren, was ihnen Freude macht (bei manchen ist es eine Gehalterhöhung, für manche ist es ein öffentliches Lob) und sie dann damit für exzellente Leistungen zu belohnen.

Wenn man es richtig macht, dann werden diese exzellenten Leistungen zu einer Regelmäßigkeit.

5. Menschen zählen nicht viel

Mehr als die Hälfte der Menschen kündigt aufgrund des Verhältnisses zwischen ihnen und ihrem Vorgesetzten. Kluge Unternehmen stellen sicher, dass ihre Manager wissen, wie sie den Umgang mit Menschen am besten ausbalancieren können.

Diese Manager wissen, dass man Erfolge der Mitarbeiter feiert und ihnen in schweren Zeiten Rückhalt bietet. Sie fordern ihre Mitarbeiter heraus, auch wenn es wehtut.

Manager, denen ihre Mitarbeiter egal sind, werden immer mit einer hohen Fluktuationsrate zu kämpfen haben.

Acht Stunden täglich für jemanden zu arbeiten, der nur Kälte ausstrahlt, dabei nur auf den Gewinn achtet und dem der Mitarbeiter als Mensch egal ist, ist unmöglich.

6. Das große Ganze bleibt verborgen

Es scheint vielleicht effizient, Mitarbeiter immer nur mit kleinen Aufgaben zu beauftragen und sich so Stück für Stück weiterzubewegen, aber das ist ein Dealbreaker für die Top-Leister. Top-Performer schultern eine große Last, weil ihnen ihre Arbeit ehrlich am Herzen liegt.

Also müssen sie auch den Sinn dahinter sehen. Wenn sie den Sinn und Zweck nicht kennen, dann fühlen sie sich ihrer Arbeit entrückt und empfinden ihr Tun als sinnlos. Wenn sie den Sinn hinter ihrer Arbeit nicht sehen, dann suchen sie ihn sich woanders.

7. Mitarbeiter dürfen ihrer Leidenschaft nicht nachgehen

Google schreibt seinen Mitarbeitern vor, mindestens 20 Prozent der Zeit damit zu verbringen, wovon sie glauben, dass es Google am meisten nützen wird. Diese auf Leidenschaft basierende Unternehmensphilosophie trägt maßgeblich zum Erfolg von Google-Produkten wie Gmail und AdSense bei, aber vor allem sorgt sie für hochmotivierte Googler.

Talentierte Mitarbeiter sprühen vor Leidenschaft. Eine Möglichkeit zu schaffen, damit diese Mitarbeiter ihrer Leidenschaft nachgehen können, steigert auch ihre Produktivität und ihre Zufriedenheit im Job.

Oft aber verlangen Vorgesetzte von ihren Mitarbeitern, innerhalb bestimmter und beengter Markierungen zu arbeiten. Diese Manager befürchten, dass die Produktivität sinken könnte, wenn sie ihren Mitarbeitern gestatten, ihren Fokus auszuweiten und ihrer Leidenschaft nachzugehen. Diese Angst ist unbegründet.

Studien haben bewiesen, dass Menschen, die im Beruf ihrer Leidenschaft nachgehen können, in einem Flow sind und sich von einer Euphorie beflügeln lassen, die ihre Produktivität um das Fünffache steigert.

8. Es gibt keinen Spaß

Wenn die Menschen keinen Spaß an ihrer Arbeit haben, dann läuft etwas schief. Wenn die Mitarbeiter keinen Spaß an ihrem Job haben, dann können sie auch nicht alles geben.

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Und Spaß ist einer der wichtigsten Schutzmechanismen gegen einen Brownout. Gute Unternehmen wissen, dass eine aufgelockerte Stimmung auch im Job wichtig ist. Google z.B. tut alles, damit die Mitarbeiter bei der Arbeit Spaß haben: Gratis-Mahlzeiten, Bowling-Treffen und Fitness-Kurse sind da nur einige wenige Punkte, die man nennen kann.

Die Idee ist einfach: Wenn die Arbeit Spaß macht, dann leistet man nicht nur mehr, sondern legt auch mal Überstunden ein und arbeitet auch über das Rentenalter hinaus.

Zusammengefasst:

Vorgesetzte schieben die Fluktuationsprobleme gerne auf alles Mögliche und ignorieren dabei das Naheliegende: Menschen wechseln nicht den Job, sie wechseln den Vorgesetzten.

Ein Unternehmen soll ein besserer Arbeitgeber werden? Dann sollte man auch den EQ (emotionaler Quotient) berücksichtigen und in den Arbeitsplatz einfließen lassen.

(tb)

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(tb)