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Warum der weltweite Impfschutz wichtig bleibt

30/10/2015 09:50 CET | Aktualisiert 30/10/2016 10:12 CET
CELLOU BINANI via Getty Images

Angesichts der Verbesserung der weltweiten Gesundheitssysteme und der Versorgung immer größerer Gruppen von Menschen mit immer mehr Impfstoffen wird leicht vergessen, dass das Ausbleiben dieser Erkrankungen das Ergebnis eines laufenden Kampfes ist, der konsequent weitergeführt werden muss.

Der schwerste Ebola-Ausbruch aller Zeiten hat uns die schlimmen Folgen einer Epidemie gerade erst wieder vor Augen geführt. Anfang dieses Jahres wurden in Deutschland und den USA die ersten Masern-Toten seit vielen Jahren beklagt, und erst im vergangenen Monat meldete die Ukraine Fälle der vermeintlich ausgerotteten Kinderlähmung. Während Regierungsbehörden und heroische Gesundheitskräfte weiter erkrankte Patienten behandeln und sich dafür einsetzen, Impfungen für noch mehr Menschen bereitzustellen, mag sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wieder auf andere Anliegen richten.

Das sollte sie aber nicht

Gelbfieber - eine Krankheit mit geschichtsträchtiger Vergangenheit und problematischer Gegenwart, die sich schnell über nationale Grenzen hinweg verbreitet - bedroht derzeit 900 Millionen Menschen in 46 endemischen Ländern in Afrika sowie Zentral - und Südamerika. Die Menschen in diesen Ländern leben in der ständigen Angst vor einer Infektion mit dem Virus durch eine infizierte Mücke. Die Angst vor dem Gelbfieber ist berechtigt. Die Krankheit verläuft in bis zu 13 Prozent der schweren Fälle tödlich, eine spezielle Therapie gegen die Infektion gibt es bislang nicht.

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Ein Gesundheitshelfer im Laura's Maternity Home & Clinic in Accra, Ghana, mit einem Gelbfieber-Impfstoff am 9. Januar 2014. ©Bill & Melinda Gates Foundation/Jiro Ose

Anders als für andere in tropischen Regionen vorkommende Krankheiten wie Malaria, HIV und Ebola gibt es für Gelbfieber glücklicherweise bereits seit den 1930er Jahren einen wirksamen Impfstoff. Eine Impfung ist die beste Möglichkeit, eine Gelbfieberinfektion zu verhindern und Menschen möglicherweise ein Leben lang vor den potenziell tödlichen Symptomen der Krankheit zu schützen.

Doch wir stehen vor einem Problem: akuten Engpässen in der Produktion des Gelbfieberimpfstoffes.

Dieser kritische Versorgungsengpass könnte potenziell verheerende Folgen haben. UNICEF-Prognosen für den Zeitraum 2015 bis 2017 zufolge liegt der Bedarf für den Impfstoff bei durchschnittlich 64 Millionen Dosen pro Jahr - und übersteigt damit das derzeit in Aussicht gestellte Angebot um 42 Prozent. Die nicht haltbare Kombination einer steigenden Nachfrage mit einem begrenzten Angebot hat globale Organisationen wie die WHO, Gavi, die Vaccine Alliance, UNICEF und PATH auf den Plan gerufen - und eine weltweite Suche nach Möglichkeiten angestoßen, um betroffene Bevölkerungsgruppen wirksam zu schützen.

Angesichts der großen Zahl potenziell gefährdeter Menschen mag überraschend sein, dass es auf der ganzen Welt nur vier Hersteller von Gelbfieberimpfstoff gibt. Außerhalb der internationalen Reiseverkehr- und Militärmärkte ist der Impfstoff kaum gefragt. Dementsprechend ist in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen auch kein hoher Preis dafür erzielbar, so dass es kaum einen Anreiz für neue Hersteller gibt, in diesem Markt aktiv zu werden.

Darüber hinaus ist der Produktionsprozess komplex und erfordert extreme Präzision. Für die Produktion des Gelbfieberimpfstoffes werden zunächst keimfreie Hühnereier bebrütet. Den Hühnerembryos wird dann das Lebendvirus injiziert. Durch eine komplizierte Abfolge mühevoller Schritte werden anschließend die Komponenten des Impfstoffes formuliert. Selbst die geringste Abweichung von dieser Methode kann eine ganze Charge unbrauchbar machen.

Zum Glück haben die vier aktuell auf diesem Markt aktiven Hersteller - mit Sitz in Brasilien, Senegal, Russland und Frankreich - den Herstellungsprozess über mehrere Jahrzehnte verfeinert und perfektioniert.

Gezielte Unterstützung

Die Bill & Melinda Gates Foundation betrachtet die gezielte Unterstützung dieser bewährten Hersteller als aussichtsreichsten Ansatz, um die weltweite Versorgung mit dem Gelbfieberimpfstoff zu verbessern - und eine große Gelbfieberepidemie zu verhindern. Beispielsweise unterstützen wir das Institut Pasteur in Dakar, Senegal, mit Mitteln zur Finanzierung spezieller Schulungen für die institutseigenen Techniker und der Modernisierung der bestehenden Anlagen. So wollen wir sicherstellen, dass dieser Hersteller effizienter größere Mengen Impfstoff herstellen und damit mehr Menschen vor einer Gelbfieberinfektion schützen kann.

Aufgrund neuer Entwicklungen des 21. Jahrhunderts wie des Klimawandels, der Urbanisierung und des internationalen Reiseverkehrs kann sich Gelbfieber schneller und weiter verbreiten als zuvor. Aus der Erfahrung mit anderen Pandemien wissen wir, dass die beste Verteidigung gegen ein mobiles Virus ein wirksamer Impfstoff ist. Dass wir einen solchen Gelbfieberimpfstoff besitzen, ist ein wichtiger Vorteil. Noch besser aufgestellt werden wir sein, wenn wir den Impfstoffherstellern helfen, ihre Impfstoffproduktion zu verbessern und den Bedarf zu decken.

Mit einer andauernden globalen Kampagne können wir sicherstellen, dass alle Menschen - egal, wo sie leben - Zugang zu den lebensrettenden Impfungen haben, die sie benötigen, um ein gesundes und produktives Leben zu führen.

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