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"Die digitale Revolution fängt gerade erst an": Warum wir jetzt einen Digitalminister brauchen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DIGITALISATION
Westend61 via Getty Images
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"Ja doch! Jaaa doch!" - das ist es, was ich manchmal laut hineinrufen würde in eine Diskussion über die Gewichtigkeit der digitalen Revolution und den damit verbundenen Auswirkungen.

"Ja doch!" ist es, was ich ausrufen möchte, wenn ich wieder einen Artikel darüber lese, welche politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen diese digitale Revolution habe und welche nächsten Schritte nun folgen müssten.
 
"Die Welt hat sich verändert", "viele neue Chancen und Herausforderungen", "müssen diese Veränderungen begleiten und gestalten" - JA DOCH! Es stimmt alles! Ihr habt alle recht!

Triff Dorothee Bär beim Bits & Pretzels Festival am 26. September in München! Am dritten und letzten Tag des Startup-Festivals gibt es die Möglichkeit, im Schottenhamelzelt gemeinsam mit der Politikerin und 5.000 Besuchern zu networken, diskutieren und Ideen auszutauschen.
 

 
Die letzten vier Jahre waren gut für das digitale Deutschland. Wir haben der digitalen Elite die Käseglockenhaube abgenommen, sie unter das Volk gemischt und haben die technologischen und gesellschaftlichen Gräben weitestgehend mit einer vernünftigen Internetverbindung ausgestattet, bevor wir sie zugeschüttet haben.

Wir haben das Internet nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich ins Parlament gebracht und sowohl Verbände als auch Parteiarbeitskreise müssen nicht mehr in dunklen Garagen oder feuchten Parteizentralenkellern sitzen, wenn sie sich mit Digital- aka. Netzpolitik beschäftigen wollen.

Das Warmlaufen ist jetzt vorbei

 
Wir haben (vielleicht bis auf den einen oder anderen vereinzelten, ausschließlich am eigenen Bankkonto interessierten Hirnforscher) nahezu alle Menschen davon überzeugt, dass das Internet nichts grundsätzlich Schlechtes, sondern etwas sehr Gutes ist, wenn man es richtig nutzt. Und wir sind auf dem richtigen Wege, auch die letzten Trutzburgen gegen die digitale Gesellschaft zu öffnen: unsere Schulen.
 
In einer Zeit, als es noch eine eigene Partei für solche Themen gab, hätte ich jetzt geschrieben: "Und alle so: Yeah!". Aber diese Zeiten sind vorbei. Das Warmlaufen ist vorbei - jetzt muss es endlich losgehen.
 
Vor einem Marathonrennen soll man sich gut einlaufen, sollte auch mal ein oder zwei Sprints einlegen, damit die Muskeln fit sind, man ein gutes Tempogefühl bekommt und die Herzfrequenz Fahrt aufnimmt. Aber wer sich eine Stunde lang einläuft, ist am Start schon müde und verliert im Rennen am Ende ganz die Kraft. Und diese Kraft brauchen wir nun.

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Jetzt müssen wir losrennen, denn warm sind wir nun wirklich. Was wir uns vorgenommen haben, müssen wir jetzt umsetzen. Was wir trainiert haben, müssen wir jetzt abrufen.
 
Einen Digitalminister an den Kabinettstisch: besser heute als morgen! Einen Kabinettsausschuss dazu und einen Nationalen Digitalrat, der internationale Expertise in die Konferenzzimmer und Amtsstuben holt: na endlich! 
 
Die Schulen öffnen, Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, digitale Medien aktiv im Unterricht einsetzen und eine Bildungscloud erschaffen, auf die zugegriffen werden kann, ohne erst das Monster Bürokratie besiegen zu müssen: So muss es gehen!

Die Verwaltung modernisieren - echt jetzt!

Natürlich ist es faszinierend, immer wieder zu hören, was man mit dem elektronischen
Personalausweis alles machen könnte. Ein Faszinosum verliert aber seine Anziehungskraft, wenn es keinen Bezug mehr zu denen hat, die fasziniert werden sollen und die besten Funktionen helfen nicht weiter, wenn sie niemand nutzen möchte oder kann.
 
Wir brauchen das digitale Bürgerportal, mit allen nur erdenklichen Dienstleistungen - ohne stundenlange Tutorials - sondern intuitiv erfass- und nutzbar.
 
Und wir müssen dies alles den Menschen auch ernsthaft vermitteln und nicht in unbeachteten Pressemeldungen vorsichtig verlauten lassen, auf dass irgendjemand die entsprechenden Tweets in den Untiefen der Timelines entdeckt - im besten Falle ein Journalist eines Printmediums, um sie auf dem nächsten Netzkongress zu feiern und dann wieder in den allgemeinen Sitzungsprotokollen und Youtube-Kurzstatements versanden zu lassen.
 
Was wir brauchen ist ein Special Event für eine neue Digitale Agenda: Eine Keynote, die nicht davon spricht, was man können müsste, sondern was man schon kann und was man ab wann genau können wird.

Mehr zum Thema: Die deutsche Politik vernachlässigt unsere digitale Zukunft - Frankreich macht vor, wie es geht

 
Hätte Steve Jobs einst auf jener schwarzen Bühne davon gesprochen, dass man mit dem „Ding", das er einem hier nun noch vorstellen möchte, möglicherweise  irgendwann in absehbarer oder noch nicht ganz absehbarer, aber sicher nicht allzu weit entfernter Zukunft vielleicht einmal auf eine ganz neue Art und Weise Musik hören, oder dass man damit irgendwann verschiedene völlig neue Wege der Kommunikation kombinieren könnte, es hätten alle vorsichtig mit dem Kopf genickt und wären irgendwann nach Hause gegangen und hätten sich Schlafen gelegt wie jeden Abend.

So what? We'll see...

 
Stattdessen war da ein fertiges Produkt, eine Revolution zum Sehen und Anfassen: "Hiermit könnt Ihr dies tun, das tun, und jenes tun. Und es geht genau: so! Und zwar ab genau diesem bestimmten Datum. Punkt!"
 

Genau diesen Geist brauchen wir nun

 
Ausbau der digitalen Gesundheitsversorgung, Digitalisierung im ÖPNV, neue und konkrete Mobilitätskonzepte für Stadt und Land, Ausstattung in den Schulen über Ländergrenzen hinweg, klare Regelungen für Internet-Plattformen, One-Stop- Shops für Gründerinnen und Gründer und Start-Up- Unternehmen mit mutigen Ideen, klare Regeln und Verfahren bei der Online- wie der Offlinekommunikation, anstatt Schaufenster-Gesetze, verlässliche, verbindliche und für alle klar verständliche Regeln, anstatt Entwürfe für Volljuristen und Fachidioten, auf dass der EUGH wieder irgendwas entscheiden muss, mit dem niemand etwas Konkretes anfangen kann.

Mehr zum Thema:
E-Mail
Was ein Digitalminister können muss

 
Die nächste Legislaturperiode im digitalen Zeitalter muss noch besser werden als die vergehende. Sie muss konkreter werden. Die Endgegner haben wir jetzt gesehen, wir haben sie ausgemacht und benannt. Jetzt müssen wir die Level nur noch im Multiplayermodus gemeinsam durchspielen.

Los geht's!

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Lesenswert:

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