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Radio ist nicht tot - aber anders

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Um es gleich vorweg zu sagen: Radio ist nicht tot. Digital did not kill the Radiostar - and it won't. Noch immer hören 3 von 4 Menschen in Deutschland täglich Radio, darunter auch viele junge Menschen, wie beispielsweise die Studie „Terrestrischer Hörfunk: Zukünftige Entwicklung im Hinblick konkurrierender Übertragungswege" aus dem November 2014 zeigt.

Aber natürlich ändert sich die Art und Weise, wie die Menschen heute Radio hören, so wie sich die Art und Weise verändert, wie Menschen fernsehen oder Texte lesen.

Denn wie fast alle anderen Lebensbereiche, wird auch die Mediennutzung der Menschen von der Digitalisierung beeinflusst.

Wir erleben eine Entwicklung hin zur Personalisierung und Individualisierung unseres Medien- und Konsumverhaltens. Durch die leichte Verfügbarkeit und ein entsprechend umfangreiches Angebot, möchten sich die Nutzerinnen und Nutzer heute nicht mehr vorschreiben lassen, wann sie welche Sendung sehen oder welche Art von Musik sie zu welchem Zeitpunkt hören möchten.

Eine qualitativ bessere Alternative

Über entsprechende Plattformen gibt es heute Playlists nicht nur für alle Genres, sondern auch für alle Lebenslagen und Stimmungen, sei es für einen Kaffeeplausch mit Freunden, einen Kindergeburtstag, eine Party mit Freunden oder für den täglichen Morgensport.

Jenseits dieser Angebote - meist Streaming-Diensten - bietet das Digitalradio die grundsätzliche Möglichkeit eines ungleich breiteren Angebots und einer höheren Vielfältigkeit als das beim bisherigen UKW-Band der Fall ist.

Durch seine Frequenzknappheit bietet letzteres eben nicht viel Platz für Spartenangebote und schränkt damit gleichzeitig Sender und Empfänger auf eine Weise ein, die nicht mehr zeitgemäß ist.

Doch nicht nur das: Technologien wie DAB+ sind ökologischer, kostengünstiger und vor allem: Sie liefern bessere Qualität. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur nimmt sich dieser Entwicklung an und möchte sie mitbegleiten.

Digitalradio Board

Wir haben daher unter meiner Federführung bereits 2015 das „Digitalradio Board" eingerichtet, wo wir mit Vertreterinnen und Vertretern der privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, ebenso wie mit denen der Länder, der Landesmedienanstalten, der Automobil - und Gerätehersteller, sowie den Netzbetreibern gemeinsam an einem Tisch sitzen und versuchen, den Wandel des Radios zu diskutieren und zu gestalten.

Dabei sind uns drei Dinge besonders wichtig: Zunächst sollen die Landesmedienanstalten gemeinsam mit dem Deutschlandradio ein Konzept für die Einrichtung eines Digitalradio-Projektbüros erarbeiten, das vor allem zur Aufgabe haben wird, die Bevölkerung zu informieren und die Zusammenarbeit der Partner zu koordinieren.

Denn Studien haben ergeben, dass die Nutzerinnen und Nutzer DAB durchaus bereitwillig annehmen, wenn sie denn davon wissen - was leider noch nicht ausreichend der Fall ist.

Als nächstes werden wir versuchen, auf europäischer Ebene im Rahmen der Diskussion zur Universaldienstrichtlinie eine verpflichtende Ausstattung von Audio-Empfangsgeräten mit Multinorm-Empfangschips zu erreichen.

Klares Signal für das Digitalradio


Und schließlich entwickeln wir ein Förderszenario, um gerade lokalen Hörfunkanbietern bei den Kosten der Umstellung auf digitale Hörfunkübertragung unter die Arme zu greifen.

Die Medienpolitik in Deutschland muss ein klares Signal für das Digitalradio und gegen UKW setzen - wie es bereits Norwegen und die Schweiz getan haben. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten schließt sich diesem Appell an.

Und auch die Autohersteller bieten bereits in anderen Ländern, etwa in Großbritannien, DAB als Standardlösung an, was im Übrigen auch damit zu tun hat, dass diese Technologie ein enormes Potenzial im Bereich präziser, volldigitaler Verkehrsinformationen hat.

Mit dem Radio ist es, wie mit so vielen anderen Bereichen, die vom technologischen Fortschritt betroffen sind: Es bieten sich ganz neue Möglichkeiten, mit denen man umzugehen lernen muss und für die wir die richtigen gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen müssen.

Das "neue" Radio


Dabei lassen sich gerade im Bereich des Digitalradios viele Komponenten verbinden: Ein Mehr an kreativen Entfaltungsmöglichkeiten, ein breiteres und besser zugeschnittenes Angebot für die Nutzerinnen und Nutzer, wirtschafts- und industrierelevante Vorteile, ein verkehrspolitischer Nutzen und schließlich eine Verbesserung der Qualität der Angebote.

Musikliebhaber wie Nachrichten-Junkies, Kulturfreunde wie Technik-Geeks, sie alle profitieren vom "neuen" Radio, dem wir noch ein bisschen stärker und schneller aus der aufgesprungenen Eierschale helfen müssen.

Besitzstandswahrung, wie sie einige auch in diesem Bereich betreiben, ist hingegen - mal wieder - keine Lösung.

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