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Dr. Hubert Burda Headshot

Wie Medien sich ändern

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Getty
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Gutenberg hat den Buchdruck vor mehr als 500 Jahren erfunden. Dann kamen im 19. Jahrhundert die Fotografie, das Telefon, der Film und die Schallplatte dazu, später das Fernsehen und schließlich das World Wide Web. Eine große Zeitspanne von über 500 Jahren, die zu einer Medienwirklichkeit geführt hat, wie wir sie kennen.

Diese Entwicklung hat den Verleger Dr. Hubert Burda, der die Chancen der digitalen Welt schon sehr früh erkannte, sein gesamtes Leben hindurch beschäftigt.

Davon zeugen seine persönlichen Notizen, Vorträge und Begegnungen aus rund 25 Jahren, die er nun in dem Buch "Notizen zur digitalen Revolution" veröffentlicht hat.

Januar 1996 // Die Auswirkungen der digitalen Revolution

Ich glaube, die Auswirkungen der digitalen Revolution werden in den nächsten Jahren die Art und Weise verändern, wie wir Zeitschriften produzieren und vertreiben, arbeiten, lernen, uns unterhalten, unsere Reisen planen, unser Gesundheitswesen organisieren und wie wir mit unseren Banken verkehren.

Der Communication Highway gliedert sich in drei Bereiche: Netzwerke, Software, Content Provider. Genau das wird unser Geschäft sein, da liegt unsere Kompetenz, unser Vorsprung. Ein Communication Highway ohne Inhalte ist undenkbar.

Mai 1996 // Paradigmenwechsel

Jeder von uns fühlt, dass wir Zeuge eines großen Paradigmenwechsels sind. Er hat mit dem zu tun, was das Zusammenleben der Menschen ausmacht, ihre Kommunikation. Ursächlich dafür ist das, was man die digitale Kommunikation nennt. Also die Ablösung der Industriegesellschaft durch eine neue Art, Produktivität zu erzeugen mit Hilfe von Kybernetik, Daten und computervernetzten Systemen. Von der Informations- zur Wissensgesellschaft, das heißt auch die Wiederentdeckung des Bildes und seine neuronale Vernetzung. Text, Bild und Grafik fließen zusammen zu einem ikonografischen System der Information.

Juni 1996 // Selfpublishing

Zu den „klassischen Medien" - Fernsehen, Radio, Zeitungen und Zeitschriften - ist etwas Neues hinzugekommen: Interaktivität. Jeder kann zum Sender werden, und zwar global.

Januar 1997 // Neue Aufgaben für die Verlage

Die Aufgabe der Verlage wird immer stärker in Richtung von „Community Organizern" gehen „Every audience has its own device" - das heißt, ich muss mir genau überlegen, mit welchem Medium ich auf welche dieser „Communities" zugehe. Ich denke, Internet und Print verhalten sich komplementär zueinander: Printthemen lassen sich auf den einzelnen Nutzer zuschneiden, die neuesten Internet-Adressen und Surf-Tipps kriege ich aus Internet-(Print-)Magazinen.

Mai 1997 // Zeitschriften und Internet

Die Digitalisierung stärkt die zentrale Rolle der Zeitschriften als journalistisch ordnende Kraft inmitten einer Welt grenzenloser Datenströme. Gleichzeitig schafft sie für uns einen völlig neuen, weltweiten Markt: das Internet.

Februar 2000 // Die Eroberung der Welt als Bild

Ich fragte den Philosophen Peter Sloterdijk: „Was meinte Martin Heidegger mit dem Satz, das Wesen der Neuzeit sei die Eroberung der Welt als Bild?" Sloterdijk grübelte lange, bis er antwortete: „Vielleicht meinte er so etwas wie das Internet. Denn das ist die reale Praxis der Erdkugeleroberung."

Mai 2000 // Mobile Revolution

Mobile business will be the future and electronic devices will become wearables.

November 2000 // Mobile Business

Es sind gerade Internet und Handy von besonderer Bedeutung. Sie verändern nicht nur das Kommunikationsverhalten des Menschen, sondern - und das interessiert uns heute an dieser Stelle besonders - auch sein Kaufverhalten. Schauen Sie, wie sich Internet und Mobilfunk in den nächsten Jahren entwickeln werden.

Gerade das Mobile Business müssen wir besonders ernst nehmen, ich sehe große Chancen für all diejenigen Geschäfte, die mobil erledigt werden können.

In diesem Zusammenhang ist zu erwarten, dass Spracherkennungssysteme die Orientierung für den Nutzer erleichtern werden. Sie können sich sehr bald auf Ihrem Handy auch Reiseziele anschauen.

November 2003 // Suspense und Interaktion - Demokratisierung der Auktionen

Zu den Elementen der Selbstinszenierung und des Ereignisses in den Medien tritt noch etwas hinzu, und das ist Suspense: Spannung und Interaktion. Hier kommen die digitale Revolution, das Internet und das Handy ins Spiel. Diese Medien entwickeln eine neue Kategorie der Aufmerksamkeit, die den Einzelnen in viel stärkerem Maße aktiviert und involviert als bisherige Massenmedien (Broadcast).

Das wird klar am Beispiel von Ebay. Hätte man sich vorstellen können, dass das Auktionieren, einmal eine exklusive Tauschform der sozialen Oberschicht, zu einer der größten Veränderungen innerhalb der Ökonomie führt? Ebay hat die Auktionen demokratisiert. Das verändert den gesamten Warenfluss, über zehn Millionen Deutsche haben schon an einer EbayAuktion teilgenommen

November 2004 // Chancen der Digitalisierung

Alles ist billiger geworden. Die Digitalisierung hat die Inhalte - egal, ob Print oder Musik - billiger gemacht. Heute kann sich jedermann gratis Nachrichten über das Internet holen. Aber dennoch bleiben die Auflagen von „Spiegel", Focus oder „Stern" im Ganzen stabil. Zeitschriften sind ein Teil unserer Gesellschaft. Zudem bin ich fest davon überzeugt, dass alle zehn Jahre eine neue Generation von Zeischriftentiteln kommt.

In vielen Segmenten gibt es noch eine ganze Reihe von Chancen, neue Titel auf den Markt zu bringen. Die Auslandsmärkte sind spannend. Durch die Digitalisierung von Inhalten können erfolgreiche Zeitschriften leichter exportiert werden. Die Expansion ist Teil einer richtigen Gesamtstrategie.

April 2005 // Medien - erweiterte Körper

Marshall McLuhan nennt die Medien Ausweitungen unserer Körperorgane und unseres Nervensystems, um Macht und Geschwindigkeit zu vergrößern. Wir Menschen setzen als soziale Wesen für die Erfassung und Zusendung von Botschaften, Nachrichten und Mitteilungen Geräte ein: zunächst Papier, Federkiel und Tinte, dann kamen die Drucktechniken, Fotografie, Phonographie, Telefon, Radio, Fernsehen und das Internet.

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Dieser Beitrag basiert auf dem Buch "Notizen zur digitalen Revolution 1990-2015" von Dr. Hubert Burda, das gerade erschienen ist.
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