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5 Dinge, die dir als Asiatin in Deutschland passieren

03/06/2017 19:28 CEST | Aktualisiert 03/06/2017 19:30 CEST
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Mein Beitrag "Ich bin nicht dazu verpflichtet, deine egoistische Neugier zu stillen" für die Huffington Post Deutschland und die Reaktionen auf der Facebook-Seite haben mich zum nachdenken gebracht.

Warum werden einige Leserinnen und Leser so schnell von bestimmten Worten getriggert und nehmen sich nicht die Mühe, wirklich alles zu lesen?

Auf die Tatsache, dass PoC des öfteren wegen ihres Aussehens begafft und andauernd gefragt werden, woher sie denn nun kommen, las ich häufig den Kommentar: Im Urlaub werde ich das auch immer gefragt.

Sehr witzig. Mein Leben ist kein Urlaub und die Implikationen, die sich aus der Aussage ergeben, sind wirklich respektlos.

Im Zuge dessen habe ich mir überlegt, was man als Deutsche mit (ost)asiatischen Wurzeln sonst noch in Deutschland zu hören bekommt und durchlebt.

Am besten liest du dir das alles - auch mit einem Augenzwinkern - in Ruhe durch, bevor du beschließt, von irgendwas getriggert zu werden.

Fünf Dinge, die dir mit asiatischen Wurzeln in Deutschland passieren:

1. Du wirst in Deutschland regelmäßig von Aktivisten bedrängt, keine Hunde mehr zu essen.

Dabei ist die Schlachtung von Hunden in Deutschland (erst) seit 1986 verboten - jeder weiß doch, dass im Westen nur noch Leute in der Schweiz Hunde essen.

2. Wir sehen angeblich alle gleich aus.

Geh zum Optiker.

3. Deine Eltern arbeiten immer als Krankenschwester, Bergarbeiter, oder Zigarettendealer; waren Katalogbraut, massieren mit Happy End oder besitzen ein Nagelstudio.

Es gibt mittlerweile auch Ärzte, Anwälte, Lehrerinnen, Grafiker, Politikerinnen, IT-Spezialisten, Naturwissenschaftlerinnen... wir sind überall vertreten, wie es in einer offenen Gesellschaft sein sollte.

4. Du wirst permanent mit konnichi wa oder nihao angeredet.

Was nicht so schlimm wäre, würde Asien nur aus Japan oder China bestehen. Asien ist aber etwas größer. Sehr viel größer. Ich reagiere sowieso nur auf Moin - oder auf Grüß Gott und Servus, Dank meiner Studienzeit in Franken.

5. In den Medien wirst du als Asiatin oder Asiate so dargestellt:

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(Emma Stone als Chinesin im Flop-Movie Aloha, Death Note von Netflix und Dragonball Evolution.)

Es gibt noch zahlreiche andere Situationen, die manchmal ärgerlich oder unfreiwillig lustig sind - aber es ist nichts, was mich Nachts um den Schlaf raubt. Ignoranten gibt es überall und wer nicht meiner Meinung ist, aber seine Ansichten respektvoll und ohne Caps Lock darlegen kann, ist mir immer willkommen - Diskurs ist wichtig, niemand hat die Wahrheit gepachtet.

Es ist auch ein Privileg, worüber wir im allgemeinen viel zu wenig nachdenken.

Debatten zu führen und aufgeregte Blog-Posts hochzuladen - all das ist in der heutigen Welt leider nicht überall selbstverständlich.

Nur, damit dieses Privileg auch weiterhin bestand hat, müssen alle, die in diesem Land leben, arbeiten und lieben wollen, auch gehört werden. Insbesondere die Erlebnisse der PoC verdienen vielfältige Stimmen.

PS: Eins hat mich aber nicht einschlafen lassen!

Ich kann vieles ignorieren, aber was mit Dragonball passiert ist, ist ein Sakrileg.

Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.

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