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So verändert Technologie die Migration weltweit

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REFUGEE MOBILE
Alkis Konstantinidis / Reuters
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In Deutschland gab es 2016 ca. 17 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Vor wenigen Jahrzehnten hätten diese Menschen den aktiven Kontakt zu den Familien aufgeben oder die ganze Familie mitnehmen müssen.

Heute gibt es viel mehr Migranten, die ohne ihre Familie auswandern und trotzdem in engem Kontakt mit ihnen stehen. Besonders mit dem Aufkommen des Internets, wurde es zunehmens leichter in Kontakt zu bleiben.

Der Zeitaufwand Nachrichten über Ländergrenzen hinweg zu senden ist von mehreren Tagen zu wenigen Sekunden geschmolzen. Briefe haben heute lediglich noch eine romantische Note, werden aber für den einfachen Informationsaustausch kaum noch verwendet.

Durch die neuen technischen Möglichkeiten fördern vor allem junge Unternehmen immer mehr Ideen zutage, die Migranten ihr Leben erleichtern und damit indirekt die Bereitschaft zur Migration nachhaltig verändern.

Räumliche Nähe ist nicht mehr entscheidend

Es ist nicht allzu lange her, da war es schon eine Sensation, dass wir uns per Telefon in Echtzeit austauschen konnten. Die Preise waren jedoch so teuer, dass ein Telefonat über Ländergrenzen hinweg nur für wichtigste Neuigkeiten wie Geburt, Tod oder Hochzeiten in Betracht gezogen wurde.

Heutzutage kommt uns das schon befremdlich vor und wir denken kaum noch über die Distanz zwischen uns und unserem Gesprächspartner nach. Das lässt räumliche Nähe immer weiter in den Hintergrund rücken.

Menschen halten einen engen Kontakt zu ihren Familien und Freunden, auch wenn diese in einem Land auf der anderen Seite der Erde leben.

Auch die Möglichkeit, die eigene Familie aus der Ferne zu unterstützen, hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Während früher zu Weihnachten oder anderen Festtagen einmalig Geldbeträge nach Hause geschickt wurden, ist es heute normal, mal eben schnell, einige wenige hundert Euro zu versenden.

Dafür ist es auch schon länger nicht mehr nötig einen persönlichen Auftrag bei den Bankinstituten aufzugeben. Schon seit einiger Zeit gibt es Services, die Auslandsüberweisungen von Migranten ermöglichen.

Heutzutage sind wir soweit, dass solche Überweisungen sogar per App möglich sind und nicht einmal mehr der Gang zu Anbietern mit Filialen nötig ist. An ihre Stelle sind sogenannte Fintechs gerückt.

Die einfache Möglichkeit zur Rücküberweisung von Geld an die eigene Familie klingt profan, ist aber ein wichtiger Teil im Leben von Migranten, da sie so ihre Unterstützung zeigen können.

Die Asiatische Entwicklungsbank schätzt beispielsweise, dass 4,3 Mio. Menschen auf den Philippinen nur aufgrund von Geldtransfers über der Armutsgrenze bleiben.

Das Smartphone als Schlüssel zur Welt

Schon in der Ära des festen Desktop PCs gab es Chat und E-Mail Verkehr, dieser war aber immer an die Zeiten gebunden, an denen die Nutzer direkt am Gerät saßen. Durch das Smartphone ist die Kommunikationsform via Chat und E-Mail zu einem dauerhaften Zustand geworden.

Wenn ein Mensch länger als acht Stunden nicht antwortet, lässt man höchstens noch Schlaf als Entschuldigung gelten. Diese konstante Form der Kommunikation hat zwar auch negative Seiten, die schon hinreichend diskutiert werden, aber auch sehr positive.

Für Menschen, die von ihren Mitmenschen durch lange Distanzen getrennt sind, ist es sehr positiv, wenn ein konstanter Informationsfluss möglich ist. Dabei ist das Smartphone nicht nur zum chatten, sondern der Schlüssel zur gesamten digitalen Welt.

Über die Mobilgeräte ist es möglich Verträge abzuschließen, Geld zu überweisen und Behördengänge zu erledigen, vollkommen unabhängig vom Standort. Sobald sich das mobile Bezahlen mit dem Smartphone in Deutschland durchsetzt, könnte es sogar denkbar sein ohne Geldbörse aus dem Haus zu gehen.

Laut einer aktuellen Cisco-Studie wird es im Jahr 2021 weltweit mehr Mobiltelefone (5,5 Milliarden) als Bankkonten (5,4 Milliarden) geben. Das zeigt, welchen Stellenwert das Smartphone einnimmt.

Ein zusätzlicher Bonus von Smartphones ist die Handhabung.

Die Bedienung von Apps beispielsweise ist meist nicht abhängig von einer Sprache und basiert auf einfach zu verstehenden Symbolen und Interaktionen, sodass selbst Apps, die nicht in der eigenen Sprache verfügbar sind, für Migranten sehr hilfreich sind. Besonders für Aufgaben wie Behördengänge und Verwaltung sind solche digitalen Helfer sehr willkommen.

Im Bereich Organisation und Finanzen ist es durch Apps ebenso sehr viel einfacher geworden. Menschen können zusammen an Projekten arbeiten, egal ob sie im selben Land sind. Der Austausch von Informationen, Arbeitskraft und Geld ist durch das Internet sehr viel einfacher geworden.

Eine Vernetzte Welt für vernetzte Weltbürger

Grenzen waren bis vor wenigen Jahren noch etwas sehr reales und sind es in vielen Gebieten auch noch heute.

Das Übertreten einer Grenze wird uns sehr bewusst, wenn wir alle Preise in unsere heimische Währung umrechnen müssen, mit fremdartigen Geld hantieren, jedes mal Geld abheben Gebühren kostet und wir plötzlich hohe Summen für Telefonate bezahlen müssen. Das normale Mobiltelefon konnte uns daher im Ausland nicht wirklich helfen.

Durch Smartphones jedoch, die sich bei jedem Kontakt mit W-Lan benutzen lassen als wäre man zuhause, hat sich in diesen Punkten einiges geändert. Sobald wir Internet auf dem Smartphone haben, scheint es egal zu sein, wo wir uns auf der Welt gerade befinden.

Ob Kommunikation, Geld oder einfach nur Spaß, alles lässt sich durch das Smartphone steuern, solange wir online sind. Der Rückgang von Roaming Gebühren für mobiles Internet trägt sein Übriges dazu bei.

Kommunikation verbindet

Die für die Migration wohl wichtigsten technischen Fortschritte sind im Bereich Kommunikation zu verorten. Damit, dass Menschen sich nahe sein können, obwohl sie tausende Kilometer entfernt leben, steigt die Bereitschaft in ein anderes Lands zu ziehen.

Zusätzlich sind es aber vor allem technologisch fortschrittliche Dienstleistungen, die neben der Kommunikation auch die Verwaltung und das generelle Leben einfacher gestalten, was viele Grenzen aus den Köpfen entfernt.

Darunter fallen digitale Finanzverwaltung, Übersetzungshilfen und nicht zuletzt Online-Communities wie Tripadvisor, die einen Start in einer fremden Stadt unterstützen. Mit diesen Hilfsmitteln fühlt man sich seiner alten Heimat nicht fern und kommt in der neuen Heimat gleichzeitig schnell an.

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