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Tauber Geist

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Lieber Herr Tauber,

Ich kenne Sie nicht, aber ich habe nach ihrem unsäglichen Tweet interessanterweise das Verlangen, Sie kennen zu lernen.

Ich möchte gerne wissen, welcher Mensch mit einer Arroganz, das Leben seiner Mitbürger beiseite wischen kann.

Die Verachtung, die in Ihren Sätzen mitschwingt, ist nicht zu überlesen. Ich bin erschrocken von Ihrer mentalen Kälte.

Jeder von uns hat eine Verantwortung, im Leben (offline und online) so wenig Hass wie möglich zu verbreiten. Wie kommt es, dass Sie sich erdreisten, als Figur des öffentlichen Lebens, die bereits bestehende Schneise zwischen "denen da oben" und "denen da unten" verbal zu vertiefen?

Statt diese Kluft zu kitten?

Ein einfacher Satz, der vor Brutalität und Verblendung nur so tropft - weil er so harmlos erscheint.

Solche Sätze sind es, die die Menschen auf die Barrikaden treibt, zu populistischen Parteien, die Gesellschaft spaltet, mehr Hass sät als Frieden.

Was ist Ihnen, Herr Tauber, das C in der CDU noch wert? Sind sie gedankenlos oder ohne Empathie? So oder so, Sie haben Ihre "Berufung" verfehlt.

Warum schafft ihre Regierung es nicht, allen Bürgern die Möglichkeit zu geben, ein würdiges Leben zu führen? Ich kenne hochgebildete Erzieher, Dozenten und Krankenschwestern, die ohne mehrere Jobs aufgeschmissen wären (ich bin eine davon). Diese Menschen erziehen und versorgen die Zukunft Deutschlands.

Nicht zu schweigen von den unermüdlichen Putzfrauen, Friseuren, Verkäufern und anderen Mini-Jobbern, die den Laden namens Deutschlands erst am Laufen halten.

Was ist für Sie ordentlich?

Der Pflegedienst, der Ihnen in 30, 40 Jahren völlig unterbezahlt und übermüdet die Windel wechseln wird?

Oder die Kindergärtnerin mit Burnout und Schulden von der knochenharten Ausbildung, die ihre Kinder, Nichten und Neffen, zusammen mit 30 anderen Kindern ganz individuell betreuen soll?

Sind sie tatsächlich geistig so sehr von der Realität entfernt, dass Sie sich zu einer Art "sollen sie doch Kuchen essen" Aussage haben hinreißen lassen?

Öffnen Sie die Augen, Herr Tauber.
Worte sind Waffen und heute haben Sie sehr viele Menschen verletzt.

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