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Sonnenschutz: 5 Mythen über Sonnencremes und Co.

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LYING IN SUN FILTER BEACH
Buena Vista Images via Getty Images
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Der Sommer steht in den Startlöchern und die ersten warmen Sonnentage locken Sonnenanbeter ins Freie. Die Sonne hat aber nicht nur gesundheitsfördernde Seiten, sondern auch potenziell schädliche. Mit dem richtigen Sonnenschutz können Sie die warmen Lichtstrahlen aber ohne schlechtes Gewissen genießen. Doch stimmt es, dass man mit LSF 30 auch den ganzen Tag in der Sonne bleiben kann?

Mythos 1: Der LSF-Mythos

Viele kennen die Faustregel, der Lichtschutzfaktor - kurz LSF - sei der Faktor, mit dem man die Eigenschutzzeit multipliziert. Menschen mit heller Haut oder Sommersprossen, Rothaarige, Blonde oder Blau- oder Grünäugige sowie Menschen, die lange nicht mehr in der Sonne waren, können beispielsweise nur fünf bis zehn Minuten ohne Schutz in der Sonne bleiben.

Braunäugige mit dunklen Haaren vertragen hingegen 20 bis 30 Minuten Sonne ohne Schutz. Laut dieser Faustregel könnte jemand mit dunklen Haaren und braunen Augen, der LSF 30 benutzt, 15 Stunden folgenlos in der Sonne bleiben.

Beim Cremen erreicht man aber nie den Lichtschutzfaktor, der auf der Packung angegeben ist. Denn dieser wird nach einer EU-Norm ermittelt, bei der die Sonnencreme in sehr großen Mengen aufgetragen wird - und zwar zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. Für Gesicht und Dekolletee müsste man demzufolge einen üppig gehäuften Teelöffel Sonnenschutz auftragen - also mehr, als man im echten Leben meist verwendet.

Möchte man den Lichtschutz erreichen, der auf der Packung steht, so ist zum Beispiel für eine erwachsene Person eine Menge von ca. 40 ml pro Anwendung notwendig. Das bedeutet, dass eine normale Packung von 200 ml gerade für fünf Anwendungen reichen würde. Experten schätzen, dass die meisten Menschen nur einen Bruchteil der empfohlenen Menge anwenden und somit lediglich einen Lichtschutzfaktor von 8 oder weniger erreichen.

Mythos 2: Weniger ist mehr!

Bei Sonnenschutz trifft das nicht zu. Hier ist mehr auch mehr, getreu dem Motto „viel hilft viel". Sie sollten Sonnencremes dick auftragen und nicht sparen, damit auch der auf der Packung angegebene Lichtschutzfaktor auf der Haut erreicht wird. Cremen Sie die sogenannten „Sonnenterrassen" Nase, Lippen und Ohren besonders sorgfältig ein und vergessen Sie die Ohrläppchen nicht.

Cremen Sie sich ein, bevor Sie sich der Sonnen aussetzen. Am besten bereits 20-30 Minuten vorher und ziehen Sie erst Ihre Badekleidung an, wenn die Sonnencreme vollständig eingezogen ist. So verhindern Sie, dass an Bündchen oder Stellen, an denen die Kleidung reibt, die Schutzwirkung abnimmt und Sie einen Sonnenbrand bekommen.

Cremen Sie sich erneut ein, wenn Sie im Wasser waren - insbesondere in chlorhaltigem Schwimmbadwasser. Denn die meisten Sonnencremes sind zwar wasserabweisend, aber keineswegs wasserfest. Durch das zusätzliche Eincremen gewinnen Sie aber keine zusätzliche Zeit, sondern erhalten nur den bereits aufgetragenen Lichtschutzfaktor.

Mythos 3: Mit LSF 50 wird man nicht braun

Das stimmt so nicht. Wer einen hohen Lichtschutzfaktor nutzt wird auch braun, nur langsamer. Denn egal wie hoch der LSF ist, es gelangen immer noch genügend UV-Strahlen zu den Zellen, um dort die nötige Pigmentsynthese auszulösen, die unsere Haut braun färbt.

Mythos 4: Gebräunte Haut braucht keinen Sonnenschutz mehr oder der Besuch des Solariums bereitet die Haut auf Sonne vor

Die natürliche Bräune bietet nur einen minimalen Schutz vor Sonnenschäden. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz kam zu dem Ergebnis, dass Arbeiter, die sich ab März an die Sonne gewöhnen konnten, am Ende des Sommers einen Schutz erreicht haben, der einem Lichtschutzfaktor von 1,5 entsprechen würde.

Das heißt, Sie müssen auch dann Sonnenschutz benutzen, wenn Sie bereits mehrmals in der Sonne waren und Ihre Haut bereits goldbraun ist. Genauso wenig nutzt es, sich vor dem Urlaub ins Solarium zu begeben, um die Haut vorzubräunen. Der Lichtschutz, der hierbei erzielt wird, ist ebenfalls zu vernachlässigen.

Mythos 5: Wolken schützen vor UV-Strahlen

Wenn die Sonne scheint, ist der Griff zur Sonnencreme selbstverständlich. Ist der Himmel jedoch bewölkt, verzichten die meisten auf Sonnenschutz. Aber auch an grauen Tagen bahnen sich die UVB- und UVA-Strahlen - und zwar bis zu 90 Prozent - ihren Weg durch die Wolken und können der Haut somit schaden. Also lieber auch an bewölkten Tagen an den Sonnenschutz denken, insbesondere wenn Sie sich länger im Freien aufhalten.

Fazit: Sonnenschutz und Hautkrebsvorsorge nicht vergessen!

Wie Sie sehen, gibt es einige Mythen rund um Sonnenschutz, die Sie gleich vergessen können. Bei Fragen rund um Lichtschutzfaktor und Länge des Sonnenbades können Sie immer einen Dermatologen um Rat bitten. Suchen Sie diesen auch regelmäßig für ein Hautkrebs-Screening auf. Denn wie bei allen Krebsarten gilt auch beim Hautkrebs: Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

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