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Lieber Herr Palmer, sie haben keine Ahnung, was Rassismus im Alltag bedeutet

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BORIS PALMER
Thomas Niedermueller via Getty Images
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Ohne das vollständige Interview zu lesen, kann einiges missverstanden werden; bei den eindeutigen Aussagen von Boris Palmer in der Welt gibt es für mich aber keinen Spielraum für falsche Interpretationen.

Ein Zitat von Palmer aus der Welt:

"Wir müssen die Toleranz, die wir früher für uns eingefordert haben, nun selber an den Tag legen"

Aha. Wir sollen also eine Partei, deren "Köpfe" aus geistigen Brandstiftern schlimmstenfalls sogar echte Brandstifter macht, tolerieren?

Eine Partei und deren Wähler tolerieren, die im Gegenzug andere Menschen nicht tolerieren können und wollen? Ich nenne so etwas Humbug.

Toleranz ist nämlich der erste Schritt zur Akzeptanz -  und das kann bei einer Partei, die rechtes Gedankengut in pseudo-intellektuellen Scheibchen verabreicht, nicht das Ziel sein!

Und die Ursprünge der Grünen mit der AfD gleich zu setzen, hach -  das würde mich zum Lachen bringen, wenn es nicht so traurig wäre.

Herr Palmer, geht's eigentlich noch?

Bitte nehmen Sie, Herr Boris Palmer, doch einige Geschichtsstunden oder fragen Sie Parteikollegen der älteren Generation, die die Grünen als Partei für Menschenwürde und Umweltpolitik bundesweit bekannt gemacht haben.

Was mich absolut sprachlos gemacht hat (ehe ich in die Tasten haute), war folgendes: (ebenfalls aus der Welt)

"Ich trete der Theorie entgegen, dass man den Alltagsrassismus so entschieden bekämpfen muss, wie den offen ausgelebten"

Dieser Satz und diese Einstellung kann nur von einem privilegierten Wesen kommen, welches noch nie in der Situation war, sich im Alltag gegen Rassismus zur Wehr setzen zu müssen.

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Was unterscheidet Alltagsrassismus vom offen ausgelebten Rassismus?

Aus unterschwelligen Mikroaggressionen und Alltagsrassismus entsteht der "offen" ausgelebte Rassismus. Die brüllenden Rechtsradikalen kommen - entgegen der Legende - nicht kahlgeschoren und mit Stiefeln aus dem Mutterleib gesprungen, sondern wachsen durch ihre Erziehung und Erlebnisse aus dem Alltag zu Radikalen heran!

Wann ist Rassismus "offen", Herr Palmer?

Warum ist alltäglicher Rassismus (= Alltagsrassismus) weniger schlimm als der offen ausgelebte Rassismus? Was ist der Unterschied?

Warum soll ich mir, so nach ihrer These, als PoC den Alltagsrassismus jeden Tag gefallen lassen, weil das weniger schlimm sei als der "offene" Rassismus?

Wissen Sie überhaupt, wie verletzend Alltagsrassismus sein kann?
NEIN, natürlich nicht -  wie auch! Und bitte jetzt keine Kommentare wie "Im Urlaub werde ich mit meiner weißen Haut auch angestarrt..." Nope.

Wann ist Rassismus offen?

Wenn einem Menschen eins über die Rübe gezogen wird?
Wenn Springerstiefel auf gekrümmte Körper eintreten?
Wenn Molotow-Cocktails Scheiben durchschlagen?
Wenn auf den sozialen Netzwerken ohne Hemmungen gedroht wird?

Haben Sie sich, Herr Palmer, mal gefragt, woher dieser Hass kommt?
AUS DEM ALLTAG. Wieso möchten sie die Symptome bekämpfen und nicht die Ursachen?

Im übrigen beleidigen Sie den Großteil der aufgeschlossenen und intelligenten Bevölkerung Deutschlands mit der Aussage: "Alltagsrassismus sei so diffus, dass man den Großteil der Bevölkerung damit beschuldigen könnte." (Zitat aus der Welt)

Ich weiß nicht, mit welchen Menschen aus der "Bevölkerung" Deutschlands Sie sich umgeben, aber diejenigen, die ich kenne, wissen zumindest seit dem Kindergarten, was Alltagsrassismus ist. Nämlich: absolute Scheiße.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf Medium veröffentlicht.

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