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Wie du lernst als Businessfrau nein zu sagen, auch wenn du vorher ja gesagt hast

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Sam Edwards via Getty Images
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Ich gehe davon aus, du bist ein guter Mensch, bist bereit zu geben, nimmst aber auch gerne Hilfe in Anspruch, wenn du sie brauchst. Daran ist auch nichts verkehrt, denn wir Menschen sind sozial gepolt und hier und da mal auszuhelfen ist irgendwo ja schon fast eine Pflicht.

Es ist wirklich wichtig, nicht immer nur an sich selbst zu denken und sich auch mal Dingen hinzugeben, die anderen mehr helfen, als einem selbst. Die Frage ist nur, wo ist die Grenze und wo artet es in die Richtung des Ausnutzens aus? Wer immer und überall nachgibt und das tut, was von einem verlangt wird, tut sich selbst auf Dauer keinen grossen Gefallen.

Wenn dich jemand ständig um etwas bittet, auf das du eigentlich keine Lust hast oder du immer wieder unangenehme Arbeiten übernehmen sollst, ist es dein gutes Recht - nein sogar deine Pflicht - nein zu sagen. Ganz besonders dann, wenn du deine eigenen Prioritäten aufgrund dieses Gefallens ständig hinten anstellen musst.

Doch was hält uns davon ab „Nein" zu sagen?

Nicht Nein sagen zu können, hat vorwiegend etwas damit zu tun, dass wir uns um unser Ansehen fürchten. Die Angst davor, abgelehnt und nicht mehr gemocht zu werden, steht uns im Weg. Das fängt schon in der Kindheit an.

Wenn Kinder in ihrer Trotzphase Grenzen testen, verspüren sie mit einem Nein eine extreme Ablehnung. Und Ablehnungen haben immer etwas mit Schmerz zu tun. Die Trotzphase prägt Kinder so sehr, dass sie sich instinktiv im Erwachsenenalter an diese Ablehnung erinnern und dann lieber Zusagen, als diesen Schmerz nochmals zu verspüren.

Es hat den Anschein, dass etwas abzulehnen uns zu einem schlechteren Menschen machen würde und dass die Menschen uns dann für unsozial, herzlos, egoistisch oder selbstsüchtig halten. Dabei ist es enorm wichtig für sich einzustehen und auch mal nein zu sagen, wenn es nicht passt.

Für eine Zukunft als erfolgreiche Unternehmerin bleibt dir nichts anderes übrig, als das Nein sagen zu lernen. Nein-Sager gelten entgegen des Klischees in der oberen Etage eher als selbstbewusst, robust, belastbar und resistent.

Stell dir mal vor, wie oft deine Vorgesetzten in ihrer Karriere schon Nein sagen mussten, wenn Mitarbeiter mit Gehaltswünschen gekommen sind? Natürlich reagiert keiner erfreut auf ein Nein, aber hier macht auch der Ton die Musik. Ein Nein muss sich nicht immer wie ein geprügeltes oder abwertendes Nein anhören, sondern kann auch auf Kompromisse hinauslaufen.

Ab sofort bist du Businessfrau und musst nicht sofort springen, wenn jemand deinen Namen ruft

Menschen die dir in solchen Situationen unterstellen, dass du ein Egoist bist, weil du nein gesagt hast, wollen dich eigentlich nur dazu bringen das zu tun, was sie von dir verlangen. Es sagt aber noch lange nichts über deinen Charakter aus, nur weil du eigene Prioritäten setzt. Was dich aber vor dem Nein sagen bewahrt, ist, dass du vermutlich das Gefühl liebst, gebraucht zu werden.

Dieses Gefühl ist ein Grundbedürfnis, dass sich häufig gar nicht steuern lässt. Indem du aber bewusst lernst, nein zu sagen, machst du dich rar und gibst dir selbst einen Wert, den dein Gegenüber zu schätzen werden weiss.

Nehmen wir einen A-Promi, der täglich unzählige Anfragen für Interviews in Magazinen, Zeitungen, Radiosendungen, TV-Shows usw. bekommt. Parallel zu dem allen, muss er ebenfalls seine Promotiontour machen, hat vielleicht ein festes Engagement als Schauspieler, Sportler oder Starkoch, dem er natürlich auch noch nachgehen muss.

Denkst du er hat die Zeit und die Energie überall zuzusagen? Am Anfang seiner Karriere war er sicherlich noch froh über jede einzelne Anfrage, aber im Laufe seiner Karriere nimmt auch das Interesse an seiner Person und seinen Produkten zu und er wird lernen müssen abzuwägen, was ihm am besten gut tut und worauf er guten Gewissens verzichten kann und muss.

Auch du stehst vermutlich am Anfang deiner Karriere und hast vielleicht einige Jobs bisher umsonst oder für wenig Geld gemacht. Da dein Business aber idealer weise mit der Zeit gewachsen ist, kannst dir guten Gewissens erlauben, für deine Produkte oder Dienstleistungen nun Geld zu verlangen, auch wenn du sie vorher für viel weniger oder sogar umsonst angeboten hast.

Du bist Unternehmerin, du bist selbstständig und natürlich musst du dir das Leben daher auch selbst finanzieren. Kein Mensch ist selbstständig und braucht kein Geld. Deine Arbeit, deine Zeit, deine Expertise und deine Kenntnisse haben ihren Wert und auch wenn du es im Moment noch nicht glaubst, es gibt Leute, die für deine Expertise zahlen würden.

Anliegen und Bitten kommen oft mal zwischendurch in einem Gespräch um die Ecke geschossen und bevor man checken kann, ob das für einen selbst überhaupt machbar ist, sagen wir viel zu schnell ja.

Wenn du dir also nicht sicher bist, dann ...

... denke als Unternehmerin und nicht als jemand, der sein Hobby ausführt.

Manche Menschen sind so etwas von ausgefuchst. Sie werden alle Register ziehen um bei dir zu landen. Wenn Menschen etwas unbedingt wollen, versuchen sie alles, was in ihrem Verhandlungsgeschick liegt in die Waagschale zu legen, um den besten Deal klarzumachen. Zu den typischen Überredungskünsten gehört:

  • Druck ausüben
  • Schuldgefühle erzwingen
  • Schmeicheleien
  • Alle Register von Mitleidstouren ziehen
  • Erpressung
  • und Überrumpelung

Um diesen Taktiken geschickt entgegenzuwirken, ist es wichtig für dich zu wissen, wo deine absolute Schmerzgrenze liegt. Inwiefern bist du bereit dieser Person entgegenzukommen? Wenn diese Person absolut nicht fähig ist die gewünschten Bedingungen einzuhalten, welche Kompromisse kannst du eingehen? Kann sie dich vielleicht im Gegenzug bei einer anderen Sache unterstützen? Wenn trotz allem nichts geht, dann halte dir immer als letzte Option die Ablehnung offen. Du musst nichts tun, wobei du dich nicht wohl fühlst.

Manchmal stellt sich hinterher sogar heraus, dass die Ablehnung ohnehin die bessere Entscheidung war. Your Business. Your Rules - vergesse das nie, auch wenn es mal kurzfristig unangenehm wird. Wenn du lernst nein zu sagen, bedeutet das, dass du gelernt hast klare Grenzen für dich zu setzen. Das betrifft insbesondere Dinge, die du am Anfang für umsonst gemacht hast und ab einem gewissen Zeitpunkt dafür Geld verlangen möchtest.

„Was nichts kostet, ist auch nichts wert"

Dieses Motto kommt vor allem bei Menschen zum Zug, die Qualität lieben und keine Massenware von der Stange möchten. Jeder Mensch weiss es zu schätzen, wenn er nicht nur einen Nummern-Stempel auf die Stirn bekommt, sondern so behandelt wird, als wäre er etwas besonderes.

Das gleiche gilt auch für Produkte und Dienstleistungen. Wenn du etwas anbietest, dass dem Menschen helfen soll, dann traue dich ruhig, angemessenes Geld für deinen Service zu verlangen.

Damit wertest du nicht nur dein Dasein als Unternehmerin auf, sondern vermittelst auch eine gewisse Qualität deiner Produkte. Kunden, die wirklich ernsthaft eine Lösung für ihr Problem in deinen Produkten suchen, werden auch bereit sein, für Qualität zu bezahlen.

Bitte um Bedenkzeit, wenn du nicht sofort ja sagen möchtest

Oft wird man mit einer Fragestellung überrumpelt oder weiss nicht auf Anhieb, ob die Umsetzung mit dem eigenen Zeitplan überhaupt machbar ist. Zu allem ja zu sagen, setzt dich enormen Stress aus und du gehst das Risiko ein nicht mehr genug Zeit für deine eigenen Projekte zu haben.

Stelle dir deshalb dazu folgende Fragen:

  • Was ist es genau, dass ich tun soll?
  • Möchte ich das tun oder eigentlich eher nicht?
  • Wie viel Kraft, Zeit, Energie und Lust habe ich?
  • Muss ich eigene Dinge oder Verpflichtungen zurückstellen?
  • Wer bittet mich um diese Sache? Ist es eine Person, die mir schon oft ausgeholfen hat?
  • Welche Bedeutung hat dieser Mensch für mich?
  • Warum fällt es mir so schwer nein zu sagen?

Wenn du dich für ein Nein entscheidest, ist es dennoch wichtig, bei den Absagen ehrlich zu sein, meistens werden Ausreden früher oder später auch als solche aufgedeckt. Und diese fallen in der Regel nie positiv auf dich zurück.

Sei also einfach ehrlich mit deiner Begründung. Jeder würde es verstehen, wenn du derzeit einfach nicht die Zeit oder den Kopf dafür hast, dich mit anderen Dingen zu beschäftigen und du läufst auch nicht Gefahr dich in deiner Antwort zu verzetteln, falls du ein paar Monate später wieder darauf angesprochen wirst.

Das gleiche gilt auch, wenn dich jemand um einen Gefallen im Zusammenhang mit deinem Unternehmen bittet, dessen Umsetzung aber nichts mit deiner Materie zu tun hat. Lehne ab, sei dabei aber freundlich und bestimmt.

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