Huffpost Germany
Dr. Seth Berkley Headshot

Indien besiegt Polio: Ein Signal im Kampf gegen Kindersterblichkeit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Print Article

In den frühen 1980er Jahren erkrankten in Indien jedes Jahr etwa 200.000 Kinder an Kinderlähmung (Polio). Und noch im Jahr 2009 wurde fast die Hälfte aller weltweiten Fälle von Polio-Wildvirus-Erkrankungen in Indien registriert. Doch diese Woche wird in Indien ein großer Erfolg gefeiert: Vor drei Jahren wurde der letzte Fall von Polio-Wildvirus gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Indien in Anerkennung dieser Leistung nächsten Monat offiziell für poliofrei erklären.

Die Ausrottung von Polio in Indien bedeutet nicht nur das Ende von Kinderlähmung, sondern birgt ein Potenzial, das weit darüber hinaus geht. Fast 7 Millionen indische Kinder erhalten immer noch keine Basisimpfungen. Nachdem die indische Regierung bei der Bekämpfung von Polio alle erforderlichen Voraussetzungen geschaffen hat, hat sie nun die Möglichkeit, Millionen von Kindern gegen weitere lebensbedrohliche Krankheiten zu impfen. In den 1980er Jahren waren viele Leute überzeugt, dass Indien das letzte Land sein würde, dass Polio ausrotten würde. Andere stellten sogar in Frage, ob das überhaupt jemals erreicht werden könnte. Dank des mutigen Engagements der indischen Regierung, der Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren und mittels innovativer Methoden zur Verbesserung der Polio-Impfraten wurden diese Pessimisten nun eines Besseren belehrt.

Begonnen hat alles im Jahr 1995 als die indische Regierung ihre erste landesweite Polio-Impfkampagne startete. Danach setzte sie diese Bemühungen durch landesweite Impf-Tage und regelmäßige zusätzliche Impfaktionen sowie intensive Überwachung der Krankheitslast fort. Neben dieser massenhaften Mobilisierung von Kräften, hat vor allem Indiens „Geheimwaffe" entscheidend dazu beigetragen, Kinderlähmung auszurotten: Die Bereitschaft des Landes auf Innovationen und ungewöhnliche Methoden zu setzen. Durch die Kombination ausgetüftelter Mikroplanung, Kontrolle, Mobilisierung und Datenanalyse konnten die indischen Gesundheitsbehörden gemeinsam mit der WHO und UNICEF ein riesiges und sehr effektives Netzwerk aufbauen.

Mit Hilfe dieses Netzwerkes können quasi in Echtzeit Gebiete identifiziert werden, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen sowie wichtige Veränderungen oder Trends in einem Gebiet beobachtet werden . Natürlich ist man dabei auf eine große Anzahl von Arbeitskräften angewiesen. Der gut durchdachte Aufbau des Netzwerkes, sowie Rechenschaftspflicht und Priorisierung haben Indien in die Lage versetzt, ein engmaschiges Polio-Impf-Netz zu knüpfen, um jedes Kind zu erreichen.

polio
Mit unkonventionellen Methoden zum Erfolg: Ein Kind wird in einem fahrenden Zug gegen Kinderlähmung geimpft.

Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür sind die Impfteams, die Kinder im Rahmen von Impfkampagnen in fahrenden Zügen impfen. Methodisch arbeiten sie sich durch die Waggons und jedes Kind, auf dessen Finger sie keine Markierung mit nicht entfernbarer Tinte finden, bekommt zwei Tropfen Polio-Impfstoff in den Mund verabreicht. Mit dieser Vorgehensweise schaffen die Teams einen kompletten Zug innerhalb weniger Stationen.

Derart unkonventionelle Ansätze haben Indien in die Lage versetzt, Kinderlähmung erfolgreich zu bekämpfen. Zudem wurde hierdurch ein Beitrag zur Verbesserung der Routineimpfungen geleistet, denn es ist gelungen, das Polio-Erfolgsmodell beispielsweise im indischen Bundesstaat Bihar für die Impfungen gegen Diphterie, Tetanus und Keuchhusten zu wiederholen.

Dennoch sterben in Indien weiterhin jedes Jahr 1,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die durch Impfungen vermeidbar wären - wie Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen - und an Mangelernährung. Es stellt sich nun also die Frage, ob es Indien gelingt, den Erfolg bei der Polio-Bekämpfung für andere lebensbedrohliche Krankheiten zu wiederholen, um seine Kinder zu schützen. Dies wäre für uns ein noch größerer Anlass zum Feiern!

# # #

Die deutsche Bundesregierung unterstützt die Arbeit der GAVI Alliance seit 2006. Sie erhöhte ihre Beiträge von 4 Millionen im Jahr 2010 auf 20 Millionen Euro im Jahr 2011. Für 2012 und 2013 wurden jeweils 30 Millionen zugesagt. Im April 2013 kündigte die deutsche Bundesregierung ihre Absicht an, GAVI bis zum Jahr 2015 weiterhin mit einem Beitrag von mindestens 30 Millionen Euro jährlich zu unterstützen.

 
Sponsored Post